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21.05.2011

13:07 Uhr

Ratingagentur S&P

Rom kritisiert drohende Herabstufung

Italien droht eine schlechtere Bonitätsnote der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) - der Ausblick wurde auf negativ gesenkt. Das Finanzministerium in Rom reagierte mit Unverständnis auf diese Einschätzung.

Italiens Finanzminister Giulio Tremonti. Quelle: dapd

Italiens Finanzminister Giulio Tremonti.

London/Rom

S&P-Experten prüfen eine Herabstufung der Staatsanleihen von Italien, wie die Agentur am Samstag mitteilt. Der Ausblick für das Rating wurde demnach auf "negativ" von bislang "stabil" gesenkt. Die Einschätzung des Ausblicks als "negativ" bedeutet, dass S&P mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu drei davon ausgeht, dass sich die Kreditwürdigkeit Italiens in den nächsten zwei Jahren verschlechtern wird.

S&P-Analystin Eileen Zhang sprach von schwachen Wachstumsaussichten und einem stagnierenden Reformwillen. "Ein möglicher politischer Stillstand könnte zu einer Abschwächung der Fiskallage führen", warnte Zhang. "Im Ergebnis gehen wir davon aus, dass Italiens Aussichten auf eine Reduzierung der Schulden der Regierung sich verschlechtert haben."

Wie eine Umschuldung Griechenlands aussehen könnte

Haircut

Die griechische Regierung erklärt sich für zahlungsunfähig und handelt mit ihren Gläubigern einen Forderungsverzicht (Haircut) aus. Für die Geldgeber kann das sehr teuer werden: Bei den vom Internationalen Währungsfonds (IWF) untersuchten Staatspleiten zwischen 1998 und 2005 musste sie zwischen 13 Prozent (Uruguay) und 73 Prozent (Argentinien) ihres Investments abschreiben. Griechenland könnte seine Schuldenlast von mehr als 340 Milliarden Euro auf diese Weise zwar mit einem Schlag deutlich reduzieren, würde aber seine Kreditwürdigkeit am Finanzmarkt auf Jahre verspielen und sich den Zugang zu frischem Geld verbauen. Auch andere Sorgenkinder wie Irland und Portugal würden dann noch größere Probleme haben, sich neues Geld am Markt zu leihen. Ein weiteres Problem: Die Gläubiger sind vor allem Banken aus Griechenland und anderen Euro-Ländern, denen milliardenschwere Verluste drohten, was wiederum eine neue Finanzkrise auslösen könnte.

"Sanfte Umschuldung"

Eine mildere Form der Umschuldung wäre eine längere Laufzeit der vom IWF und der Europäischen Union gewährten Kredite von 110 Milliarden Euro - verbunden womöglich mit einer erneuten Senkung des Zinssatzes, den Griechenland für die Hilfen zahlen muss.Eurogruppen-Chef Juncker will auch die privaten Gläubiger mit ins Boot holen. Dem Krisenland soll so mehr Zeit eingeräumt werden, seine Schulden zurückzuzahlen und sein Sparprogramm umzusetzen. „Reprofiling“ nennt Jucker das. Ob private Gläubiger dazu gebracht werden sollen, Griechenland eine Atempause zu gewähren und dabei auf Geld zu verzichten, ist offen. Die Commerzbank rechnet nur dann mit einem Erfolg, wenn den Anlegern dafür Rückzahlungsgarantien ausgestellt werden. Das Problem: Die über Jahre angehäuften Staatsschulden müssten auf einen Schlag mit Garantien unterlegt werden - für die am Ende die Steuerzahler in anderen Ländern haften müssen.

Brady-Bonds

Diese Lösung hat in den achtziger Jahren Schule gemacht. Der damalige US-Finanzminister Nicholas Brady handelte einen nach ihm benannten Plan aus, der etliche lateinamerikanische Staaten vor der Pleite rettete. Übertragen auf Griechenland würde er wie folgt funktionieren: Banken und andere private Gläubiger tauschen die riskanten griechischen Staatsanleihen zum Marktpreis gegen Papiere ein, die von der Euro-Zone mit einer Garantie versehen werden. Die Gläubiger müssten damit auf einen Teil ihrer Ansprüche verzichten, denn am Markt werden die griechischen Bonds wegen des hohen Ausfallrisikos derzeit mit großen Abschlägen zum Ausgabepreis gehandelt - bei zehnjährigen Bonds sind es fast 40 Prozent. Der Vorteil: Die neuen Papiere sind gesichert, die Gläubiger haben damit Planungssicherheit. Griechenland würde auf diese Weise seine Schuldenlast drücken.

