Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.04.2011

11:53 Uhr

Rekordrenditen

Nur raus aus Griechen-Anleihen

Die Anleiherenditen steigen immer weiter. Griechenland hat kaum noch eine Chance, Geld am Kapitalmarkt einzusammeln. Entweder muss eine Umschuldung her oder ein neues Rettungspaket, sagen Experten.

Dunkle Wolken über der Akropolis in Athen: Griechenland bekommt am Markt keinen Kredit mehr. Quelle: dpa

Dunkle Wolken über der Akropolis in Athen: Griechenland bekommt am Markt keinen Kredit mehr.

FrankfurtDie Kurse griechischer Staatsanleihen fallen immer weiter, die Renditen steigen auf Rekordhöhen - am Mittwoch erneut um zwei Prozentpunkte auf 25,95 Prozent.

Angesichts solcher Konditionen hat Griechenland kaum noch eine Chance, Geld am Kapitalmarkt einzusammeln. Die horrenden Anleiherenditen seien ein klarer Hinweis darauf, dass keine Nachfrage von Seiten von Investoren vorhanden ist, meint Kit Juckes, Leiter Devisenanalyse bei Société Générale, im Interview mit Bloomberg.

Damit das Land überhaupt noch zahlungsfähig bleiben kann, sieht der Experte keinen anderen Ausweg, als weitere Hilfe der anderen Euroländer. "Die Lösung wäre mehr Unterstützung aus Europa - also ein weiteres Rettungspaket - damit sie nicht Geld am Markt aufnehmen müssen. Oder es kommt zu Veränderungen, durch die die Ängste vor einer Restrukturierung weggehen. Der Markt macht deutlich, dass er kein Vertrauen hat."
Die bisherigen Rettungsversuche und die Sparmaßnahmen Griechenlands reichten nicht aus, kritisierte auch der Chef des weltgrößten Anleihenhändlers Pimco, Mohamed El-Erian, in einem Beitrag für das Handelsblatt. Er plädiert allerdings für „eine möglichst freiwillige und ordentliche Umschuldung“. Ein schnelles Handeln Europas sei notwendig, dann werde Griechenland die Europäische Währungsunion nicht in Gefahr bringen.

Das hoch verschuldete Land musste bereits vor einem Jahr von den Europäern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mit einem Hilfspaket von 110 Mrd. Euro vor dem Staatsbankrott gerettet werden.

Wie eine Umschuldung Griechenlands aussehen könnte

Haircut

Die griechische Regierung erklärt sich für zahlungsunfähig und handelt mit ihren Gläubigern einen Forderungsverzicht (Haircut) aus. Für die Geldgeber kann das sehr teuer werden: Bei den vom Internationalen Währungsfonds (IWF) untersuchten Staatspleiten zwischen 1998 und 2005 musste sie zwischen 13 Prozent (Uruguay) und 73 Prozent (Argentinien) ihres Investments abschreiben. Griechenland könnte seine Schuldenlast von mehr als 340 Milliarden Euro auf diese Weise zwar mit einem Schlag deutlich reduzieren, würde aber seine Kreditwürdigkeit am Finanzmarkt auf Jahre verspielen und sich den Zugang zu frischem Geld verbauen. Auch andere Sorgenkinder wie Irland und Portugal würden dann noch größere Probleme haben, sich neues Geld am Markt zu leihen. Ein weiteres Problem: Die Gläubiger sind vor allem Banken aus Griechenland und anderen Euro-Ländern, denen milliardenschwere Verluste drohten, was wiederum eine neue Finanzkrise auslösen könnte.

"Sanfte Umschuldung"

Eine mildere Form der Umschuldung wäre eine längere Laufzeit der vom IWF und der Europäischen Union gewährten Kredite von 110 Milliarden Euro - verbunden womöglich mit einer erneuten Senkung des Zinssatzes, den Griechenland für die Hilfen zahlen muss.Eurogruppen-Chef Juncker will auch die privaten Gläubiger mit ins Boot holen. Dem Krisenland soll so mehr Zeit eingeräumt werden, seine Schulden zurückzuzahlen und sein Sparprogramm umzusetzen. „Reprofiling“ nennt Jucker das. Ob private Gläubiger dazu gebracht werden sollen, Griechenland eine Atempause zu gewähren und dabei auf Geld zu verzichten, ist offen. Die Commerzbank rechnet nur dann mit einem Erfolg, wenn den Anlegern dafür Rückzahlungsgarantien ausgestellt werden. Das Problem: Die über Jahre angehäuften Staatsschulden müssten auf einen Schlag mit Garantien unterlegt werden - für die am Ende die Steuerzahler in anderen Ländern haften müssen.

