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19.06.2012

17:17 Uhr

Renten- und Devisenmarkt

Anleger hoffen auf die Zentralbanken

Die Hoffnung der Anleger ruht auf den Zentralbanken. So konnten sich der Euro und spanische Renditen stabilisieren. Für neue Anleihen musste Spanien so tief in die Tasche greifen wie seit einigen Monaten nicht mehr.

Ein Demonstrant mit einem Rettungsreifen vor dem Hauptsitz der spanischen Bankia in Madrid. dapd

Ein Demonstrant mit einem Rettungsreifen vor dem Hauptsitz der spanischen Bankia in Madrid.

FrankfurtAnleger am Renten- und Devisenmarkt haben am Dienstag auf neue Unterstützung der Zentralbanken in der Schuldenkrise gesetzt. Getragen von der Hoffnung auf EZB & Co. stabilisierten sich der Euro und die Renditen auf spanische Staatsanleihen. Bei den Bundesanleihen nahmen Anleger Gewinne mit und drückten so die Kurse.

Die Nervosität blieb sehr hoch: In Griechenland scheint sich die Regierungsbildung bis zum Wochenende hinzuziehen. In Deutschland brach der ZEW-Index im Juni so stark ein wie zuletzt im Oktober 1998, und Spanien muss für neue zwölf- und achtzehnmonatige Anleihen den Investoren mehr als fünf Prozent an Zinsen zahlen. So tief musste Madrid seit November 2011 nicht mehr in die Tasche greifen. Das war kurz bevor sich die EZB genötigt sah, die Wirtschaft mit zwei - insgesamt eine Billion Euro schweren - Geldspritzen zu stützen.

Ausstehende Anleihen

Frankreich

Geldmarktpapiere (Bills): 185,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 1193 Mrd. Euro

Italien

Geldmarktpapiere (Bills): 161,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 1299 Mrd. Euro

Spanien

Geldmarktpapiere (Bills): 74,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 524 Mrd. Euro

Deutschland

Geldmarktpapiere (Bills): 52,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 1007 Mrd. Euro

Belgien

Geldmarktpapiere (Bills): 35,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 288 Mrd. Euro

Niederlande

Geldmarktpapiere (Bills): 27,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 287 Mrd. Euro

Griechenland

Geldmarktpapiere (Bills): 13,9 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 116 Mrd. Euro

Griechenland bekommt Hilfsgelder und wäre deshalb von gemeinsamen Emissionen ausgenommen.

Portugal

Geldmarktpapiere (Bills): 12,7 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 104 Mrd. Euro

Portugal bekommt Hilfsgelder und wäre deshalb von gemeinsamen Emissionen ausgenommen.

Finnland

Geldmarktpapiere (Bills): 3,2 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 65 Mrd. Euro

Slowakei

Geldmarktpapiere (Bills): 2,6 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 23 Mrd. Euro

Österreich

Geldmarktpapiere (Bills): 1,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 178 Mrd. Euro

Irland

Geldmarktpapiere (Bills): 0,0 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 83 Mrd. Euro

Irland bekommt Hilfsgelder und wäre deshalb von gemeinsamen Emissionen ausgenommen.

Gesamt

Geldmarktpapiere (Bills): 569,1 Mrd. Euro

Anleihen (Bonds): 5179 Mrd. Euro

Die Rendite auf zehnjährige spanische Anleihen lag am Nachmittag knapp über sieben Prozent, im späten Vortagesgeschäft war sie noch bis auf 7,3 Prozent gestiegen.

Bei den zehnjährigen Bundesanleihen sorgte der Verkaufsdruck für einen Anstieg der Rendite auf 1,47 (spätes Vortagesgeschäft: 1,41) Prozent. Der Euro gewann 0,4 Prozent und notierte um 1,2625 Dollar.

Konjunkturdaten aus Deutschland erschreckten Anleger ordentlich: Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erfasste Konjunkturindex fiel auf minus 16,9 Punkte von plus 10,8 Zählern im Mai. "Die Deutschen können jetzt nicht mehr behaupten, dass sie immun seien gegen die europäische Schuldenkrise", sagte Francois Savary, der für die Schweizerische Bank Reyl die Investments verantwortet. "Alles deutet in Richtung einer neuen Liquiditätsspritze. Ich gehe davon aus, dass Europa einen neuen Langfristtender braucht und dass die EZB im Juli die Zinsen senken wird."

Rekordrenditen: Spanien nähert sich dem Abgrund

Rekordrenditen

Spanien nähert sich dem Abgrund

Die Renditen für spanische Anleihen steigen und steigen. Bei einer Auktion kurzlaufender Anleihen müssen die Südeuropäer tief in die Tasche greifen. Die Zeit für eine Lösung der Eurokrise läuft ab, sagen Experten.

Notenbankchef Mario Draghi hatte im Mai gesagt, dass nicht die EZB, sondern die Politik zur Bewältigung der Krise in der Verantwortung stehe. Er sprach allerdings auch von hohen Abwärtsrisiken für die hiesige Wirtschaft und praktisch nicht vorhandenen Inflationsrisiken. Analysten werteten das als Hinweis auf eine möglicherweise bevorstehende Zinssenkung.

Auch der Blick über den Atlantik ging in Richtung Notenbank. Die Federal Reserve beginnt am Abend ihre Zinssitzung und wird am Mittwoch ihre Entscheidung bekanntgeben. Angesichts der weiter lahmenden US-Konjunktur gehen Strategen davon aus, dass die Fed ihre "Operation Twist" verlängern wird. Dabei tauscht die Notenbank kurzlaufende Anleihen gegen längerlaufende, um so die langfristigen Zinsen niedrig zu halten und dadurch die Wirtschaft zu stützen.

Von

rtr

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