Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.07.2012

02:45 Uhr

Ratingagentur

Warum Moody's Deutschland skeptisch sieht

VonPetrina Engelke, Rolf Benders

Moody's hat den Ausblick der Kreditwürdigkeit von Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden auf negativ gesetzt. In einer Pressemitteilung erklärt die Ratingagentur ihre Entscheidung.

Wackelt jetzt die Bonitäts-Bestnote auch für Deutschland, Luxemburg und die Niederlande? dpa

Wackelt jetzt die Bonitäts-Bestnote auch für Deutschland, Luxemburg und die Niederlande?

New YorkDeutschland, Luxemburg, Finnland und die Niederlande hielten bis dato nach Bewertung der Ratingagentur Moody's die Bestnote für Kreditwürdigkeit, der Ausblick war auf "stabil" gesetzt. Damit kann sich jetzt nur noch Finnland schmücken. Die Ratingagentur macht dafür die Entwicklung in der Eurozone verantwortlich.

Moody's hat am Montag die Topbonität Deutschlands zwar einmal mehr bestätigt, zeichnet aber ein düsteres Bild von der Zukunft. Wegen der Risiken aus der Euroschuldenkrise versah die Ratingagentur den Ausblick mit negativen Vorzeichen.

In der Formelsprache der Bonitätswächter ist dies eine Warnung, dass eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf mittlere Sicht droht, sollte sich die Lage weiter verschlechtern. Moody's versah am Montagabend auch den Ausblick für die Ratings von Luxemburg und den Niederlanden mit negativen Vorzeichen. Alle drei Länder behalten aber das Toprating „AAA“.

Moody's begründete die Maßnahmen mit der wachsende Unsicherheit, die die Schuldenkrise in der Eurozone verursachten. Es seien jetzt erst recht Risiken zu erwarten, weil sich die Wahrscheinlichkeit erhöht habe, dass Griechenland aus dem Euro aussteigt.

Ein Euro-Ausstieg Griechenlands bedeutet nach Meinung von Moody's eine materielle Bedrohung für den Euro. Zwar gehen die Experten der Ratingagentur davon aus, dass die Politik Maßnahmen zu ergreifen wisse, um das abzufedern. Doch seien Kettenreaktionen im Finanzsektor und Liquiditätsdruck auf Banken und Staaten zu erwarten, die von der Politik nur zu einem hohen Preis aufgefangen werden könnten.

Und sollte ihnen das nicht gelingen, so die Voraussage bei Moody's, würde das zu einer Auflösung der Eurozone führen. Und dieses Risiko spiegele sich nun im Ausblick für Deutschland, Luxemburg und die Niederlande wider.

Nur Finnland, das ebenso wie die drei mit negativem Ausblick belegten Länder bisher mit einer Spitzen-Bonität aufwartet, bekommt von Moody’s weiterhin den Ausblick „stabil“. Das liege daran, dass das kleine Bankensystem des Landes sowie dessen Handel sich vor allem auf den Heimatmarkt richte und deshalb weniger von den Problemen der anderen Euroländer in Mitleidenschaft gezogen werde.

Moody's zieht auch die Möglichkeit in Betracht, dass es nicht zu einem Euro-Ausstieg Griechenland kommt. Doch selbst dann findet die Ratingagentur Grund zur Besorgnis: Angesichts der anhaltenden Krise führt Moody's kritisch ins Feld, dass die Politiker bis dato nur reagierten und abwägten. Dass das zu einem stabilen Ergebnis führe, bezweifeln die Experten der Ratingagentur.

Andere europäische Länder, besonders Spanien und Italien, würden zunehmend Hilfe von der Staatengemeinschaft brauchen. Und auf ihre am höchsten bewerteten Mitgliedsstaaten fiele dabei nach Einschätzung von Moody's aller Wahrscheinlichkeit nach die größte Last, wenn der Euro in seiner gegenwärtigen Form bewahrt werde.

Auf lange Sicht betrachtet geht Moody's davon aus, dass die Reformen innerhalb der Eurozone die Kreditwürdigkeit der meisten Länder stärken werden. Der zusätzliche Druck auf die stärksten Euro-Länder - wie eben beispielsweise Deutschland - werde allerdings in der Übergangsphase dazu führen, dass auch deren Kreditwürdigkeit belastet werde - und diese Übergangszeit könne durchaus mehrere Jahre dauern.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rechner

24.07.2012, 03:13 Uhr

Moody's sieht Deutschland und Guteuropa skeptisch, weil sie eine positive Lösung der Eurokrise befürchten, die zu einem Ende der Dollarhegemonie und der Finanzierung des chronischen amerikanischen Leistungsbilanzdefizits durch Asien führen würde.

Wie kann man sich sonst erklären, daß Spanien mit 90% BSP Staatsverschuldung mit Baa3 geratet wird, die USA mit 103% BSP Staatsverschuldung aber Aaa. Ebenso wie das "Vereinigte Königreich", daß mit einer enormen Staatsverschuldung von 147% BSP auch noch mit dem Toprating Aaa belohnt wird.

Wieso das Handelsblatt diese Betrugsaktionen überhaupt vermeldet ist etwas wundersam.

mauifresh

24.07.2012, 04:08 Uhr

Sie sollten für das HB berichten! Wenn man ihr wichtiges Statement liest, bekommt man den Eindruck, die HB-Redakteure wandeln durch Nebelkerzen.

Schlaumeier

24.07.2012, 07:29 Uhr

Vollkommen richtig. Deutschland gehört auf Ramschstatus. Man kann nicht für Billionen Euro bürgen und eine gute Bonität haben. Das lernt man schon in jedem VWL-Kurs.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×