Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.07.2011

20:57 Uhr

Rating

Standard & Poor's straft Griechenland erneut ab

Die Ratingagentur Standard & Poor's stuft die Kreditwürdigkeit Griechenlands weiter herab. Zudem verpasste sie dem hochverschuldeten Land einen negativen Ausblick.

Gewitterstimmung beim Parthenon: S&P stuft Griechenland herab. Quelle: dpa

Gewitterstimmung beim Parthenon: S&P stuft Griechenland herab.

Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands am Mittwoch erneut herabgestuft. Die Agentur bewertet die Staatsanleihen des Landes nun mit der Note „CC“ nach bislang „CCC“. Zudem verpasste sie dem Land einen negativen Ausblick und signalisierte damit, dass sie eine weitere Herabstufung für wahrscheinlich hält. Der von der EU geplante Schuldentausch komme zudem einen selektiven Zahlungsausfall (selective default) gleich, erklärte die Agentur.

S&P ist die letzte der drei großen Rating-Agenturen, die nach der Übereinkunft des Euro-Gipfels auf ein neues Rettungspaket unter Beteiligung privater Gläubiger vor einem Zahlungsausfall warnt. Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone hatten sich am vergangenen Donnerstag auf ein weiteres Paket im Volumen von 109 Milliarden Euro für Griechenland geeinigt. Die Beteiligung privater Gläubiger an der Umstrukturierung griechischer Schulden wird sich Schätzungen zufolge bis 2014 auf rund 50 Milliarden Euro belaufen.

S&P erklärte, die den Anleihegläubigern offenstehenden Optionen bedeuteten Nachteile für die Investoren. Lediglich der Kauf griechischer Anleihen auf dem Sekundärmarkt würde nicht als Zahlungsausfall gewertet, da diese Transaktionen tatsächlich auf freiwilliger Basis ablaufen würden. Die Agentur fügte jedoch hinzu: „Unserer Meinung nach bleibt die Wahrscheinlichkeit eines zukünftigen Zahlungsausfalls bei den neuen Schuldpapieren hoch.“ Moody's hatte erst am Montag die Bonität Griechenlands in Reaktion auf die Beschlüsse des Gipfels auf eine Stufe über Zahlungsausfall herabgestuft.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Von

rtr

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rene

27.07.2011, 20:47 Uhr

Ich weß nicht, wieso man auf die amerikanischen Ratingagenturen noch hört. Unabhängig? Niemals. Nur Ablenkung vom eigenem Schlamassel.
Während S&P, Moodys und Fitch von europäischen Staaten keine Staatsdefizit pro Jahr und ein Abbau der Gesamtverschuldung erwartet, kämpft man in Amerika über das Wie der Erhöhung der Schulden *kopfschüttel*

Thomas-Melber-Stuttgart

27.07.2011, 21:04 Uhr

Ich bewerte Griechenland 'mal mit ... "Z".

Account gelöscht!

27.07.2011, 21:59 Uhr

Einen wunderschönen Abend und ein herzliches Willkommen allen Europakennern und Blockflötengesichtern der erlauchten Rating-Szene!
Ich hätte da mal einen absoluten Insider-Tip für Euch -also bitte nicht weiter sagen!!

Wenn ihr demnächst mit euren Einstufungen für europäische Staaten am unteren Ende der Skala angekommen seid, habt ihr nichts mehr zu tun -oder? Und jetzt kommt der Tip: Da gibt es, von Europa aus gesehen, auf der anderen Seite des Teiches, ein noch nicht entdecktes Land, nach Aussagen des herrschenden Königs Obama, "die wichtigste Nation der Erde", nennt sich USA. Die stehen aktuell "triple A", böten also thoretisch maximals Potenzial zum Downraten. Und jetzt kommts!! Man munkelt, die hätten gar keine Knete mehr. Vor dem König Obama war da ein anderer König an der Reihe, man sagt, der hätte schon gelogen, wenn er nur den Mund aufgemacht hat -slbst beim gähnen! Der hat immer gesagt, alles ist gut und wird noch besser und hat sogar eine eigenes Buisensmodell entwickelt, nach dem man mit Kriegen Geld verdienen kann. Also Jungs, von S&P, Moody´s und Fitch, wenn ihr demnächst Arbeit sucht, schaut euch da mal um -sollte nicht so weit weg von euren Firmensitzen sein.

Für weitere Tips stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung.

Euer Klaus



Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×