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07.04.2011

17:43 Uhr

Reaktion der Märkte

Banken profitieren von Portugals Hilfsantrag

VonLaura de la Motte, Andrea Cünnen

Investoren reagieren heute kaum auf die Entscheidung Portugals, nun doch unter den Rettungsschirm zu schlüpfen. Der Schritt war von vielen erwartet worden. Selbst für portugiesische Staatsanleihen gibt es kaum Entlastung.

Für die Anleger kommt Portugals Hilfsantrag nicht überraschend. Quelle: dpa

Für die Anleger kommt Portugals Hilfsantrag nicht überraschend.

FrankfurtDie Reaktion der Märkte auf den Hilfsantrag von Portugal hielt sich am Donnerstag in Grenzen. Der deutsche Aktienmarkt startete kaum verändert in den Handel. Börsianer sagten, der Schritt Portugals geschehe nicht ganz unerwartet. „Die Katze ist aus dem Sack", sagt Markus Linke, Hedgefondsmanager bei Swisspartners Investment, „aber der Markt hat diese Entscheidung schon vor Wochen eingepreist.“

Einzig Bankaktien profitierten merklich. Der europaweite Bankenindex Euro Stoxx Banks stieg um rund zwei Prozent. „Die Banken profitieren ganz besonders von dem Hilfegesuch, denn bei ihnen geht es schließlich um die Bedienung der Anleihen, die sie halten“, erklärte ein Händler. In Lissabon zogen die Titel der drei im Leitindex PSI gelisteten Banken – Banco BPI SA, Banco Comercial Portugues und Banco Espirito Santo – um bis zu 6,5 Prozent an.

Kaum Entspannung auf Anleihemärkten

Die Kreditausfallversicherungsprämien (CDS) für Portugal sanken um 24 Basispunkte auf 530 Punkte. Eine echte Entspannung an den Anleihemärkten war jedoch nicht zu verzeichnen. Zwar sank die Rendite zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen, nachdem sie gestern zeitweise über neun Prozent geklettert war. Am Mittag notieren die Papiere aber mit 8,578 Prozent wieder über ihrem Schlusswert vom Vorabend. „Die Entscheidung, unter den Rettungsschirm zu flüchten, wird zu keiner Entlastung bei den langlaufenden Anleiherenditen führen“, sagt Gary Jenkins von Evolution Securities. Das habe man schon bei Griechenland und Irland beobachtet. Zwar habe es zunächst einen Run auf deren Anleihen gegeben. Die Erleichterung verpuffte aber schnell und heute liegen die Renditen irischer und griechischer Anleihen bei neun bzw. 12,5 Prozent. „Hilfskredite werden daher wahrscheinlich auch für Portugal nur das kurzfristige Ausfallrisiko eliminieren.“ Die Furcht vor einem Schuldenschnitt in zwei jahren bleibe bestehen, glaubt auch David Schnautz von der Commerzbank. „Die Erfahrung hat die Anleger offensichtlich gelehrt, dass es nichts nützt kurzfristig in Euphorie zu verfallen, um später einen Kater auszuschwitzen.“

Hintergrund der Ängste der Investoren ist, dass ab Mitte 2013 der neue Krisenmechanismus ESM für überschuldete Euro-Länder greift. Bevor es Hilfen aus dem neuen Paket gibt, werden aber voraussichtlich die privaten Anleihebesitzer mittels Umschuldung zur Kasse gebeten. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hält es für sehr wahrscheinlich, dass Griechenland und Portugal auch in zwei Jahren noch Kredithilfen brauchen und sieht auch bei Irland diese Gefahr.

„Die Furcht vor einem Schuldenschnitt ist bei Irland und Griechenland nach dem Antrag auf Kredithilfen nicht verschwunden und wird es wohl auch bei Portugal nicht“, sagt Schnautz von der Commerzbank. Angesichts der negativen Marktreaktionen bei Irland und Griechenland sei es durchaus nachvollziehbar, dass Portugal sich so lange damit geziert habe, Hilfen anzunehmen. Auch Peter Schaffrik, leitender Zinsstratege bei der Royal Bank of Canada (RBC), sieht keinen Grund dafür, dass die Renditen und Risikoprämien portugiesischer Anleihen auf absehbare Zeit deutlich sinken werden.

Die Nachfrage nach deutschen Bundesanleihen war dagegen leicht rückläufig und ließ die Rendite zunächst auf 3,456 Prozent steigen. „Wir haben zuletzt schon gesehen, dass bei Nachrichten zu Problemen in der Euro-Peripherie oder Herunterstufungen der Bonität einzelner Länder Bundesanleihen nicht als sicherer Hafen gefragt waren. Dies liegt daran, dass der Fokus der Märkte derzeit eindeutig auf der Geldpolitik liegt. Gerüchte über eine Umstrukturierung der Schulden in einem der Euro-Länder könnten dies jedoch ändern.“, sagt Michael Rottmann von Unicredit. Wegen der Leitzinserhöhung der EZB um 0,25 Prozent werden festverzinsliche Anleihen unattraktiver.

Kommentare (1)

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26.04.2011, 19:03 Uhr

Wir retten ja auch nicht die Länder, wie diese durchgeknalle Merkel ständig trötet, sondern wir retten ausschließlich die Banken.
Inzwischen haben sich auch bei uns schon wider die Lebensmittelpreise erhöht, still und leise, wie ich eben feststellen konnte.
Es muß noch schlimemr kommen, vielleicht wachen die Deutschen dann endlich mal auf

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