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10.06.2015

09:30 Uhr

Rendite zehnjähriger Staatspapiere

Bundesanleihe knackt die Ein-Prozent-Marke

Wie sich die Welt in zwei Monaten ändern kann: Im April schienen Negativrenditen bei zehnjährigen Bundesanleihen sicher. Am Morgen rentierten die Papiere zwischendurch bei 1,05 Prozent. Ist die Zinswende damit Fakt?

Zehnjährige Papiere rentieren wieder bei über einem Prozent. Den Bund kostet Schuldenmachen neuerdings also wieder Geld. dpa

Bundesanleihen

Zehnjährige Papiere rentieren wieder bei über einem Prozent. Den Bund kostet Schuldenmachen neuerdings also wieder Geld.

DüsseldorfEs war eine Rally von null auf hundert: Gemeint ist nicht das jüngste Formel-1-Rennen, sondern die Renditeentwicklung zehnjähriger deutscher Bundesanleihen. Mitte April noch schien es, als würde die Rendite dank der ultralockeren Geldpolitik der EZB, ins Negative rutschen. De facto hätten Gläubiger dem deutschen Staat also Geld bezahlt, um ihm etwas leihen zu dürfen.

Doch dazu kam es nicht. Stattdessen pirschten die Renditen der Staatspapiere immer weiter nach oben. Am Morgen übersprang die Rendite dann die Marke von einem Prozent – ein Plus von 100 Basispunkten. So hoch rentierte die Anleihe zuletzt im September 2014. Zwischenzeitlich kletterte sie gar auf 1,053. Den Bund kostet es es also neuerdings wieder Geld, sich zu verschulden.

Verschiedene Faktoren, darunter bessere Konjunkturaussichten für die Euro-Zone in Kombination mit einer steigenden Inflationsrate, hatten Anleger offenbar dazu getrieben, Anleihen in großem Stil abzustoßen, was die Kurse fallen ließ und die Renditen nach oben trieb. Zuletzt war die langfristige Inflationserwartung für die Euro-Zone auf ein Dreiwochen-Hoch gestiegen.

Den Trend verstärkt haben dürften darüber hinaus die Äußerungen mehrerer Starinvestoren, dass sich mit einer Wette auf sinkende Kurse bei Bundesanleihen Geld verdienen ließe. Investoren scheinen damit die Zinswende vorweggenommen, also faktisch geschaffen zu haben, lange bevor die EZB die Leitzinsen wirklich angehoben hat. Die Frage ist nun, ob die vergleichsweise attraktive Rendite in dieser Form anhalten wird. Denn spätestens jetzt wird es für Investoren wieder attraktiv zu kaufen.

Wie es wirklich weitergeht mit den deutschen Staatsanleihen, wissen selbst die Profis nicht. In einer Umfrage Mitte Mai waren sich Anleiheexperten noch sicher, dass es zu früh wäre, die Zinswende auszurufen. Wie jetzt aus Bloomberg-Daten hervorgeht, halten Analysten bis zum Jahresende Renditen bei der zehnjährigen Anleihe von 0,05 Prozent bis 1,25 Prozent für möglich. Es ist also alles dabei.

Eine eher niedrige Prognose gibt etwa die DZ Bank ab, die laut einer aktuellen Studie eine Bund-Rendite von 0,25 Prozent erwartet. Die Helaba sieht die Rendite beispielsweise bei 0,5 Prozent. Die Commerzbank rechnet dagegen sogar damit, dass die deutsche Staatsanleihe am Jahresende bei 0,7 Prozent rentiert. Im Schnitt liegen die Schätzungen bei 0,56 Prozent. Einigkeit herrscht indessen nur bei einer Sache: Die Schwankungen an den Anleihemärkten dürften hoch bleiben.

Ausstehende Staatsanleihen ausgewählter Euro-Staaten

Italien

Volumen: 2280 Milliarden Euro, Anteil an Euro-Zone gesamt (inklusive Luxemburg, Malta und Estland): 25,3 Prozent
(Quelle: Bloomberg)

Frankreich

1935 Milliarden Euro, 21,5 Prozent der Euro-Zone

Deutschland

1365 Milliarden Euro, 15,2 Prozent der Euro-Zone

Spanien

1192 Milliarden Euro, 13,2 Prozent der Euro-Zone

Belgien

465 Milliarden Euro, 5,2 Prozent der Euro-Zone

Niederlande

439 Milliarden Euro, 4,9 Prozent der Euro-Zone

Griechenland

331 Milliarden Euro, 3,7 Prozent der Euro-Zone

Österreich

272 Milliarden Euro, 3,0 Prozent der Euro-Zone

Irland

239 Milliarden Euro, 2,7 Prozent der Euro-Zone

Portugal

230 Milliarden Euro, 2,6 Prozent der Euro-Zone

Finnland

115 Milliarden Euro, 1,3 Prozent der Euro-Zone

Slowakei

45 Milliarden Euro, 0,5 Prozent der Euro-Zone

Slowenien

39 Milliarden Euro, 0,4 Prozent der Euro-Zone

Zypern

18 Milliarden Euro, 0,2 Prozent der Euro-Zone

Litauen

17 Milliarden Euro, 0,2 Prozent der Euro-Zone

Von

saz

Kommentare (3)

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Herr Peter Noack

10.06.2015, 11:23 Uhr

Muss Schäuble nun für alle 1.300 Milliarden Euro Bundesschuld 1,05 Prozent Zinsen zahlen?
Das wären dann 13,065 Milliarden im Jahr, oder? Wieso sind dann im Bundeshaushalt 2015 noch 24,9 Milliarden eingeplant und für 2016 über 23 Milliarden? Darauf hat das HB wohl auch keine Antwort?

Herr Helmut Metz

10.06.2015, 12:03 Uhr

One in a lifetime... sieht man das, was gerade am Rentenmarkt passiert.
Die Zinsen auf europäische Staatsanleihen steigen, obwohl die EZB gerade ein Aufkaufprogramm durchführt und damit den freien Marktzins manipuliert.
Das bedeuet: JA, es gibt noch einen freien Markt, er funktioniert noch und die manipulativen Zentralplaner werden früher oder später scheitern. Wunderbar.
(...)
Wenn Marktmanipulation nicht mehr möglich ist, muss für die Staatsfinanzierung dann der direkte Diebstahl kommen - siehe die "Bail-In"-Gesetze, die in vielen EU-Staaten nun hektisch vorangetrieben werden...

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

Herr Ferdinand Schmidtmann

10.06.2015, 12:17 Uhr

Da gibt es aus den vergangenen 10 Jahren noch Altschulden, die deutlich höher verzinst werden als 1 %. Auch hierfür sind Zinsen zu zahlen.

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