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22.02.2012

15:21 Uhr

Ratingagentur

Griechenland-Pleite „sehr wahrscheinlich“

Fitch stuft Griechenland erneut herunter. Die Ratingagentur glaubt nicht, dass der gerade vereinbarte Schuldenschnitt ausreichen wird. Die Pleite sei auf kurze Sicht „sehr wahrscheinlich“.

Der Schuldenschnitt für Griechenland kommt die Gläubiger teuer zu stehen. dpa

Der Schuldenschnitt für Griechenland kommt die Gläubiger teuer zu stehen.

Wer gedacht hat, die Griechenland-Krise sei durch das zweite Hilfspaket und den Schuldenschnitt entschärft, sieht sich getäuscht. Die Ratingagentur Fitch hat Griechenland nur einen Tag nach der vermeintlichen Rettung erneut herabgestuft - von CCC auf C. Das heißt übersetzt: ein Staatsbankrott "steht unmittelbar bevor" oder ist "unausweichlich". Danach gibt es für die Agentur nur noch RD für den begrenzten Zahlungsausfall und D für den völligen Zahlungsausfall.

Nach zwei Tagen mit Kursgewinnen gerieten griechische Bonds unter Druck. Die Rendite von zehnjährigen griechischen Papieren stieg um 50 Basispunkte auf 30,04 Prozent.

Griechenland hatte sich in der Nacht zum Dienstag mit privaten Investoren auf einen Schuldenschnitt im Umfang von 107 Milliarden Euro verständigt. Außerdem sagten EU und IWF zusätzliche Kredite in Höhe von 130 Milliarden Euro zu. Ob das ausreicht, damit Griechenland von seiner hohen Schuldenquote wegkommt, ist fraglich. Die Ratingagentur Fitch glaubt offenbar nicht daran.

Das neue Rettungspaket für Griechenland

Zweites Rettungspaket zugesagt

Schon im vergangenen Juli hatten die Europartner Griechenland ein zweites Rettungspaket zugesagt. Nach vier weiteren EU-Gipfeln und einem letzten, 13-stündigen Verhandlungsmarathon der Finanzminister bis zum Dienstagmorgen stehen die Einzelheiten fest.

Ausstehende Kredite verringert

Die Privatgläubiger erlassen Griechenland 53,5 Prozent der ausstehenden Kredite. Wenn sich ausreichend Banken beteiligen, sinkt die Schuldenlast um 107 Milliarden Euro.

Tausch in Anleihen

Der Rest der Privatschulden wird in neue Anleihen mit Laufzeiten von elf bis 30 Jahren umgetauscht. Dafür erhalten die Banken geringe Zinsen von zwei bis 4,3 Prozent. Insgesamt spart Athen dadurch in den kommenden acht Jahren 150 Milliarden Euro ein.

Schuldenumtausch wird versüßt

Die internationalen Geldgeber „versüßen“ den Banken den Schuldenumtausch, indem sie die neuen Anleihen mit 30 Milliarden Euro absichern.

Neue Notkredite gewährt

Athen erhält neue Notkredite von 100 Milliarden Euro. Ob der Internationalen Währungsfonds (IWF) davon - wie bei den Programmen für Portugal und Irland - jeweils ein Drittel übernimmt, ist noch nicht klar. IWF-Chefin Lagarde will den Beitrag auch davon abhängig machen, ob die Eurozone ihren dauerhaften Rettungsfonds aufstockt.

Gewinne gehen zurück

Die nationalen Notenbanken geben die Gewinne aus ihren Griechenland-Krediten an Athen zurück. Das soll die Schuldenlast Athens um 1,8 Prozentpunkte senken.

Zinsen werden gesenkt

Die Zinsen für die bereits gewährten Notkredite werden auf 1,5 Prozentpunkte oberhalb des Euribor gesenkt.

Schuldenlast wird kleiner

Der Schuldenerlass und die neuen Finanzspritzen sollen es Athen ermöglichen, seine Gesamtverschuldung bis 2020 von mehr als 160 auf 120,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung zu senken.

