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13.03.2012

19:33 Uhr

Ratingagentur Fitch

Griechenland erhält eine bessere Note

Der Schuldenschnitt in Griechenland hat Privatanleger hart getroffen. Doch für die Kreditwürdigkeit des Landes bedeutet es Erleichterung. Die Ratingagentur Fitch macht den Anfang und setzt das Land einige Stufen herauf.

Griechische Euro-Münzen. dpa

Griechische Euro-Münzen.

DüsseldorfDie Ratingagentur Fitch hat die Bewertung Griechenlands deutlich korrigiert. Statt mit der Note „RD“ („teilweiser Zahlungsausfall“) bewerten die Bonitätswächter das Land jetzt mit der Note „B-“, was einen Sprung in der Kreditwürdigkeit nach oben bedeutet. Gleichzeitig gilt der Ausblick für das Rating als stabil.

Die Entscheidung basiert auf dem abgeschlossenen Anleihentausch nach dem Schuldenschnitt in Griechenland. Gestern hatte die griechische Regierung gemeldet, dass erfolgreich über 177 Milliarden Euro an Anleihen, die nach griechischem Recht begeben worden waren, in neue Papiere getauscht worden sind. Die Gläubiger verzichteten dabei auf mehr als 70 Prozent ihrer Forderungen.

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Ein Schuldenschnitt lässt sich erzwingen - Vertrauen nicht. Die Kurse für frische Griechenland-Anleihen geraten unter Druck. Auch Spanien gerät ins Visier der Investoren. Italien kann sich dagegen etwas befreien.

Durch die geglückte Umschuldung sei die Schuldentragfähigkeit verbessert, so Fitch. Zudem sei die Gefahr abermaliger Zahlungsprobleme grundsätzlich gesunken. Allerdings sei das Risiko eines erneuten Zahlungsausfalls nicht ganz gebannt, warnt die Agentur. Als Gründe nennt sie die immer noch hohe Verschuldung Griechenlands und die wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen das Land stehe.

Die frischen Papiere werden in diesen Tagen auch in die Depots von Kleinanlegern gebucht. Die Kurse dieser neuen Anleihen sind allerdings bereits wieder unter Druck geraten.

Was Anleger beim Schuldenschnitt 2012 erhalten

Frische 30-jährige Anleihe

Exakt 31,5 Prozent des ausstehenden Nennwerts der bisherigen Anleihen erhalten Gläubiger in Form des folgenden Papiers:

Anleihe mit Laufzeit bis 2042:

In den Jahren 2013, 2014 und 2015 beläuft sich die Zinszahlung (Koupon) auf: 2,0 Prozent

In den Jahren 2016 bis 2020 einschließlich beläuft sich die Zinszahlung (Koupon) auf: 3,0 Prozent

Im Jahr 2021 beläuft sich die Zinszahlung (Koupon) auf: 3,65 Prozent

Ab dem Jahr 2022 beläuft sich die jährliche Zinszahlung (Koupon) auf: 4,3 Prozent

Die Zinsen werden ab dem 24. Februar 2012 berechnet.

Die neuen Anleihen werden eine Umschuldungsklausel (CAC) enthalten.

An das BIP gekoppeltes Papier

Zu der frischen 30-jährigen Anleihe mit EFSF-Absicherung erhalten die Anleger ein getrennt handelbares Wertpapier:

Der Wert dieses Papiers wird von der Entwicklung des Wirtschaftswachstums in Griechenland abhängen. Ab welchem Wachstumswert des Bruttoinlandsprodukts (BIP) diese Papiere greifen, war in der ersten veröffentlichten Übersicht des griechischen Finanzministeriums nicht vermerkt. Mittlerweile liegen die Schwellenwerte vor, ab denen es zusätzliche Zahlungen geben wird.

Eine Auszahlung wird es erstmals für das Jahr 2014 geben, die Überweisung dafür erfolgt am 15. Oktober 2015. Bezugsgröße ist das bis dahin von der europäischen Statistikbehörde Eurostat veröffentlichte BIP für Griechenland. Spätere Revisionen finden keine Berücksichtigung. Die letzte Zahlung kann es im Jahr 2042 für das Jahr 2041 geben.

