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01.05.2013

01:22 Uhr

Rekord-Emission

Apple nimmt 17 Milliarden Dollar ein

Apple gibt eine Anleihe aus. Die Nachfrage ist gigantisch. Mit den „iBonds“ kann das Unternehmen 17 Milliarden einnehmen. Dabei sitzt das Unternehmen auf einem Cash-Berg. Einen Grund gibt es für die Emission dennoch.

Das Apple-Logo in New York: Die Deutsche Bank leistet Unterstützung bei den Anleihe-Plänen. dpa

Das Apple-Logo in New York: Die Deutsche Bank leistet Unterstützung bei den Anleihe-Plänen.

New YorkÜber Apple ist in dieser Woche ein wahrer Geldregen niedergegangen. Durch den Verkauf von Anleihen hat sich der iPhone- und iPad-Hersteller nach Daten des Finanzdienstleisters Bloomberg insgesamt 17 Milliarden Dollar beschafft (13 Mrd Euro) und damit so viel wie kein anderes US-Unternehmen zuvor auf einen Schlag. Das Geld soll in den Rückkauf eigener Aktien und in Dividenden fließen. So will Apple seinen schwächelnden Kurs aufpäppeln.

Anleihen sind Schuldpapiere. Apple muss dafür Zinsen berappen und das Geld nach einer vorher festgelegten Zeit zurückzahlen. Für Apple ist es günstiger, Schulden zu machen, statt auf die eigenen Reserven zurückzugreifen. Denn rund 102 Milliarden Dollar und damit zwei Drittel des Kassenbestands sind außerhalb der USA geparkt. Bei der Überweisung in die USA würden hohe Steuern fällig.

Die wichtigsten Akteure bei Apple

Tim Cook

Apple-Gründer Steve Jobs holte den Computermanager Tim Cook 1998 zu Apple und vertraute ihm die Führung des operativen Geschäfts an. Der Südstaatler mit der weichen Stimme ordnete die Produktions- und Vertriebskette radikal neu und machte Apple zu einer effizienten Geldmaschine, die Jobs’ kühne Visionen umsetzen kann. Im August 2011 übernahm der heute 51-jährige Cook permanent die Konzernführung. Er setzte eigene Akzente: Apple ist merklich offener in der Kommunikation geworden, auch was die Arbeitsbedingungen bei seinen chinesischen Zulieferern angeht. Ein revolutionäres Produkt wie das iPhone hat er bislang aber nicht vorstellen können.

Jony Ive

Der britische Designer Jonathan „Jony“ Ive stieß schon Anfang der 90er-Jahre zu Apple. Doch erst als Jobs 1997 wieder die Führung übernahm, blühte Ive voll auf. Seine Abteilung bekam größere Räume in einem Hochsicherheitstrakt des Hauptquartiers und die Lizenz zum Experimentieren. Aus Ives Labor stammen Innovationen wie die aktuellen Notebooks aus einem Stück Aluminium sowie das schlichte Design von iPhone, iPad und Mac. Viele Beobachter sehen am ehesten Ive als Jobs-Nachfolger, was die Zukunftsvisionen angeht. In seiner aktuellen Rolle als Verantwortlicher für das Design von Geräten wie auch der Software kommt er dieser Führungsrolle nahe.

Eddy Cue

Der Manager ist „Feuerwehrmann“ für brenzlige Angelegenheiten. Der Chef der iTunes-Plattform musste bereits den schlecht gestarteten Speicherdienst MobileMe retten – und machte die funktionierende iCloud daraus. Er soll auch die misslungenen Apple-Karten fit machen und den oft kritisierten persönlichen Assistenten Siri verbessern. Schon 2011 bekam Cue die Führung des gesamten Bereichs Internet-Software und Dienste übertragen. Damit ist er Chef über den iTunes Store, den App Store und den Büchershop iBooks. Mit dem Online-Speicher iCloud zeichnet er für einen Schlüsselbereich für die Zukunft von Apple verantwortlich.

Phil Schiller

Der „Senior Vice President“ für Marketing übernimmt stets die Präsentation der neuen Geräte – vom iPhone 5 bis zum iPad mini. Alle neuen erfolgreichen Produkte von Apple sind unter Schillers Regie vermarktet worden. Firmenchef Tim Cook tritt bei Produktvorstellungen meist in den Hintergrund und überlässt die Präsentation Schiller.

Apple hatte sein Vorhaben einer 100-Milliarden-Ausschüttung mit damit einhergehender Verschuldung vor Tagen angekündigt. Hintergrund ist, dass viele Aktionäre von Firmenchef Tim Cook fordern, Apples gigantischen Barbestand sinnvoll einzusetzen. Der Konzern hat das Geld über die Jahre angehäuft, weil es mit iPhone und iPad Vorreiter von Tech-Produkten war und hohe Gewinnmargen damit erwirtschaftete. Zuletzt war der Glanz aber verblasst. Der legendäre Firmengründer Steve Jobs starb vor eineinhalb Jahren, sein Nachfolger Cook hat bislang keine technologische Revolution auf den Markt gebracht - was offenbar aber viele von Apple erwarten. Zudem wird der Konkurrenzkampf mit Rivalen wie Samsung Electronics immer schärfer.

