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08.08.2011

13:23 Uhr

Renditen runter

Trichet setzt die „Bazooka“ ein

Die EZB greift zu außergewöhnlichen Maßnahmen: Sie kauft nun auch Anleihen aus Italien und Spanien. Die Renditen der Schuldenstaaten sinken deutlich. An den Börsen in Mailand und Madrid ging es zunächst steil nach oben.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Quelle: Reuters

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.

Paris/FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) will spanische und italienische Staatsanleihen kaufen. Das teilte der französische Finanzminister François Baroin am Montagmorgen mit. Die EZB hatte am Sonntag angekündigt, Staatsanleihen von Regierungen der Euro-Zone zu kaufen, ohne die Länder zu nennen.

Zuvor hatte die Zentralbank im Kampf gegen eine Ausweitung der Schuldenkrise die Hoffnungen auf ein Eingreifen zugunsten Italiens aufrecht erhalten. Die Notenbank sei bereit, ihr Anleihekaufprogramm „aktiv umzusetzen“, erklärte das oberste Entscheidungsgremium der EZB, der 23-köpfige Rat, in der Nacht zum Montag nach mehrstündigen Krisenberatungen. Weitere Einzelheiten dazu nannte er allerdings nicht.

Der Tag an den Märkten (Stand: 18:00 Uhr)

Dax

+3,3 Prozent

SMI (Schweiz)

+5,0 Prozent

CAC 40 (Frankreich)

+2,9 Prozent

FTSE 100 (Großbritannien)

+/- 0 Prozent

ASE (Griechenland)

+0,3 Prozent

Ibex 35 (Spanien)

+3,6 Prozent

MIB (Italien)

-1,0 Prozent

Eurostoxx 50

+2,9 Prozent

Dow Jones

+2,6 Prozent

Nasdaq

+3,3 Prozent

S&P 500

+2,9 Prozent

Nikkei

-0,6 Prozent

CSI 300 (China)

+1,5 Prozent

Gold

-1,9 Prozent

Silber

-0,6 Prozent

Öl (Brent)

+1,5 Prozent

Dollar

1 Euro = 1,422 Dollar / +0,5 Prozent

CDS Deutschland

+85 Basispunkte

CDS USA

+54 Basispunkte

CDS Frankreich

+ 174 Basispunkte

Bundesanleihen (10 Jahre)

+/- 0 Basispunkte

US-Staatsanleihen (10 Jahre)

+5 Basispunkte

Griechische Staatsanleihen (10 Jahre)

+8 Basispunkte

Spanische Staatsanleihen (10 Jahre)

-5 Basispunkte

Italienische Staatsanleihen (10 Jahre)

-6 Basispunkte

Händlern zufolge hat die EZB bereits mit Ankäufen von italienischen und spanischen Anleihen begonnen. Demnach konzentrierte sich die EZB am Montag auf Käufe von Papieren mit fünfjähriger Laufzeit. Die Renditen entsprechender italienischer Bonds fielen um 65 Basispunkte auf 4,85 Prozent. Spanischer Papiere rentierten mit 4,734 Prozent 69 Basispunkte tiefer. Die Risikoaufschläge für zehnjährige italienische Bonds fielen auf 296 Basispunkte, nachdem sie am Freitag auf 375 gestiegen waren. Auch die Aufschläge für spanische Papiere fielen - und zwar auf 288 Basispunkte von 372 am Freitag.

Die Volumina seien aber nicht sehr hoch. „Allein die Ankündigung der EZB hat offenbar schon eine starke Wirkung auf die Märkte gehabt“, sagte Rainer Guntermann, Anleihenexperte von der Commerzbank. Die EZB werde wahrscheinlich auch künftig nur sporadisch an den Märkten aktiv werden.

Die Aktienmärkte in Italien und Spanien reagieren zunächst mit kräftigen Aufschlägen: in der Spitze stieg der MIB-Index in Mailand um 4,5 Prozent auf 16.740 Punkte, der Ibex in Madrid legte um vier Prozent auf 9.010 Zähler zu. Im Laufe des Vormittags sackten die Kurse jedoch ab.

Kommentare (48)

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08.08.2011, 08:07 Uhr

Die EZB wird solange Anleihen aufkaufen bis auch noch das letzte Schrottpapier beim Steuerzahler gelandet ist! Willkommen in der Weichwährung! Aber in der EZB sind die Deutschen in der Minderheit und haben nichts zu sagen. So kann man die Parlamente auch umgehen. Demokratie in der EU? Fehlanzeige! Verträge? Gelten nicht für die selbsternannte EU-Elite. Die Menschen, die gegen die EU Verträge gestimmt haben (Niederlande, Irland, etc.) wussten schon vorher was für ein Verbrecherverein das ist!

Karl

08.08.2011, 08:37 Uhr

Es wird ja nur das Geld der Steuerzahler verbraten....was solls ?
Die Ersparnisse sind eh schon alle "eingepreist" - sprich WEG !!!
Den dummen Schafen ist das nur noch nicht bewußt

Radler

08.08.2011, 09:06 Uhr

Wir erleben eine Zäsur in Zeitlupe-die Zeit der hemmungslosen Verschuldungsorgien ist definitiv vorbei! Ich stelle mir nur die Frage, wie die Demokratien heutigen Zuschnitts dies überstehen. M.E. gilt das alte Motto Roms Brot und Spiele auch heute noch: solange es genug zu futtern gibt, gesoffen und geraucht werden kann und in RTL und Co die Volksverdummung weiterläuft, solange gibts relative Ruhe. Aber wehe, die konsumtive Verschuldung funktioniert nicht mehr: dann gehts auch in ach so stabilen Demokratien ans Eingemachte. Lösung? Da gibts keine einfache Lösung; der erste Schritt wäre eine ehrliche Kommunikation der Politik, das Eingeständnis, dass der Euro in der jetzigen Form nicht zu halten ist. Eines sollte klar geworden sein: der Euro überlebt dauerhaft nur, wenn die politische Union auf dem Fuße folgt. Erforderlich ist eine Volksabstimmung, ob der Weg in einen europäischen Bundesstaat von den Völkern gewollt ist (ich denke, hierfür wird es keine Mehrheit in den Staaten geben) oder ob eine EU / EG im Sinne einer politisch vertieften Freihandelszone gewünscht ist. Die Laberei der Politik, dass bei Verlust des Euro der nächste Krieg vor der Tür steht halte ich schlicht für absurd. Und die Wirtschaft ist durchaus in der Lage, sich auf Wechselkursrisiken einzustellen und diese bei Bedarf abzusichern. Danach müssen sich die Politiker und genauso die Bürger der Tatsache stellen, dass Verschuldung für Konsum der Vergangenheit angehören muss und es auf Dauer keinen Wohlstand ohne Anstrengung und vor allem auf Pump geben kann! Die bestehende Verschuldung wird uns noch die nächsten Generationen beschweren (vielen Dank hierfür auch in Namen der heute noch nicht Geborenen).

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