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30.04.2013

21:10 Uhr

Ratingagentur senkt Note

Moody's schickt Slowenien in die Ramsch-Abteilung

Die US-Ratingagentur senkt die Note für Slowenien auf „Ba1“ herab. Bei Moody's bedeutet das die erste Stufe des Junk-Bereichs – ein Zeichen für spekulative Anlagen. Rückt die Flucht unter den Rettungsschirm näher?

Eine Ein-Euro-Münze: Slowenien gilt als Anwärter auf Rettungshilfen. dpa

Eine Ein-Euro-Münze: Slowenien gilt als Anwärter auf Rettungshilfen.

New York/LondonDie Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit Sloweniens auf Ramsch herabgestuft. Als unmittelbare Konsequenz sagte die Regierung am Dienstag die Ausgabe einer eigentlich noch für den Abend geplanten Anleihe ab, mit sie an dringend benötigtes frisches Geld kommen wollte.

Die Entwicklung ist ein schwerer Schlag für die erst seit kurzem regierende Ministerpräsidentin Alenka Bratusek, die die Alpen-Republik mit ihren zwei Millionen Einwohnern ohne Hilfe von Außen und damit ohne Hilfe des Euro-Rettungsschirms sanieren will. Gelingt das nicht, müsste sich Slowenien wohl wie zuletzt Zypern scharfen Sparauflagen der Geldgeber EU und IWF beugen. Das Land ächzt unter hohen Schulden der zumeist staatlichen Banken und hohen Staatsschulden infolge der schwachen Wirtschaftslage. Die Regierung kündigte noch am Abend eine kurzfristige Entscheidung über einen neuen Anlauf für die Anleihe an.

Zur Begründung für ihren Schritt hatte die US-Agentur Moody's am Dienstag kurz nach Börsenschluss in Europa den Bankensektor Sloweniens, eine schwierige Haushaltslage und die unsicheren Aussichten für die Finanzierung genannt. Slowenien benötigt 2013 noch etwa 2,5 Milliarden Euro, um sich zu finanzieren. Durch die Herabstufung könnten sich künftige Kredite wegen des von Moody's konstatierten höheren Ausfallrisikos verteuern.

Die Ratings der Euro-Länder

Belgien

S&P Rating: AA
Ausblick: Negativ
Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Negativ
Fitch Rating: AA
Ausblick: Stabil

Deutschland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Estland

S&P Rating: AA-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Finnland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Frankreich

S&P Rating: AA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Griechenland

S&P Rating: B-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Caa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: B
Ausblick: Stabil

Irland

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Italien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Luxemburg

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Malta

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A3
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Niederlande

S&P Rating: AA+
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Österreich

S&P Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Portugal

S&P Rating: BB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba2
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: BB+
Ausblick: Negativ

Slowakei

S&P Rating: A
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Slowenien

S&P Rating: A-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Negativ

Spanien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Zypern

S&P Rating: B
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Caa3

Ausblick: Negativ

Fitch Rating: B-

Ausblick: Stabil

Slowenien wird von Moody's nun noch mit "Ba1" bewertet. Das ist in der Moody's-Skala der erste Wert, der unterhalb des so genannten Investment-Status liegt, auf den viele Investoren besonderen Wert legen. Bisher war das Euro-Land zwei Stufen höher mit "Baa2" eingestuft. Der Ausblick bleibt negativ, womit sich Moody's eine weitere Senkung der Bonität offenhält. Moody's schätzt die Kreditwürdigkeit Sloweniens nun deutlich schlechter ein als die anderen beiden großen Agenturen S&P und Fitch, die beide ein "A-" vergeben haben.

"Der Schritt von Moody's kommt nicht völlig überraschend", sagte Saso Stanovink vom Investmenthaus Alta Invest. "Und es können weitere Herabstufungen erwartet werden, solange keine Reformen umgesetzt sind."

Eigentlich sollte am Dienstag frisches Geld durch die Ausgabe von Dollar-Bonds in Sloweniens Kassen kommen. Geplant waren nach Angaben des Finanzministeriums fünf- und zehnjährige Anleihen. Unklar war, wieviel Geld Slowenien dabei einnehmen wollte. Daten des Reuters-Dienstes IFR zufolge hatte das Finanzagentur bereits Angebote von sechs Milliarden Dollar zu Zinssätzen zwischen fünf und 6,125 Prozent für seine Anleihen erhalten, bevor die Ausgabe dann wegen der bevorstehenden Moody's-Mitteilung abgesagt wurde.

