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11.08.2016

16:54 Uhr

Ratingagentur Scope

Linde wird erster Dax-Konzern-Kunde

Mit dem Gas-Hersteller Linde hat die deutsche Ratingagentur Scope einen ersten Dax-Kunden gewonnen. Die Note ist bereits vergeben und: A+. Damit fällt die Bewertung etwas besser aus als bei Moody's.

Scope will Ratings aus europäischer Perspektive vergeben, bei denen etwa hohe Reserven an flüssigen Mitteln positiv bewertet werden. dpa

Alternative Ratingagentur

Scope will Ratings aus europäischer Perspektive vergeben, bei denen etwa hohe Reserven an flüssigen Mitteln positiv bewertet werden.

FrankfurtDie deutsche Ratingagentur Scope hat den ersten Dax-Konzern als Kunden gewonnen und will weiter in die Phalanx der großen drei angelsächsischen Bonitätswächter einbrechen. Der Industriegase-Konzern Linde aus München erhielt von Scope für seine Kreditwürdigkeit die Note „A+”, wie die Agentur am Donnerstag in Berlin mitteilte. „A+” ist die fünftbeste Note auf der Skala, die wie beim Weltmarktführer Standard & Poor's (S&P) mit „AAA” beginnt.

Scope-Chef Torsten Hinrichs war vor seinem Wechsel vor zwei Jahren selbst Deutschland-Chef von S&P. Er hofft bald auf weitere Kunden unter den Großkonzernen im Leitindex Dax. Der „Süddeutschen Zeitung” sagte er, es gebe fortgeschrittene Gespräche mit einem halben Dutzend weiterer Dax-Firmen. „Ich erwarte, dass wir nach der Sommerpause die nächsten Mandate verkünden können.”

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Hinrichs will mit Scope eine Alternative zu den Agenturen S&P, Moody's und Fitch schaffen, die den Markt für Ratings von Großkonzernen bisher beherrschen. „Es ist unser klares Ziel, über alle Asset-Klassen hinweg die europäische Alternative in der bislang angelsächsisch dominierten Rating-Welt zu sein”, erklärte er. Nach der Kreditwürdigkeit von Unternehmen richten sich Investoren, die deren Schuldtitel kaufen. Indirekt hat sie damit Einfluss auf die Refinanzierungskosten.

Scope wolle Ratings aus europäischer Perspektive vergeben, bei denen etwa hohe Reserven an flüssigen Mitteln positiv bewertet werden, erklärte Hinrichs. Bei Linde deckt sich das Rating von Scope mit der Bewertung von S&P. Moody's, von der sich Linde ebenfalls bewerten lässt, sieht das Unternehmen mit „A2” eine Stufe schlechter.

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Die drei großen Ratingagenturen waren nach der Finanzkrise in die Kritik geraten, weil sie zu spät vor den Risiken gewarnt hatten. In Deutschland hatten große Unternehmen auch öffentlich gegen die Preispolitik von S&P und Co. protestiert. „Viele Unternehmen wollen am Aufbau eines europäischen Anbieters auch deshalb mitwirken, weil sie sich dadurch vom Oligopol der US-Agenturen lösen können”, sagte Hinrichs der Zeitung.

Scope ist bereits seit 2002 am Markt, hat sich allerdings vor Hinrichs' Amtsantritt auf Ratings für Fonds, Anleihen und andere Finanzprodukte spezialisiert.

Von

rtr

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