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08.12.2011

07:07 Uhr

Rating-Warnschuss

Standard & Poor's droht Euro-Banken mit Herabstufung

Die Ratingagentur macht Druck auf die Politik: Vor dem Euro-Gipfel hat S+P nun auch den wichtigsten Großbanken der Eurozone mit einer Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit gedroht - wie bereits zuvor den Euro-Staaten.

Nach den Euro-Staaten droht die US-Ratingagentur Standard & Poor's nun auch den Banken der Eurozone mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit. AFP

Nach den Euro-Staaten droht die US-Ratingagentur Standard & Poor's nun auch den Banken der Eurozone mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit.

LondonNach Europas Staaten attackiert die US-Ratingagentur S&P nun Europas Banken. In einem Rundumschlag stellte Standard & Poor's am späten Mittwoch die wichtigsten und größten Kreditinstitute der Euro-Zone unter verschärfte Beobachtung („CreditWatch“), darunter auch die Deutsche Bank und die Commerzbank, sowie eine Reihe französischer Banken. Weitere Institute sollen folgen. Ihnen droht damit genauso wie ihren Heimatländern eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit, was wiederum die Refinanzierung erschweren würde.

Der Schritt ist die logische Folge aus der Ankündigung von S&P vom Montag, die Bonitätseinstufung von 15 Euroländern wegen der schwelenden Schuldenkrise zu überprüfen. Deutschland oder auch Frankreich könnten dabei ihre Topbonität von „AAA“ verlieren. Entscheidend ist nun der Ausgang des EU-Gipfels am Donnerstag und Freitag, wo Lösungen für die Schuldenkrise gefunden werden sollen.

S&P erhöhte den Druck auf Europas Politiker am Mittwoch noch zusätzlich durch die Warnung, möglicherweise auch die sehr gute Kreditwürdigkeit („AAA“) der Europäischen Union um eine Stufe abzusenken. S&P hat nun 90 Tage Zeit, eine Entscheidung zu fällen. Ein gutes Rating ist die Voraussetzung dafür, dass sich Staaten oder auch Firmen zu günstigen Konditionen frisches Geld am Kapitalmarkt besorgen können.

Zudem droht die Ratingagentur auch der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Entwicklungsbank des Europarates (CEB) mit einer Herabstufung. S&P versah am Donnerstag die beste Bonitätsnote „AAA“ für das Langfrist-Rating für EIB und CEB mit einem negativen Ausblick.

Der Schritt folgt der 5. Dezember von S&P ausgesprochenen Drohung, 15 Länder der Euro-Zone herabzustufen - darunter Deutschland und Frankreich. S&P begründete die Überprüfung der Länder mit den erheblichen Unsicherheiten im Zuge der Schuldenkrise. Der negative Ausblick für EIB und CEB spiegele die Besorgnis wider, dass sich die Probleme in der Euro-Zone auch auf diese Institutionen auswirken könnten, teilte S&P mit.

Die EIB fördert die Ziele der Europäischen Union durch die langfristige Finanzierung tragfähiger Investitionen. Sie bietet Kunden im privaten und öffentlichen Sektor Darlehen, technische Hilfe, Garantien und Risikokapital an.

Die Entwicklungsbank des Europarates CEB vergibt langfristige zweckgebundene Darlehen für soziale Zwecke. Sie fördert unter anderem Projekte in Ausbildung, Gesundheit und Umweltschutz. Ziel ist die Verbesserung der Lebensverhältnisse in den am wenigsten begünstigten Regionen Europas.

Kommentare (4)

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mono

07.12.2011, 22:33 Uhr

Als wäre noch etwas zu retten! Ist es natürlich nicht, der freie Markt existiert doch gar nicht mehr. Und Objektivität und S&P sind ein Gegensatz, der sich sowieso nicht mehr vereinen lässt. Und natürlich wird der Supergau kommen. Dafür sorgt die Politik, hüben wie drüben.
Tammany Hall lässt grüssen.
Das ist jetzt nur Schaulaufen um das anrollende Desaster in den USA aus den Medien zu bekommen.

mono

07.12.2011, 22:39 Uhr

Übrigens, Herr Schäuble braucht sich um den Freien Markt nicht zu kümmern, der ist beamtet und Frau Merkel kennt den Freien Markt doch sowieso nur aus Erzählungen..

Fat_Bob_ger

07.12.2011, 23:34 Uhr

In der 3000 jährigen Geschichte des Verschuldens hat es noch nie einen Moment gegeben, bei dem ein Schuldner ohne Protest das Zudrehen des Geldhahnes oder eine Abzustufung akzeptiert hat.

Nach einer längeren Phase der Passivität werden die Wahrheiten auf den Tisch gelegt. Hätten wir vor 5 Jahren ggü. Griechenland den Druck erhöht, wären die Folgen für unser Standing in der EU unabsehbar gewesen.

Die Logik ist einfach: Wenn jemand das Geld zur Rückzahlung seiner Schulden drucken kann, dann kann er seine Schuld begleichen. Hier gilt das Nominalwertprinzip. Bei der USA wird nicht gefragt, wie groß die Kaufkraft der Rückzahlung sein wird. Soweit sind wir in der EU noch nicht. Unsere Politiker müssen die Suppe in einem Zug auslöffeln, die sie und Greenspan ab 2000 eingebrockt haben.

Ein Desaster aus der USA wird nicht kommen. Die dollarbasierten Rohstoffe werden eben steigen müssen, um Kaufkraftverluste des USD auszugleichen. Lamentieren über eine "Ungleichbehandlung" der EU ggü. der USA bringt nichts.

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