Die Auszahlung errechnet sich wie folgt:

[(Nominales BIP - nominaler BIP-Referenzwert] - realem BIP-Referenzwert] x 1,5 = Y
Sollte Y den Wert 0,01 überschreiten, gilt Y=0,01
Auszahlung für jeweils 100 Euro Nennwert des Papiers = 100 € x Y
Maximal werden also 1 Euro je 100 Euro Nennwert ausgeschüttet.

Die Wachstumsrate berechnet sich aus dem nominalen BIP im betreffenden Jahr im Vergleich zu nominalen Referenz-BIP-Werten.

Die realen BIP-Referenzwerte sind folgende:
2014 - 2,345 %
2015 - 2,896 %
2016 - 2,845 %
2017 - 2,797 %
2018 - 2,597 %
2019 - 2,497 %
2020 - 2,247 %
2021-2041 - 2 %

Die nominalen BIP-Referenzwerte lauten (in Mrd. €)
2014 - 210,1
2015 - 217,9
2016 - 226,4
2017 - 235,7
2018 - 245,5
2019 - 255,9
2020-2041 - 266,5

Aus den nominalen und realen BIP-Referenzwerten für 2014 leitet sich folgendes Beispiel ab: Das nominale BIP im Jahr 2014 muss mindestens 215,03 Milliarden Euro betragen, damit es eine Zahlung auf die Papiere gibt. Ab einem nominalen BIP-Wert von 217,13 Milliarden Euro im Jahr 2014 gibt es für dieses Jahr die maximale Zahlung von einem Euro pro 100 Euro Nennwert.

Zur Erinnerung: Das nominale BIP Griechenlands hat im Jahr 2010 laut den jüngsten Zahlen von Eurostat 230 Milliarden Euro betragen, ist im vergangenen Jahr aber deutlich geschrumpft. Bei einem angenommenen Minus von sieben Prozent hat das nominale BIP 2011 etwa 214 Milliarden Euro betragen. Die Stagnation des BIP-Referenzwerts ab 2020 lässt Auszahlung in den Jahren danach wahrscheinlicher werden.

Die Angaben erfolgen ohne Gewähr.

EFSF-Papier statt Bargeld

Gläubiger mit Sitz in den USA erhalten 15 Prozent des ausstehenden Nennwerts ihrer Anleihen in bar ausgezahlt. Alle anderen Gläubiger erhalten diese 15 Prozent in Form eines EFSF-Wertpapiers:

EFSF Note:

Es wird zwei Varianten dieser „Notes“ geben, beide mit einem Gesamtvolumen von bis zu 15 Milliarden Euro.

Die Laufzeit endet am 12. März 2013 beziehungsweise am 12. März 2014.

Der Zinssatz auf diese Papiere steht noch nicht fest.

Die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) verlangte unterdessen in den kommenden zwei Jahren weitere Sparanstrengungen von Griechenland. Um die im Rahmen des zweiten Hilfspakets festgelegten Ziele zu erreichen, seien weitere Maßnahmen nötig, um die staatlichen Ausgaben zu drücken, hieß es in einem Bericht, aus dem am Dienstag Auszüge bekannt wurden. Die Perspektive, dass sich Griechenland nach dem Ende des Hilfspakets ab 2015 wieder allein an den Finanzmärkten versorgen könnte, sei zudem „unsicher“, befand die Troika weiter.

Einem möglichen Szenario zufolge könnte Griechenland im Jahr 2020 seinen Schuldenstand von derzeit 160 Prozent auf unter 117 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) drücken. Im Jahr 2030 könnte er dann bei 90 Prozent liegen. Einem pessimistischeren Szenario der Troika zufolge ist aber auch ein Schuldenstand von mehr als 145 Prozent des BIP im Jahr 2020 möglich.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

13.03.2012, 18:51 Uhr

Ahh super, jetzt wo Griechenland nach der Enteignung wieder hochgestuft wurde, wird sich die ganze Welt darum reissen, wieder in Griechenland zu investieren. Bis zur naechsten Enteignung. Was ist das bloss für ein Kasperletheater von den Ratingagenturen.

Account gelöscht!

13.03.2012, 18:53 Uhr

April April... ups halt ne, ist ja März. Komisch!

gest

13.03.2012, 19:28 Uhr

CDS bezahlt
Primaland

Bravo Euroland!!!

Die Leute in Griechenland und die kleinen bluten.

Die Mafia (Hedge Fonds / Banken) gewinnen.

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