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06.07.2012

13:13 Uhr

Regulierung an den Börsen

„Wir haben uns längst Regeln gegeben“

VonFrank Matthias Drost

Der Geschäftsführer der Stuttgarter Börse will den Hochfrequenzhandel durch die Selbstverwaltung der Börse regeln. Handlungsbedarf sie Christoph Boschan woanders.

Christoph Boschan ist Geschäftsführer der Stuttgarter Börse. Pressefoto

Christoph Boschan ist Geschäftsführer der Stuttgarter Börse.

Handelsblatt: Herr Boschan, die Politik sieht Regulierungsbedarf beim computergetriebenen Hochfrequenzhandel - zu Recht?

Christoph Boschan: Ich habe Verständnis dafür, dass die Politik sich mit der technischen Entwicklung an den Märkten auseinandersetzt und der Frage nachgeht, ob der beschleunigte Handel noch vom geltenden Aufsichts- und Organisationsrecht abgedeckt wird. Es geht beim Hochfrequenzhandel um Algorithmen, die von Menschen vorgegeben werden.

Also steht der Hochfrequenzhandel zu Unrecht am Pranger?

Wie bei jedem Handel geht es darum, dass Investoren Geld geben und abziehen können, ohne große Preisschocks auszulösen. Dieser Handel kann einen Beitrag zur Liquidität im Markt bieten und ist ein Korrektiv für fragmentierte Märke.

Welche Märkte meinen Sie?

Wir haben in Europa 150 miteinander konkurrierende Plattformen, also Marktplätze, die einen ähnlichen Service anbieten. Die Liquidität, die sich früher auf ein paar Dutzend Handelsplätze erstreckte, verteilte sich nun auf 150 verschiedene. Für den Preisabgleich wirkt der automatisierte Handel positiv.

Also besteht aus Ihrer Sicht kein Handlungsbedarf?

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich die Handhabung des Hochfrequenzhandels lieber durch die Selbstverwaltung der Börsen geregelt bekommen möchte als durch den Gesetzgeber. Ich sehe die Börsen als öffentlich-rechtliche Anstalten auch weniger betroffen als unregulierte Marktplätze. Die Börsen sind verpflichtet, einen ordnungsgemäßen Handel zu organisieren und haben sich in der Finanzkrise als vollständig funktionsfähig erwiesen - ganz anders übrigens als der außerbörsliche Handel. Hier gibt es sicherlich Organisationsdefizite.

Welche?

Von den erwähnten 150 Plattformen in Europa erfüllt höchsten ein Drittel die Ansprüche eines regulierten Marktes. Die anderen, also multilaterale Handelssysteme und bankeigene Systeme arbeiten mit geringer entwickelten Preissicherungssystemen und sind gesetzlich nicht verpflichtet, den Handel dauerhaft zu überwachen.

Und die Stuttgarter Börse?

Wir haben uns längst Regeln gegeben - beispielsweise hinsichtlich der Überwachung des Orderstroms, hinsichtlich der Belastung der Handelssysteme. So können Gebühren erhoben werden, wenn besonders viele Aufträge eingestellt werden, aber nur wenige durchgeführt werden. Ferner gibt es Sanktionsmaßnahmen beim Überschreiten von Grenzen, und es gibt Regelungen für eine automatische Verlangsamung des Handels bei heftigen Kursbewegungen.

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