Längere Laufzeiten

Eine mildere Form der Umschuldung wäre eine längere Laufzeit der vom IWF und der Europäischen Union gewährten Kredite von 110 Milliarden Dollar - verbunden womöglich mit einer erneuten Absenkung des Zinssatzes, den Griechenland für die Hilfen zahlen muss. Nach einem Bericht des „Wall Street Journals“ hält der IWF die Schuldenlast für Griechenland intern für untragbar und soll daher eine Laufzeitverlängerung der Finanzhilfen auf bis zu 30 Jahre erwägen. Der IWF dementierte dies allerdings.

Pariser Club

Die Experten der Großbank UniCredit halten auf mittlere Sicht Verhandlungen zwischen Griechenland und dem Pariser Club für wahrscheinlich. Ihr Argument: Durch bilaterale Kredite und den Ankauf griechischer Anleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) wird der Anteil der öffentlichen Gläubiger an den Verbindlichkeiten Griechenlands auf mindestens 40 Prozent steigen. Im Pariser Club haben sich 1956 die wichtigsten Gläubigerstaaten zusammengeschlossen und seither 421 Umschuldungsabkommen mit 88 Staaten - von Afghanistan bis Vietnam - im Wert von 553 Milliarden Dollar getroffen. Von 1985 und 1993 stand dem Pariser Club ein Mann vor, der auch in der Schuldenkrise eine zentrale Rolle spielt: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.

Das Finanzministerium in Rom reagierte mit Unverständnis auf diese Einschätzung. Diese weiche sehr stark ab von Beurteilungen internationaler Organisationen wie der OECD, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU-Kommission, erklärte es. Daten zum italienischen Wirtschaftswachstum und zum Haushaltsdefizit seien ständig besser ausgefallen als erwartet. Die Pläne, bis 2014 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen, seien weit gediehen und erhielten voraussichtlich bis Juli die Zustimmung des Parlaments.

"Aus unserer Sicht sind die derzeitigen Wachstumschancen Italiens schwach", erklärten dagegen die Kreditwächter ihre Einschätzung. Vorerst bleibe das langfristige Rating aber bei "A+", das kurzfristige bei "A-1+". Damit steht Italien im internationalen Vergleich trotz seiner hohen Verschuldung vergleichsweise gut da.

Bislang geht die Agentur nach eigenen Angaben von einem Wachstum von 1,3 Prozent in den Jahren 2011 bis 2014 aus. Nun befürchtet sie, dass es geringer ausfallen könne. Falls die nötigen Reformen aber gelängen und Italien wettbewerbsfähiger werde, dann könne das gute Rating beibehalten werde, hieß es in der Mitteilung. Die Staatsschuld Italiens beträgt rund 119 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In der EU ist das Staatsdefizit im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung nur in Griechenland noch höher.

Griechenland-Anleihen höchst spekulativ

Erst am Freitag hatte die Ratingagentur Fitch ihre Bewertung für das hoch verschuldete Land um drei Stufen gesenkt. Das Land werde nun mit "B+" und damit als höchst spekulativ bewertet, teilte die Agentur mit. Den Ausblick für die Bonität bezeichnete Fitch als negativ und deutete damit an, dass schon bald eine weitere Herabstufung folgen könnte. Das neue Rating spiegele das große Ausmaß der Herausforderungen für Griechenland wider, erklärte die Agentur.

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

21.05.2011, 13:36 Uhr

ja, es brennt nun bald an allen Ecken und Enden und die südliche EURO-Zone ist in dicken Rauch gehüllt. Mit Worten gegen die, die nur die Realitäten mit einem Maßstab versehen, ist da nichts zu machen... Ciao bambina...

DolceVita

21.05.2011, 13:52 Uhr

Na klar, S&P ist böse ... und daran, dass ich nicht wie Brad Pit aussehe ist nur mein Spiegel schuld!

2703jakob

21.05.2011, 14:20 Uhr

Wann sind endlich die USA dran? Deren Schulden sind deutlich höher und was das Zahlungsverhalten von den USA-lern angeht, kann man seit Jahren nur den Kopf schütteln. Sicher sind einige EURO-Länder überschuldet. Jedoch sind die Herabstufungen ganz schnell angedroht und durchgeführt. An die Supermacht der Schulden (hält 45% des Weltschuldenaufkommens), traut sich jedoch keiner der feigen Ratingagenturen ran. Da wird nur mal der Ausblick auf "negativ" gestezt. In Wirklichkeit sind die USA doch max noch bei BBB- anzusiedeln. Wann fängt das HB endlich mal mit diesem Thema an?

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