Mitte April hatte die Regierung erfolgreich den Kapitalmarkt angezapft und Bonds im Wert von 1,1 Milliarden Euro platziert. Eine gute Nachfrage bei der aktuellen Emission hätte Sorgen dämpfen können, dass das Land noch dieses Jahr um Rettungshilfen bitten muss. Zudem hätte die neue Regierung mehr Zeit für Reformen ohne scharfe Vorgaben von Außen.

Die Banken des Landes haben faule Kredite im Umfang von rund sieben Milliarden Euro angehäuft - das entspricht einem Fünftel der Wirtschaftsleistung Sloweniens. Zudem ist das Land nach zweimaliger Rezession hoch verschuldet. Problematisch sind darüber hinaus die Korruption, Missmanagement und fehlende Wettbewerbsstärke. Im Mai will die Regierung einen Plan für Privatisierungen von Staatsfirmen und einen neuen Sparkurs vorstellen. Regierungschefin Bratusek war zuletzt von Investoren, EU-Politikern und Analysten kritisiert worden. Ihr wird vorgeworfen, Details zur Lösung des Banken-Problems und zu Einsparungen im Haushalt nicht schnell genug mitgeteilt zu haben. Bratusek hat angekündigt, die Banken in diesem Jahr mit 900 Millionen Euro zu rekapitalisieren und zumindest eine von ihnen später zu verkaufen.

Kommentare (10)

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UNLOGISCH

30.04.2013, 22:55 Uhr

Etwas verstehe ich nicht. Die Arbeitslosigkeit in der EU ist 1.6 mal so hoch wie in den USA. Die PIGS- Staaten, so sagt man, brauchen einen viel schwächeren EURO. Strukturelle Reformen zur Wirtschaftsankurbelung in Frankreich finden nicht statt. Pleitestaaten ersticken in den Schulden und werden künftig noch mehr Geld brauchen usw. Und was sehe ich? Der EURO wird von Tag zu Tag stärker als sei er eine gute Währung "par excellence" trotz der prasselnden Kritiken und Verleumndungen gegen die EU und seiner Fehlkonstruktion. Kann mir jemand das erklären?

Account gelöscht!

30.04.2013, 22:57 Uhr

Vor der Einführung der Gemeinschaftswährung hätten zuerst die Ungleichheiten in den Teilnehmerstaaten untereinander bereinigt werden müssen. Die Voraussetzung für die Gemeinschaftswährung wäre die, dass alle Euro-Staaten das gleiche wirtschaftliche, soziale, politische und strukturelle System haben mit einer Haushaltführung. Weil keiner der beteiligten Staaten seine wertvolle Souveränität völlig aufgeben will, werden diese nötigen Voraussetzungen nie realisiert werden können. Die Bevölkerung ist dazu nicht bereit. Ergo gibt es mehr Verwerfung als Einigung.

Zudem kommt das sehr unterschiedliche Wirtschaftswachstum, was vor dem Euro durch die Wechselkurse ausbalanciert wurde. Diese fehlende Balance versuchen wir jetzt durch permanente Rettungsschirme oder auch mit dem „Europäischen Länderfinanzausgleich in XXL Format“ auszugleichen. Genau darin liegt das nächste Problem. Aufgrund der immer größer werdenden Zahlungen an die kriselnden Staaten muss mehr vom Bundeshaushalt abgezwackt werden. Was wiederum in den sozialen Bereichen (Rente, Harz IV, Arbeitslosengeld, Kita-Plätze usw.) und für den Straßenbau fehlen wird. Die Infrastruktur in Deutschland wird zunehmend belastet.

Immer mehr Menschen in Deutschland können sich aufgrund der manifestierten Niedriglöhne keinen PKW leisten. Die Rentner von heute, die sich einen PKW leisten können, gibt es in 20 Jahren nicht mehr. Diese Zustände führen dazu, dass der Absatz in der Automobilbranche auch in Deutschland einbricht. Ich rechne in absehbarer Zeit mit über 12 Millionen Menschen, die sich keinen PKW mehr leisten können. Damit trifft es auch die Zulieferindustrie. Was wiederum dazu führt, dass immer mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Somit gehen die Steuereinnahmen der Bevölkerung massiv zurück. Diese Spirale führt geradewegs in die bittere Armut.

Was nützt der Euro, wenn die Menschen zunehmend arbeitslos werden. Lieber Arbeit unter der nationalen Währung, als den Euro und arbeitslos sein.

Account gelöscht!

30.04.2013, 23:06 Uhr

Der Eurowert ist eine Spekulation die an der Realität völlig vorbei geht. Unter diesen Umständen dürfte der Euro keinen US Dollar wert sein.

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