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13.12.2011

19:49 Uhr

Ratingagentur

Fitch nimmt Osteuropa ins Visier

Die enge Verbindung zur Euro-Zone bekommt Osteuropa nicht. So sieht es zumindest die US-Ratingagentur Fitch - und senkt den Ausblick bei vier Staaten. Versicherern aus Italien und Spanien ergeht es noch schlechter.

Der Sitz der Ratingagentur Fitch in New York. dapd

Der Sitz der Ratingagentur Fitch in New York.

Prag Die Ratingagentur Fitch blickt wegen der Schuldenkrise in der Eurozone auch auf die Bonitätsnoten mehrerer osteuropäischer Staaten mit mehr Skepsis. Fitch senkte am Dienstag den Ausblick für Bulgarien, Tschechien, Lettland und Litauen auf stabil von zuvor positiv, wie das Unternehmen mitteilte.

Die Wahrscheinlichkeit einer Hochstufung in den kommenden zwölf Monaten sei für die Länder gesunken. Fitch begründete den Schritt mit den engen Verknüpfungen zur Eurozone. Bulgarien und Lettland werden von Fitch derzeit mit der Note BBB-, Litauen mit BBB und die Tschechische Republik mit A+ bewertet. Alle vier Länder sind keine Mitglieder der Eurozone.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Fitch stufte angesichts der Schuldenkrise mehrere italienische und spanische Versicherer herab. So senkten die Experten am Dienstag beispielsweise das Rating für die Finanzstärke des italienischen Marktführers Generali von „AA“ auf „A-“. Den Ausblick bewertete Fitch mit negativ. Einige der betroffenen Versicherer hätten in erheblichen Maße in Anleihen aus Italien und Spanien investiert und seien deshalb besonders gefährdet, sollte sich die Situation an den Märkten verschärfen.

Auch andere Bonitätswächter schlagen erneut Alarm: Die Konkurrenz-Agentur Standard & Poor's warnte erneut vor einer Herabstufung von Staaten und Banken in Europa. Auf der Liste für ein potenzielles Downgrade stünden inzwischen 25 staatliche Schuldner und 42 Banken aus Europa, erklärte die S&P-Analystin Diane Vazza am Dienstag.

S&P hatte in der vergangenen Woche gedroht, vor dem Hintergrund der Schuldenkrise fast alle Mitglieder der Eurozone herabzustufen, darunter Deutschland. Je besser die Bonitätsnote ist, desto billiger kann sich ein Land in der Regel Geld von Investoren leihen. Hintergrund der drohenden Herabstufungen ist die Schuldenkrise in der Eurozone.


Kommentare (3)

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Wutbuerger

13.12.2011, 20:13 Uhr

Ja, wo bleiben denn die chinesischen Investoren um unsere schöne EU zu retten? Wir haben hier ein gutes chinesisches Schnellrestaurant wo es gebratenen Reis für 3 Euro gibt. Das Geld, was die Chinesen bei uns sparen können, werden sie bestimmt nachhaltig in der Zone anlegen. Bei Banken und so.

Sparfuchs

13.12.2011, 21:33 Uhr

Eine gute Hausfrau kauft, wenn es richtig billig ist; der Zeitpunkt ist vermutlich noch weit weit weg ;)

Rene

14.12.2011, 07:38 Uhr

Die regen mich auf!

In den USA gehen reihenweise Banken pleite und keiner schaut auf deren Rating. Aber in Europa haben sie es besonders eilig.

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