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12.02.2014

10:12 Uhr

Rekordvolumen erreicht

US-Anleger schichten um

Anleger sind sichtbar verunsichert: Aus US-Aktienfonds wird in großem Maße Geld abgezogen und in Anleihen investiert. Damit zeichnet sich ein neuer Trend ab, der laut Bill Gross stark von einem Land abhängt.

Der Gründern von Pacific Investment Management (PIMCO) Bill Gross sieht China als größtes Fragezeichen und Risiko für den Markt. Reuters

Der Gründern von Pacific Investment Management (PIMCO) Bill Gross sieht China als größtes Fragezeichen und Risiko für den Markt.

Investoren haben Rekordvolumina an Kapital von US-Aktienfonds in Anleihen umgeschichtet und die 15. Woche in Folge Geld aus Schwellenländeraktien abgezogen. Das berichtet Citigroup.

Einer Studie der drittgrößten US-Bank vom Freitag zufolge verzeichneten US-Aktienfonds in der Woche zum 5. Februar Abflüsse von 24 Milliarden Dollar (17,7 Milliarden Euro). Weltweit zogen Investoren aus Aktienfonds 28,3 Milliarden Dollar ab, so die Studie unter Berufung auf Daten der US-Datendienstes EPFR. Die Abflüsse tragen den größten Teil zu den 14,8 Milliarden Dollar bei, die weltweit in Anleihen geflossen sind. Bei allen Zahlen für den genannten Zeitraum handelt es sich um Rekordwerte.

Erstmals seit August letzten Jahres haben im Januar Anleihen die Aktien geschlagen, nachdem das Beschäftigungswachstum in den USA nachgelassen hatte und Turbulenzen auf den Schwellenländermärkten die Nachfrage nach besonders sicheren Investments verstärkte. Die Entscheidung der US-Notenbank, ihre Anleihekäufe im Januar und erneut im Februar zurückzufahren, trug ebenfalls dazu bei, die Nachfrage nach Risikoinvestments zu dämpfen.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

„Die jüngsten Zahlen haben die Leute dazu gebracht zu denken, dass das weltweite Wachstum nicht so gut ist wie erwartet, also haben sie Aktien verkauft und sichere Häfen angesteuert“, sagte Daphne Roth, Leiterin Aktienresearch Asien bei ABN Amro Private Banking in Singapur. Roth hat Ende Januar Aktien verkauft und hält das Geld in liquiden Mitteln.

China als entscheidender Faktor

Investoren haben im genannten Zeitraum 6,4 Milliarden Dollar aus Schwellenländer-Aktienfonds abgezogen, so viel wie zuletzt im August 2010, wie aus der Citigroup-Studie von Markus Rosgen und Yue Hin Pong aus Hongkong hervorgeht.

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Bill Gross, Manager des weltgrößten Anleihenfonds bei Pacific Investment Management (Pimco), sagte diese Woche, das Tempo des Wirtschaftswachstums in China sei eines der größten Fragezeichen in den Schwellenländern und eines der größten Risiken für die Märkte. „Mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf müssen wir uns mit den möglichen Problemen in China und anderen Schwellenländern befassen“, sagte Gross.

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