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28.11.2016

15:02 Uhr

Referendum in Italien

Kaufen, wenn Rom untergeht?

Scheitert das Referendum in Italien, ist das nicht für alle Investoren ein Weltuntergang. Im Gegenteil: Viele Anleger würden ein „Nein“ als Einstiegschance sehen. Und haben bereits einige Aktien auf ihrem Einkaufszettel.

Stimmt Italien mit „Nein“ im Referendum, erwarten einige Anleger keinen Absturz der Aktienkurse. Reuters

Ministerpräsident Matteo Renzi

Stimmt Italien mit „Nein“ im Referendum, erwarten einige Anleger keinen Absturz der Aktienkurse.

FrankfurtWährend die meisten Börsianer vor einem Scheitern des Referendums in Italien bibbern, lassen sich einige Anleger nicht von der allgemeinen Nervosität der Märkte vor der nahenden Abstimmung aus der Ruhe bringen. Für sie wäre eine Ablehnung der Reformen am Sonntag nicht der Untergang Roms. Sie sehen mögliche Kurskapriolen nach einem „Nein“ der Italiener eher als Einstiegschance, auch bei den angeschlagenen Finanzwerten des Landes.

„Man kann Krisen nicht entgehen, sie aber zum eigenen Vorteil nutzen“, betont Umberto Borghesi vom britischen Vermögensverwalter Albemarle. „Die Stimmung wird ein, zwei oder drei Monate umschlagen. Ein Sieg des „No“-Lagers ist aber keine Katastrophe.“ Albemarle will vier Tage vor dem für den 4. Dezember angesetzten Referendum einen neuen Fonds für italienische Aktien auflegen und dafür 60 Millionen Euro einsammeln.

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Gilles Guibout, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Axa Investment Managers, rät zur Besonnenheit. „Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone oder ein Banken-Kollaps sind zu große Gefahren, um sie passieren zu lassen.“ Den italienischen Banken bleibe längerfristig nichts anderes übrig, als zu fusionieren und ihre Ertragskraft zu steigern. Daher halte er mit seinem Italien-Fonds an Finanzwerten fest, obwohl diese wohl am stärksten unter einem möglichen Aktien-Ausverkauf leiden würden. „Wir treffen unsere Investitionsentscheidungen mit Blick auf die Entwicklung der kommenden drei Jahre, nicht der kommenden drei Wochen.“

Auch Stephan Heibel, der die wöchentlichen Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung auswertet, hat eine andere Meinung als die meisten Börsianer. „Mich würde mich nicht wundern, wenn inzwischen sogar ein chaotisches Italien von den Finanzmärkten begrüßt wird, denn aus dem Chaos kann endlich was Neues entstehen.“ Denn alles was ein „weiter so“ verhindert, wurde in den vergangenen Monaten von den Finanzmärkten begrüßt.

Kommentare (2)

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Herr Tom Schmidt

28.11.2016, 16:16 Uhr

Diese Art der Berichterstattung von Reuters möchte ich kritisieren und verurteilen. Wie aus dem Artikel hervorgeht, kann das Referendum an den Märkten zu unterschiedlichsten Reaktionen führen, was für Märkte eben auch normal ist!

Aber bevor jetzt wieder alle losheulen, dass da Populisten eine Wahl gewinnen, sollte man doch mal das Hauptproblem des Referendums benennen: Die Italiener sollen mit der Verfassung über ein Wahlsystem abstimmen, dass sie noch nicht kennen, und das dann in einem Gesetz noch definiert werden soll. Dass das in einem Land mit starker organisierter Kriminalität auf Misstrauen stösst ist, rational!!!

Der Senat soll in Italien zwar geschwächt werden, woher die Senatoren aber komme werden ist unklar! So etwas der Bevölkerung vorzulegen ist unter aller S...

Und Brüssel versagt wiederum und sagt nichts! Hautpsache Junkers kippt sich etwas runter!!! Aktuell ist das aber eine Einladung die Posten nach "Familienzugehörigkeit" zu vergeben!!!

So etwas müsste eine seriöse Nachrichtenagentur thematisieren!!!

Herr Franz Pfaff

28.11.2016, 17:41 Uhr

Italien hat in den 70-iger Jahre ihre Lira 1 oder 2 Mal pro Jahr abgewertet und ist damit sehr gut gefahren. Ich frage mich sowieso, was Italien deshalb in der EU zu suchen hat, da es offensichtlich keine Reformen hinbekommt.

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