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14.06.2012

12:29 Uhr

Rekordrenditen

Märkte schreiben Spanien ab

Nachdem die Ratingagentur Moody's die Bonität Spaniens deutlich herunter gestuft hat, schnellen die Renditen für zehnjährige Anleihen nach oben. Für die Südeuropäer wird es immer schwerer, ihre Schulden zu bezahlen.

Spanische Euromünze. Das Land muss immer höhere Zinsen für seine Schulden bezahlen. dpa

Spanische Euromünze. Das Land muss immer höhere Zinsen für seine Schulden bezahlen.

FrankfurtDie Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens drückt auf die Stimmung der Investoren. Die Renditen für zehnjährige Anleihen des südeuropäischen Landes kletterten am Donnerstagmorgen auf 6,94 Prozent und erreichten damit den höchsten Stand seit Einführung des Euro.

Die Ratingagentur Moody's hatte die Kreditwürdigkeit der Euro-Staaten Spanien und Zypern gesenkt. Die Bonitätsnote Spaniens wurde nach der Ankündigung der Madrider Regierung, internationale Hilfe für die angeschlagenen Banken des Landes in Anspruch zu nehmen, von „A3“ auf „Baa3“ herabgestuft. Sie liegt damit nur noch eine Note über dem sogenannten Ramschniveau.

Fragen und Antworten zur Kreditwürdigkeit

Warum sind Bonitätsnoten für ein Land wichtig?

Die Noten der drei führenden Agenturen S&P, Moody's und Fitch sind maßgeblich für die Finanzierungskosten der Staaten am Kapitalmarkt. Die Faustregel: Je besser die Bonitätsnote, desto günstiger das Zinsniveau, zu dem ein Land Geld aufnehmen kann.

Gilt diese Faustregel immer?

Es gibt Ausnahmen: So haben die USA trotz immenser Verschuldung und einer Herabstufung durch S&P im vergangenen Sommer nach wie vor keine Probleme, günstig Mittel einzusammeln. Die weltgrößte Volkswirtschaft gilt weiter als „sicherer Hafen“, weil der US-Dollar die globale Leitwährung ist und die Notenbank Fed bereit ist, ihn in unbegrenzten Mengen zu drucken. Diese Quasi-Versicherung gegen einen Zahlungsausfall für US-Staatsschulden überzeugt internationale Gläubiger bislang noch - zumal die Alternativen rar sind.

Welche Konsequenzen hat die S&P-Drohung für die „AAA“-Euroländer?

Die Wahrscheinlichkeit liegt nun laut S&P bei 50 Prozent, dass die verbleibenden Euro-Staaten mit Spitzenbonität ihre Bestnote in den kommenden 90 Tagen verlieren. Das sind neben Deutschland Frankreich,Österreich, Luxemburg, die Niederlande und Finnland. Frankreich, das bereits seit längerem unter Abwertungsdruck steht, könnte sogar gleich um zwei Bonitätsstufen abgesenkt werden. Zudem hat in Moody's auch die zweite große Ratingagentur das Land auf dem Kieker. Für die Euro-Rettung ist dies äußerst brisant: Mit Frankreich wackelt die zweitwichtigste Finanzierungssäule des Krisenfonds EFSF.

Was wird ohne Top-Rating aus dem Euro-Rettungsschirm?

Für den EFSF hätte ein Verlust der Spitzenbonität weitreichende Folgen. Die Topnoten der Ratingagenturen sind Voraussetzung, damit der Krisenfonds mit maximaler Schlagkraft agieren kann. Eine Herabstufung der wichtigsten Garantiegeber Deutschland und Frankreich würde auch die Note des EFSF gefährden und damit das Aus des Rettungsschirms in seiner bisherigen Konstruktion bedeuten.

Wie begründet S&P seine Entscheidung?

Der Ratingagentur zufolge haben die Probleme im Euroraum ein Maß erreicht, das die Währungszone als Ganzes unter Druck setzt. S&P kritisiert auch unkoordiniertes und unentschlossenes Handeln der Politiker. Es gebe zudem das Risiko, dass die Eurozone im kommenden Jahr in die Rezession rutsche. Auch Deutschland könnte nach Einschätzung der Agentur in den Abwärtssog geraten.

Ist der Rundumschlag der Ratingagentur angebracht?

Experten sind sich uneins: Die Commerzbank-Analysten bezeichnen den Vorstoß als „aggressiv“, aber vertretbar. Er unterstreiche, „dass es in dieser Krise kein Entrinnen gibt - nicht einmal für die absoluten Top-Credits in der Eurozone“. Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, hat dagegen kein Verständnis. Angesichts der jüngsten Entspannung in der Schuldenkrise liefere S&P in seiner Begründung „schlichtweg und ergreifend Unwahrheiten“.

