Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.09.2012

15:45 Uhr

Renditen sinken

Krisenländer kommen nach ESM-Urteil billiger an Geld

Die Euro-Krisenländer Italien und Irland haben sich nach dem grünen Licht des Bundesverfassungsgerichts zum Rettungsschirm ESM so günstig Geld geliehen wie lange nicht mehr.

Die Börse in Mailand. dapd

Die Börse in Mailand.

Mailand Italiens Zinsen für dreijährige Staatsanleihen fielen bei einer Auktion auf den niedrigsten Stand seit knapp zwei Jahren. Irland wagte sich zum zweiten Mal in diesem Jahr an den Kapitalmarkt: Investoren begnügten sich mit einem halb so hohen Zins wie bei dem Comeback seit fast zwei Jahren im Juli. Ein Ratsmitglied der Europäische Zentralbank hält es für möglich, dass die EZB ihre umstrittenen Anleihenkäufe gar nicht fortsetzen muss.

Italien besorgte sich am Donnerstag insgesamt 6,5 Milliarden Euro von Investoren. Die Rendite für dreijährige Staatsanleihen fiel auf 2,75 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2010. Bei der vorherigen Auktion im Juli waren es noch 4,65 Prozent. Die Rendite für Bonds mit Laufzeit bis 2026 fiel von 5,9 auf 5,32 Prozent. "Es zeigt, wie viel Optimismus da ist", sagte Analyst Marc Ostwald von Monument Securities.

Welche Hilfsprogramme zur Verfügung stehen

Welche Aufgabe hat der Euro-Rettungsschirm EFSF?

Die Euro-Regierungen finanzieren über die Rettungsschirme - gegen Auflagen - Hilfsprogramme für Euro-Staaten, die sich aus eigener Kraft vorübergehend nicht ausreichend am Kapitalmarkt finanzieren können. Der vorläufige Rettungsschirm EFSF wurde 2010 in aller Eile gegründet, um Portugal und Irland zu helfen. Inzwischen werden auch die Reste des ersten Griechenland-Hilfspakets und das zweite Griechenland-Hilfspaket aus dem EFSF finanziert.

Welche Aufgabe hat der Euro-Rettungsschirm ESM?

Der dauerhafte Rettungsschirm ESM sollte bereits zum 1. Juli 2012 den EFSF ablösen. Der ESM wurde inzwischen in allen Euro-Staaten ratifiziert außer in Deutschland: Vor Unterzeichnung des Gesetzes entscheidet am Mittwoch das Bundesverfassungsgericht.

Über welche Instrumente verfügen die Rettungsschirme?

Vollprogramme: Griechenland, Portugal und Irland finanzieren sich für drei Jahre aus Krediten der Rettungsschirme, auf die sie Zinsen zahlen. Die Kredite werden von den Euro-Staaten entsprechend ihres Anteils am Grundkapital der Europäischen Zentralbank garantiert. Die Empfänger-Staaten haben sich verpflichtet, ihre Haushalte zu sanieren und Strukturreformen umzusetzen. Die Einhaltung überprüft regelmäßig die Troika aus Vertreten der EU-Kommission, des IWF und der EZB.

Welche weiteren Instrumente gibt es?

Hilfsprogramme light: Unterhalb der kompletten Staatsfinanzierung können die Rettungsschirme auch solchen Staaten helfen, denen es nicht gar so schlecht geht wie Griechenland, Irland und Portugal - also etwa Spanien und Italien. Sie springen dann etwa mit Anleihekäufen am Primär- und Sekundärmarkt ein, mit vorbeugenden Kreditlinien und mit Bankenrettungshilfen. Dafür reicht es, die Haushaltsvorgaben der EU einzuhalten, was die EU-Kommission prüft. Spanien bekommt so bereits ein Bankenrettungsprogramm.

Wie viel Geld steht bereit?