Sperrkonto für die Tilgung

Ein Teil der neuen Kredite fließen auf ein Sperrkonto, damit Athen seine anfallenden Schulden künftig auch zurückzahlen kann. Der Schuldendienst hat Vorrang vor anderen Staatsausgaben. Auf dem Konto muss ausreichend Geld für die Schuldentilgung der folgenden drei Monate liegen.

Kontrolle durch Experten

Die Umsetzung des Spar- und Reformauflagen wird von Experten der EU-Kommission permanent in Athen überwacht. Deutschland ist bereit, dazu Fachpersonal zu entsenden.

Erst am Mittwochmorgen korrigierte Griechenland das Haushaltsdefizit für dieses Jahr auf 6,7 Prozent nach oben. Zuvor hatte die Regierung ein Ziel von 5,4 Prozent ausgegeben.

Zudem brachte die griechische Regierung ein Gesetz auf den Weg, mit dem die privaten Gläubiger notfalls zum Forderungsverzicht gezwungen werden könnten, falls die Beteiligung am freiwilligen Schuldenschnitt zu niedrig ausfallen sollte. Solche „Collective Action Clauses“ (CAC) würden die Umschuldung erleichtern, sind rückwirkend aber heikel.

Die neuen Zahlungsbedingungen können von der Mehrheit der Geldgeber beschlossen werden - einzelne Gläubiger können eine Umschuldung nicht mehr blockieren. Üblicherweise bauen Emittenten von Schuldverschreibungen diese CAC schon ein, wenn die Anleihen begeben werden. So soll ein mögliches Umschuldungsverfahren von vornherein in geordnete Bahnen geleitet werden. „Mit CACs wird ein Rechtsrahmen geschaffen, der Umschuldungsverhandlungen mit heterogenen Gläubigergruppen durch Mehrheitsvoten erleichtern kann“, erklärt der Bankenverband.

Das griechische Parlament will die rückwirkende Einführung solcher Collective Action Clauses am Donnerstag beschließen. Noch offen ist, ob die Ratingagenturen den Schuldenschnitt dann noch als freiwillig ansehen oder einen solchen Schritt als Zahlungsausfall bewerten werden.

Die Bundesrepublik hat unterdessen eine neue zweijährige Anleihe im Volumen von fünf Milliarden Euro auf den Markt gebracht. Sie lief nicht mehr ganz so gut wie zuletzt: Die Rendite lag bei 0,25 Prozent verglichen mit 0,17 Prozent bei einer Auktion von vergleichbaren Papieren am 18. Januar. Die Emission war 1,8-fach überzeichnet, bei der letzten Auktion gingen 2,2mal so viel Zeichnungen ein wie Papiere vorhanden waren.

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Kommentare (22)

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Toni

22.02.2012, 13:32 Uhr

Einfach nur lächerlich, das C hätte schon vor 2 Jahren gesetzt werden müssen. Rating Agenturen melden sich erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Account gelöscht!

22.02.2012, 13:35 Uhr

So ein Reality Check via C-Rating ist eine nicht zu vertretende Härte für unsere Euro-Retter. Höchste Zeit, das Ratings für Pleitestaaten verboten werden.

Den Euro in seinem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf.

guest

22.02.2012, 13:43 Uhr

Der rückwirkende schamlose Eingriff in einen bestehenden Vertrag mit der Veränderung der Collective Action Clauses ist natürlich ein Default. Dieser 'distressed debt exchange' sollte auch endlich die CDS auslösen. Genauso hat Fitch mit der Ansicht recht, dass die beschlossenen Maßnahmen nicht genug sind.

Ironischerweise korrigert Griechenland nämlich bereits heute wieder das Haushaltsdefizit nach oben und kratzt an den 7%.
Unverständlich die fehlende Einsicht, dass Griechenland nicht bereits pleite ist. Die Romantiker des billigen Geldes tun alles dazu, die Krankheit zu verschleppen. Nachdem das Kind nun ja auch schon in den Brunnen gefallen ist, können weder eine Fiskalunion noch eine Insolvenz öffentlich verkauft werden. Also gilt es weiter herumzudoktern, bis sich alle infiziert haben.

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