Brady-Bonds

Diese Lösung hat in den achtziger Jahren Schule gemacht. Der damalige US-Finanzminister Nicholas Brady handelte einen nach ihm benannten Plan aus, der etliche lateinamerikanische Staaten vor der Pleite rettete. Übertragen auf Griechenland würde er wie folgt funktionieren: Banken und andere private Gläubiger tauschen die riskanten griechischen Staatsanleihen zum Marktpreis gegen Papiere ein, die von der Euro-Zone mit einer Garantie versehen werden. Die Gläubiger müssten damit auf einen Teil ihrer Ansprüche verzichten, denn am Markt werden die griechischen Bonds wegen des hohen Ausfallrisikos derzeit mit großen Abschlägen zum Ausgabepreis gehandelt - bei zehnjährigen Bonds sind es fast 40 Prozent. Der Vorteil: Die neuen Papiere sind gesichert, die Gläubiger haben damit Planungssicherheit. Griechenland würde auf diese Weise seine Schuldenlast drücken.

Längere Laufzeiten

Eine mildere Form der Umschuldung wäre eine längere Laufzeit der vom IWF und der Europäischen Union gewährten Kredite von 110 Milliarden Dollar - verbunden womöglich mit einer erneuten Absenkung des Zinssatzes, den Griechenland für die Hilfen zahlen muss. Nach einem Bericht des „Wall Street Journals“ hält der IWF die Schuldenlast für Griechenland intern für untragbar und soll daher eine Laufzeitverlängerung der Finanzhilfen auf bis zu 30 Jahre erwägen. Der IWF dementierte dies allerdings.

Pariser Club

Die Experten der Großbank UniCredit halten auf mittlere Sicht Verhandlungen zwischen Griechenland und dem Pariser Club für wahrscheinlich. Ihr Argument: Durch bilaterale Kredite und den Ankauf griechischer Anleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) wird der Anteil der öffentlichen Gläubiger an den Verbindlichkeiten Griechenlands auf mindestens 40 Prozent steigen. Im Pariser Club haben sich 1956 die wichtigsten Gläubigerstaaten zusammengeschlossen und seither 421 Umschuldungsabkommen mit 88 Staaten - von Afghanistan bis Vietnam - im Wert von 553 Milliarden Dollar getroffen. Von 1985 und 1993 stand dem Pariser Club ein Mann vor, der auch in der Schuldenkrise eine zentrale Rolle spielt: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.

Von

dpa

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

28.04.2011, 12:25 Uhr

Über das griechische Defizit Problem ist viel geschrieben worden, so dass aktuelle Artikel mehr der Stimmungsmache in eine bestimmte Richtung dienen, als eine gute Lösung anzuzeigen.
Von Austritt aus dem Euro ist seit einigen Wochen nichts mehr zu lesen, obwohl wichtige Fachleute diesen Schritt einst geraten hatten. Ist logisch, dass das Euro-Korsett automatisch grosse Risiken für alle von der Norm abweichenden Volkwirtschaften darstellt.

Offenbar ist der Horror vor einem Domino Effekt nach machen negativen Meinungen über den Euro in einigen EU Ländern so gross, dass die Medien gedrängt werden, einen Euro Austritt aus der Diskussion heraus zu halten. Das verlängert meiner Meinung nach sinnlos die Agonie in den nicht Norm-konformen EU Staaten.

Germanoellinas

28.04.2011, 13:02 Uhr

Schönen guten Tag,
zur INFo an Alle:
Griechenland könnte alle seine schulden bezahlen, Wie???
Mit dem Schwarzen Gold (ÖL) das unter der Agais ruht.
Wieso fördern die Griechen dann das Öl nicht? Weil wenn sie das machen würden, die Banken die Griechenland Geld geliehen haben und es später auch noch wollen, keine ZINSEN mehr verdienen würden! Das geht ja nicht, Heimische Arbeitsplätze in Deutschland, unter anderem auch in der Waffenindustrie wären gefährdet, auch in den USA.
Und der klintsch zwischen der Türkei und Griechenland kommt auch noch dazu. Die Türken erhebn den vollen Anspruch auf das Öl, obwohl der meiste Teil auf Griechischer Seite liegt.
Ich sag nur ein "Wenn 2 sich streiten, freut sich der 3.", wer wird wohl der dritte Öl geile Staat sein???

Leute wir werden hier an der Nase herumgeführt, uns wird nicht die ganze Wahrheit gesagt.

Wutpoebelbuerge-r

28.04.2011, 13:26 Uhr

Ja gehts noch, hat der Deutsche und Österreichische steuermichel noch immer nicht genug Kapital in der Ägäis versenkt?!?!?

Es langt!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×