Der EFSF kann verbürgte Kredite über 440 Milliarden Euro vergeben. Deutschland garantiert davon bis zu 211 Milliarden Euro. Noch nicht belegt sind beim EFSF 148 Milliarden Euro. Der ESM kann bis zu 500 Milliarden Euro an Krediten vergeben. Deutschland stellt 168 Milliarden Euro Garantien bereit und zahlt 22 Milliarden Euro in die Bareinlage ein. In einer Übergangsphase bis Ende 2014 laufen EFSF und ESM parallel. In dieser Phase beträgt das maximale deutsche Garantievolumen 310 Milliarden Euro.

Wer entscheidet über neue Hilfsprogramme des ESM?

Die Euro-Gruppe der Finanzminister; Deutschland und Frankreich als größte Anteilseigner haben jeweils ein Vetorecht. Der Bundesfinanzminister muss sich jede Entscheidung vom Bundestag absegnen lassen. In der Regel entscheidet das Plenum, über die Auszahlung unproblematischer Tranchen etwa an Irland der Haushaltsausschuss. Bei Entscheidungen über Anleihekäufe am Sekundärmarkt soll ein Untergremium des Haushaltsausschusses beraten. Dieses tagt geheim, um die Märkte überraschen zu können.

Wieso will die EZB ein Anleihekaufprogramm starten?

Um am Sekundärmarkt die zeitweise massive Spekulation gegen Spanien und Italien durch Anleihekäufe einzudämmen, ist der ESM in seinen Entscheidungswegen zu schwerfällig. Seine Mittel sind begrenzt. Die EZB kann dagegen unbegrenzt Anleihen am Sekundärmarkt kaufen und so Spekulanten abschrecken. Doch will die EZB das Programm nur starten, wenn sich das begünstigte Land einem ESM-Programm unterwirft. Dem müsste der Bundestag vorher zustimmen.

Experten führen das darauf zurück, dass die Euro-Zone nun zwei neue Waffen gegen Spekulanten hat: die vorige Woche angekündigten unbegrenzten Anleihekäufe der EZB und den dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM, dem nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur deutschen Beteiligung praktisch nichts mehr im Weg steht. Er soll mit bis zu 500 Milliarden Euro klamme Euro-Länder stützen können. Deutschland haftet mit bis zu 190 Milliarden Euro aus Steuergeldern für die ESM-Hilfen.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

meine_Sicht

13.09.2012, 16:08 Uhr

Diese Reaktion an den Anleihenmärkten zeigt deutlich, dass NIEMAND daran glaubt, dass der ESM bei seinem jetzigen Volumen bleibt. Ansonsten würde man ja nicht von unbegrenzter Feuerkraft sprechen.

Ich bin gerade dabei, alles, was ich in D besitze, aufzulösen bzw. zu verkaufen, soweit wie möglich. Sollen doch diejenigen dafür bluten, die das wollten. Man kann sich ja nur noch in Sicherheit bringen. Die Wahlen sind zu weit weg, bei dem jetzigen Verschuldungstempo wird bis dahin doch alles kaputt sein.

Account gelöscht!

13.09.2012, 16:20 Uhr

190 Mrd für Banken und Pleiteländer die ihre Verschuldung durch Zocken und betrügen selbst verschuldet haben und 8.-€ für Hartz iv Bezieher monatlich mehr. Da erkennt man leicht welchen Stellenwert der deutsche Bürger im eigenen Land noch hat.
Wer jetzt noch seine Spareinlagen auf der Bank hat dem ist nicht mehr zu helfen.

Account gelöscht!

13.09.2012, 16:25 Uhr

Da haben Sie Recht!!! leider... auf Wahlen brauchen Sie nicht mehr warten. Wenn ich mir ansehe was da im TV und Co. verzapft wird, würde es mich nicht wundern wenn sogar die Wahlen manipuliert werden. CDU im Umfragehoch...SPD weiter dabei....sorry aber das ist wie bei Honecker!!!

Und selbst wenn es nicht manipuliert ist, was bringt es in D zu wählen, wenn der Bürger danach keine Recht mehr hat und machen muss was die Obrigen sagen. Das hier ist PArteiendiktatur mit einem Demokratieanstrich, mehr nicht mehr.

Merkel und die ganze Bande gehören längst hinter Gitter.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×