Entsprechend war der Apple-Aktienkurs von rund 700 Dollar Ende September zuletzt auf unter 400 Dollar gefallen. Apple hat sich deshalb zur Ausschüttung der 100 Milliarden Dollar entschlossen. Von Apples Barbestand von 145 Milliarden Dollar - das entspricht in etwa dem Dreifachen der Wirtschaftsleistung Bulgariens - sind aber nur 45 Milliarden ohne weiteres in den USA verfügbar. Also muss sich Apple für den Rest verschulden. Da am Dienstag nur etwa 17 Milliarden Dollar aufgenommen wurden, werden weitere Anleihen Apples in der kommenden Zeit erwartet.

Deshalb hatte Apple schon vor einer Woche verkündet, erstmals seit fast zwei Jahrzehnten wieder Anleihen verkaufen zu wollen. Die Papiere bekam schnell den Spitznamen „iBonds“. Und diese „iBonds“ waren gefragt bei den Investoren. Wie Bloomberg und das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf eingeweihte Personen schrieben, hätten in den Orderbüchern Anfragen über 50 Milliarden Dollar gestanden.

Apple bot sechs Anleihetypen an, die das Unternehmen in 3 bis 30 Jahren zurückzahlen muss. Entsprechend unterschiedlich waren auch die Zinssätze. Insgesamt muss Apple aber nur Minizinsen berappen, weshalb sich die ganze Schuldenmacherei für den Konzern überhaupt lohnt. Allgemein ist das Zinsniveau niedrig und Apple besitzt bei den zwei großen Ratingagenturen S&P und Moody's eine hervorragendes Kreditwürdigkeit, wenngleich nicht die Bestnoten.

So gab es von Moody's ein Rating der zweitbesten Stufe „Aa1“ statt des begehrten „Triple-A“, wie es etwa die Bundesrepublik Deutschland besitzt. Für Unternehmen, die so stark von der Gunst der Verbraucher in den sich schnell verändernden Branchen Technologie und Mobilfunk abhingen, gebe es langfristige Risiken, hieß es zur Begründung. Von S&P gab es auf deren Skala ebenfalls die zweitbeste Bewertung AA+.

Zuletzt hatte Apple 1996 Schuldpapiere ausgegeben. Danach hatte der zurückgekehrte Gründer Steve Jobs viel Wert darauf gelegt, das Unternehmen schuldenfrei zu halten. Doch Apple hatte unter Jobs' Nachfolger Tim Cook jüngst seine Ausschüttungen an die Anteilseigner auf 100 Milliarden Dollar verdoppelt und erklärt, zur Finanzierung den Kapitalmarkt anzapfen zu wollen. Die Deutsche Bank organisierte die Platzierung der Anleihen zusammen mit dem Wall-Street-Haus Goldman Sachs.

Unabhängig von der Anleihe gab der russische Milliardär Alischer Usmanow am Dienstag eine Investition von 100 Millionen Dollar in Apple-Aktien bekannt. „Ich glaube an die Zukunft von Apple auch nach dem Tod von Steve Jobs“, sagte Usmanow in einem Bloomberg-Interview. Usmanow ist ein bekannter Internet-Investor und machte zum Beispiel viel Geld beim Facebook-Börsengang im vergangenen Jahr. Die Apple-Aktie liegt derzeit um rund 40 Prozent unter ihrem Rekordhoch bei gut 700 Dollar vom vergangenen September.

Kommentare (7)

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30.04.2013, 20:06 Uhr

Kein Wunder, dass das Ding weggeht wie warme Semmeln bei den beiden besten Emissionshäusern auf der Konsortialseite in der Branche. Das ist smart Money für alle Beteiligten !

Account gelöscht!

30.04.2013, 20:18 Uhr

Ps: Und der Stock läuft ja auch seit Tagen wunderbar mit hoch !

Account gelöscht!

30.04.2013, 22:47 Uhr

Apple lässt sich von den Investmentbanken nun ausnehmen wie eine Weihnachtsgans. Angeblich will man ja Steuern sparen, indem man es dadurch vermeidet ausserhalb der USA erzielte Gewinne in die US zu transferieren. Nebenbei bemerkt: Eine sehr patriotische Einstellung. Tatsächlich ist die Anleihe aber nur ein Vehikel um die Investmenthäuser noch besser mit Provisionen und Zinsen zu versorgen. Die Emission der Anleihen ist doch der grösste Unsinn den es gibt. Man könnte die Dividende und das Aktienrückkaufprogramm direkt aus dem Bargeldbestand speisen. Jetzt macht man Schulden, diese Einnahmen gibt man zzgl. Gebühren und Provisionen aus, um dann dafür jährlich hohe Zinsen zu zahlen, die man gar nicht zahlen bräuchte. Das ist absolut absurd. Zudem bleibt Apple durch den hohen Bargeldbestand weiterhin attraktiv für eine feindliche Übernahme. Sinkt der Kurs um weitere 100 USD pro Aktie dann kann man Apple mit dem eigenen Bargeldbestand übernehmen. Man bekommt das Unternehmen quasi geschenkt und kann es nach allen Regeln der Kunst ausnehmen und zerlegen.

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