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26.09.2013

15:37 Uhr

Regierungskrise

Italiens Nagelprobe am Anleihemarkt

Spekulationen über ein Scheitern der Regierungskoalition belasten die Finanzmärkte. Am Freitag wird sich zeigen, wie ernst Investoren die Lage einschätzen. Denn dann will das Land die Kapitalmärkte anzapfen.

Italiens Staatschef Enrico Letta: Nagelprobe an den Anleihemärkten am Freitag. Reuters

Italiens Staatschef Enrico Letta: Nagelprobe an den Anleihemärkten am Freitag.

Rom/MailandWachsende Unsicherheit über die Regierungskoalition in Italien sorgt für Unruhe an den Finanzmärkten. Dem Land steht am Freitag eine Nagelprobe bevor, wenn es für die langfristige Kreditaufnahme die Kapitalmärkte um bis zu sechs Milliarden Euro anzapfen will. Investoren könnten höhere Zinsen verlangen. Bereits am Donnerstag belasteten wieder aufflammende Spekulationen über einen Bruch der Regierungskoalition die Börsen. Der Mailänder Leitindex verlor rund 1,6 Prozent auf 17.800 Punkte und damit deutlich mehr als die übrigen europäischen Aktienmärkte. Auslöser war Börsianern zufolge die wiederholte Drohung der Mitte-Rechts-Partei PDL des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, die Koalition mit Regierungschef Enrico Letta platzen zu lassen.

Die Minister der PDL wollen zurücktreten, sollte der wegen Steuerhinterziehung verurteilte Berlusconi aus dem Senat ausgeschlossen werden. Ein Senatsausschuss soll am 4. Oktober darüber entscheiden, ob der 76-Jährige seinen Sitz im Oberhaus behalten darf. Staatspräsident Giorgio Napolitano appellierte an das Berlusconi-Lager, nicht - wie ebenfalls angedroht - das Parlament zu verlassen. Die Drohung sei störend und würde das Funktionieren des Parlaments untergraben, sagte Napolitano in einer ungewohnt deutlichen Erklärung. Es gebe noch genug Zeit, Wege zu finden, um Unterstützung für Berlusconi auszudrücken - „ohne die Arbeitsweise von zwei Parlamentskammern zu gefährden“, mahnte der Präsident.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Top 7

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Top 6

Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Rendite zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.

Top 5

Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.

Top 4

Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.

Top 3

Im Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold lag mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.

Top 2

Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.

Top 1

Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Mit knapp 65 Prozent stellen Deutsche ab 60 Jahren die größte Gruppe der Privatanleger.

Der Finanzmarkt schaut mir Argusaugen auf die politischen Entwicklungen. Der Streit gefährde „nicht nur die Stabilität der aktuellen Regierung, sondern viel allgemeiner auch den langfristigen Reformprozess“, sagte Analyst Timo del Carpio von RBC Capital Markets. Italien will am Freitag fünf- und zehnjährige Anleihen von bis zu sechs Milliarden Euro platzieren. Am Donnerstag spülte eine Emission von Sechs-Monats-Papieren 8,5 Milliarden in die Staatskasse, und die durchschnittliche Rendite für Anleger sank leicht. Dies könnte am Freitag anders aussehen, betonte ING Zinsstratege Alessandro Giansanti: „vor allem bei den Zehn-Jahres-Bonds“. Am Sekundärmarkt stiegen bereits die Renditen der richtungweisenden zehnjährigen Anleihen auf 4,32 Prozent von 4,23 Prozent am Mittwoch.

Von

rtr

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