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31.08.2011

10:58 Uhr

Ratingagenturen

So arbeitet Fitch - Ein Analyst packt aus

Quelle:WirtschaftsWoche

Die Analysten der Ratingagenturen bringen Staaten in Finanznot und lassen weltweit die Börsen erzittern. Wer sind die Menschen, vor denen sich Anleger und Regierungschefs fürchten? Ein Analyst aus Frankfurt packt aus.

Das Logo der Ratingagentur Fitch. Reuters

Das Logo der Ratingagentur Fitch.

DüsseldorfGuido Bach wirkt so gar nicht wie ein gefährlicher Mann, im Gegenteil: Mit seinen rötlichen Pausbacken und dem rheinischen Akzent kommt der 39-Jährige gemütlich und eher harmlos daher. Angst vor ihm sollten allenfalls Hirsche und anderes Wild haben, denen der Freizeitjäger am Wochenende mit der Flinte auflauert, begleitet von seinem schokobraunen Labrador. Aus Kalendern abgerissene Fotos künden an seinem ansonsten aseptisch aufgeräumten Arbeitsplatz von seinem Hobby.

Doch jetzt stehen Bach und seine Kollegen selbst unter Beschuss. Das liegt an ihrem Beruf als Ratinganalysten bei der Agentur Fitch. Bach ist zuständig für öffentliche Schuldner. Seit die mit der Bewertung der Kreditwürdigkeit betrauten Schuldenwächter einen Staat nach dem anderen herabstuften und die Agentur Standard & Poors (S&P) zuletzt auch den USA die Höchstnote entzog, reißen weltweit die Vorwürfe nicht ab. Die Ergebnisse der Analysten seien nicht nachvollziehbar, ihr Zustandekommen intransparent, die Folgen verheerend und die Agenturen ohnehin viel zu mächtig.

Die großen Drei

Bach sitzt gelassen in seinem Frankfurter Büro und hält das alles für ziemlich grundloses Bohei. Auch wenn er sich gegenüber Unbekannten derzeit lieber als "analytisch arbeitenden Ökonomen" bezeichnet, macht er aus seiner Sicht einen Bürojob wie Millionen andere auch, erledigt ordentlich eine Aufgabe, für die er sich leidlich, aber nicht leidenschaftlich interessiert.

Wer Bach zuhört, vergisst schnell die Mythen über undurchschaubare Geheimzirkel, die in Hinterzimmern nach schwer verständlichen Modellen den Daumen über ganze Staaten senken. Trotzdem ist die Arbeit von Bach und seinen Kollegen nicht zu unterschätzen: Ihre Entscheidungen könnten zuweilen Beben auf den Finanzmärkten auslösen, die rund um die Welt zu spüren sind.

Drei Agenturen haben das Geschäft unter sich aufgeteilt

Moody's

1909 gründete John Moody das New Yorker Unternehmen Moody’s, um Eisenbahnanleihen zu bewerten. Die Ratingagentur ist eine Aktiengesellschaft und damit selbst vom Klima an den Börsen abhängig. Die US-Investorenlegende Warren Buffet hält zwölf Prozent der Anteile.

Fitch

1913 gründete der Geschäftsmann John Knowles Fitch die nach ihm benannte Agentur. In den Achtzigerjahren stotterten die Geschäfte, Fitch wurde neu strukturiert und 1997 mit dem Londoner Unternehmen IBCA zusammengeführt. Die Fäden zog der französische Milliardär Marc Ladreit de Lacharrière, der über seine Pariser Holding Fimalac die US-Agentur kaufte und noch heute 88 Prozent der Stimmrechte besitzt.

S&P

S&P ist Teil des Verlagskonzerns McGraw-Hill, zu dem auch ein Finanzinformationsdienst, der die S&P-Aktienindizes betreibt, sowie eine Marktforschungssparte und ein Schulbuchverlag gehören. Vor wenigen Tagen geriet das Unternehmen ins Visier von Großanlegern. Der Hedgefonds Jana Partners und der Lehrer-Pensionsfonds der kanadischen Provinz Ontario erhöhten ihre gemeinsame Beteiligung und werden möglicherweise auf eine Aufspaltung drängen.

Anspruchsvoll doch wenig fordernd

Die Ratingszene ist überschaubar, vor allem in Deutschland, wo rund 150 Analysten arbeiten. Selbst weltweit sind es kaum mehr als 5000. Im Frankfurter Fitch-Büro arbeiten insgesamt 25 Analysten, drei haben einen Doktortitel, fast keiner ein eigenes Büro, kaum einer ist älter als 50. Der Umgang sei nicht zu vergleichen mit dem harschen Ton der Investmentbanken, berichtet ein Insider, es gehe viel freundlicher und kollegialer zu. Und der Alltag ist zwar anspruchsvoll, aber doch weniger fordernd: 16-Stunden-Tage, Wochenendeinsätze und durchgearbeitete Nächte sind bei den Agenturen weitgehend unbekannt.

Viele Analysten haben Wirtschaftswissenschaften oder Mathematik studiert. Bach fing beim VWL-Studium an, sich für die Ökonomie öffentlicher Institutionen zu interessieren, bei der Commerzbank bewertete er später deren Kreditrisiken. 2007 ging er zu Fitch, weil er sich dort tiefere Einblicke erhoffte. An manche Informationen sei er als Banker gar nicht herangekommen, seit er aber für die Bonitätsprüfer arbeitet, sitzt er am längeren Hebel: Er vergibt erst Noten, wenn er Einsicht in alle gewünschten Daten erhalten hat.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

31.08.2011, 11:19 Uhr

Nunja, anhand der Überschrift hatte ich hier skandalösere Enthüllungen erwartet.. aber so ist das ja doch recht unspektakulär.

HmKay

31.08.2011, 11:39 Uhr

Also ist es wie auf dem Amt zu arbeiten: Die bei der Agentur für Arbeit verdienen auch überdurchschnittlich und fühlen sich wie Gott, wenn sie einem "Kunden" mal wieder die Sozialhilfe kürzen können :D

Account gelöscht!

31.08.2011, 13:54 Uhr

Was soll denn dieser Artikel?
Man könnte glauben, es fehlt nur noch das "Wort zum Sonntag."
Wir sollten für diese "Wirtschaftslämmlein" beten damit sie weiterhin so lieb sind.

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