Warum droht S&P direkt vor dem nächsten EU-Gipfel mit Abstufungen?

Damit setzt die Ratingagentur die Euro-Retter unter Handlungsdruck. Das Unternehmen weist darauf hin, dass die Gipfel-Ergebnisse entscheidend für die weitere Bewertung der Länder der Eurozone seien. Kanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsident Nicolas Sarkozy könnte die Drohung zur Unzeit sogar in die Karten spielen. Merkel liefert sie Argumente dafür, die europäischen Verträge zugunsten von mehr Haushaltsdisziplin und automatischen Schuldenbremsen zu ändern. Sarkozy stärkt sie innenpolitisch den Rücken, um die Sparanstrengungen zu forcieren.

Welche Länder haben überhaupt noch Top-Bonitätsnoten?

Weltweit verfügen noch nicht einmal 20 Staaten über ein „AAA“-Rating von S&P, dazu zählen aber auch einige Steueroasen und Zwergstaaten. In Europa verfügen - noch - zwölf Länder über ein Top-Rating. Von den großen Industrie- und Schwellenländern (G20) sind es fünf. Dazu gehören Deutschland, Frankreich, Kanada, Australien und Großbritannien. Industriegiganten wie die USA („AA+“), China („AA-“) oder Japan („AA-“) sind nicht darunter. Investoren reagieren jedoch häufig erst auf Herabstufungen, wenn mindestens zwei Agenturen sie vornehmen. Die USA beispielsweise werden von Fitch und Moody's bislang noch mit „Triple A“ bewertet.

Worauf gründen Ratingagenturen eigentlich ihre Entscheidungen?

Grundsätzlich legen die großen Agenturen ihre Methodik nicht im Detail offen. Kritiker bemängeln besonders im Zusammenhang mit der Schuldenkrise im Euroraum, dass die Ratingunternehmen lediglich den Marktentwicklungen folgen und auf neue Zuspitzungen reagieren, auch wenn diese fundamental nicht immer gerechtfertigt seien. Experten sehen den harten Kurs allerdings auch im Zusammenhang mit den laschen Bewertungsstandards während der US-Hypothekenkrise waren. Damals mussten sich die Bonitätsprüfer häufig den Vorwurf gefallen lassen, riskante Papiere tendenziell zu positiv zu bewerten.

Dort ist Zypern bereits angekommen. Die Bonität des Inselstaates wurde nun noch einmal um zwei Stufen von „Ba1“ auf „Ba3“ gesenkt. Zyprische Staatsanleihen gelten damit als spekulative Anlage; bei einer weiteren Verschlechterung der Lage ist demnach mit Ausfällen zu rechnen. Für beide Länder drohte Moody's am Mittwochabend eine weitere Herabstufung der Bonität an.
Das von den Euro-Finanzministern am vergangenen Samstag in Aussicht gestellte Hilfspaket in Höhe von 100 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung der spanischen Banken werde die Schuldenlast des Landes weiter steigen lassen, teilte Moody's mit. Dabei sei die Verschuldung bereits im Verlauf der Finanzkrise deutlich gestiegen.

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Kommentare (35)

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wisky

14.06.2012, 10:58 Uhr

Wer hat Anderes erwartet? Die Banken kriegen Geld und die Bevölkerung haftet.
Wann kommt enlich das Umdenken bei unseren noliberalen CDU/SU/FDP/SPD/Grünen Politikern?
Die EZB sollte nicht mehr den Bankensektor mit Billionen pampern, sondern einfach die Staaten - ohne den Umweg übers abkassieren von Bank-Großaktionären. Wie es die anderen Zentralbanken um uns herum auch machen.

Account gelöscht!

14.06.2012, 11:01 Uhr

"Für die Südeuropäer wird es immer schwerer, ihre Schulden zu bezahlen."

Es wird nicht immer schwerer sondern es ist und bleibt unmöglich, wer etwas anderes behauptet, der lügt dass sich die Balken biegen. Dieses Geld kann nie wieder zurückgezahlt werden in dieser Eurosituation. Das einige was noch geht ist der Reset...alles andere führt in immer weitere Höhen bis der Freifall dann unkontrolliert kommt.

Privatier

14.06.2012, 11:04 Uhr

Komme gerade aus Spanien.
Die Banken dort sind alle Pleite, wenn sie die kreditfinanzierten Immos auf ihren realen Wert abschreiben müssen!
Die verlangen doch tatsächlich für ein 62qm Apartment, in einem Wohnblock bei Alicante, noch 192.000 Euros und das sind schon 33% unter dem "ursprünglichen" Preis.
Der realistische Preis liegt da nochmals 50% darunter!
Und es geht hier um 10 tausende von solchen, leerstehenden, Immos!

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