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16.06.2011

18:30 Uhr

Rekord bei Ausfallversicherungen

Wie Investoren auf die Pleite wetten

VonJörg Hackhausen

Die Ausfallversicherung für griechische Anleihen ist so teuer wie nie. Allerdings spielen einige Investoren ein doppeltes Spiel: Sie warnen vor der Pleite - und verdienen gleichzeitig daran.

Proteste in Athen: Die Lage ist angespannt. Quelle: dapd

Proteste in Athen: Die Lage ist angespannt.

DüsseldorfJeden Tag ein neuer Rekord: Die Absicherung gegen den Ausfall griechischer Staatsanleihen hat schon wieder einen neuen Höchststand erreicht.
Die sogenannten Credit Default Swaps (CDS) auf griechische Staatsanleihen verteuerten sich um 435 auf 2189 Basispunkte. Das zeigen Zahlen des Datenanbieters Markit.

Der Höchststand bei den Risikokosten bedeutet, dass es pro Jahr 2,19 Millionen Euro kostet, Anleihen im Wert von zehn Millionen Euro abzusichern – so viel wie bei keinem anderen Land auf der Welt. „Die Zeit für Griechenland läuft langsam ab“, sagte ein Börsianer. „Es gibt keine einheitliche europäische Haltung und Athen verfügt nicht über den politischen Konsens, weitere Reformen durchzusetzen. Der Markt war nicht darauf vorbereitet, dass die Situation sich derart verschlechtert.“

Prominente Stimmen zur Schuldenkrise

Axel Weber, Ex-Chef der Bundesbank

„Ab einem bestimmten Punkt muss man seine Verluste einschränken und das System neu starten“

Horst Köhler, ehemaliger Bundespräsident und einst Chef des IWF

„Die Euro-Gruppe und das ganze europäische Projekt stehen wegen gravierender politischer Versäumnisse in der Vergangenheit vor einer nie dagewesenen Zerreißprobe.“

George Soros, Großinvestor und Präsident von Soros Fund Management

„Seien wir mal ehrlich: Wir stehen am Rand des Zusammenbruchs, der - sagen wir mal - mit Griechenland anfängt, aber sich leicht ausweiten kann.“

Wolfgang Schäuble, Bundesfinanzminister

„Wir stehen vor dem realen Risiko der ersten ungeordneten Staatsinsolvenz innerhalb der Euro-Zone.“

Mohamed El-Erian, Chef des weltgrößten Anleiheinvestors Pacific Investment Management Co (Pimco)

„Griechenland hat zu viele Schulden und kann nicht wachsen, solange diese Probleme nicht gelöst sind. [...] Das Land wird um eine Umschuldung nicht herumkommen.“

Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung

„Also das Geld ist verloren. Die Griechen können ja jetzt schon nicht zurückzahlen. Griechenland war im Grunde schon vor einem Jahr pleite.“

Barack Obama, US-Präsident

„Eine Spirale der Zahlungsunfähigkeit wäre eine Katastrophe.“

Jürgen Stark, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank

„Solidarität darf nicht in der Weise missverstanden werden, dass die europäischen Partner und die internationale Gemeinschaft keine andere Wahl hätten, als die Finanzierung fortzusetzen. Niemand ist erpressbar und niemand darf erpressbar sein. [...] Das Schicksal des Euro hängt nicht an Griechenland.“

Warren Buffett, Investmentlegende

„Ein Kollaps des Euro ist nicht undenkbar.“

Kenneth Rogoff, Harvard-Professor und ehemaliger Chefökonom des IWF

„Die EU schiebt das Schuldenproblem nicht nur vor sich her, sondern wie einen Schneeball den Berg hinunter.“

Jean-Claude Juncker, luxemburgischer Premier und Eurogruppenchef

„Es wird keine vollständige Umschuldung Griechenlands geben. Auch der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ist niemals ein Thema gewesen“.

Jim Rogers, Börsenexperte

„Lasst Griechenland pleitegehen!“

Jim O'Neill, Chef der Vermögensverwaltung bei Goldman Sachs

„Es wäre besser für die Zukunftsfähigkeit der Europäischen Währungsunion, die Restrukturierung Griechenlands schnell über die Bühne zu bringen. Wenn nicht, wird die Krise immer schlimmer und breitet sich womöglich auch auf andere Länder aus.“

Bill Gross, Manager des größten Anleihefonds der Welt

„Die Währungshüter versuchen, das Ungleichgewicht von zu hohen Schulden und zu attraktiven Zinsen auf Ersparnisse auszugleichen. Man könnte das als finanzielle Repression bezeichnen. Wir nennen es Taschendiebstahl.“

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

„Wenn der Euro als Ganzes in Gefahr ist, ist es das deutsche Interesse zu helfen, um den wirtschaftlichen Aufschwung nicht zu gefährden.“

Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou droht die Rückendeckung zu verlieren. Sein Sparprogramm trifft auf erhebliche Widerstände. Nun will er sein Kabinett umbilden und sich danach einer Vertrauensabstimmung im Parlament stellen. Auf den Straßen in Athen demonstrieren Tausende gegen die Sparpolitik der Regierung.

Investoren scheinen Griechenland schon aufgegeben zu haben, zumindest werden sie nicht müde, die Pleite herbeizureden. "Lasst Griechenland pleitegehen", forderte etwa der prominente US-Investor Jim Rogers kürzlich.

Kommentare (8)

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Roemi

16.06.2011, 19:34 Uhr

Die Ratingagenturen haben ja bereits angekündigt, dass sie jede Rettungsvariante als Zahlungsausfall werten werden.

Mit diesem Artikel wird nun endlich der wahre Grund dafür geliefert: Weil die Zocker (Investmentbanken wie Goldman Sachs oder Deutsche Bank) und Hedge-Fonds sich mit ungedeckten CDS vollgepumpt haben.

Wird Griechenland als Zahlungsunfähig eingestuft, haben diese ihren großen Zahltag und Kreditversicherer müssen wieder an den Steuerzahlertropf.

Am besten kauft man sich heute schon einmal CDS von Italien. Die sind noch billig, aber nach Portugal, Spanien und Irland werden diese skrupellosen Verbrecherbanden ein neues Ziel suchen, weil es ja so wunderbar klappt.

Der EU-Kommission weiterhin viel Spaß bei der Regulierung des Bankensektors, die Zocker verdienen ihr Geld längst in völlig ungeregelten Bereichen.

Account gelöscht!

16.06.2011, 20:09 Uhr

Wir brauchen ein Zocker-Enteignungsgesetz!

RDA

16.06.2011, 20:41 Uhr

CDS sollten als OTC-Geschäft verboten und zwingend über Clearingstellen abgewickelt werden. Wer CDS-Kontrakte kauft, muss nachweisen, dass er einen Kredit an das jeweilige vergeben hat oder eine Anleihe hält. Und damit niemand auf dumme Gedanken kommt, müssen der Kreditvertrag bzw. die Anleihe bei der Clearingstelle hinterleg werden.

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