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01.01.2010

08:00 Uhr

Rentenmarkt

Bonds überraschen mit Rekorderträgen

VonAndrea Cünnen

Das Tauwetter nach der Eiszeit an den Finanzmärkten setzte bei Anleihen bonitätsstarker Unternehmen und Schwellenländern schon Mitte Oktober 2008 ein. Da war die US-Bank Lehman Brothers gerade erst einen Monat pleite, und den Aktienmärkten standen die schlimmsten Abstürze erst noch bevor.

Vier bis fünf Jahre laufende Anleihen von großen Konzernen wie BMW und Daimler rentierten im März 2009 mit rund sechs Prozent. Quelle: dpa

Vier bis fünf Jahre laufende Anleihen von großen Konzernen wie BMW und Daimler rentierten im März 2009 mit rund sechs Prozent.

FRANKFURT. Der Sinkflug der Dividendentitel Anfang des Jahres ließ zwar auch noch mal kurz die Kurse vieler riskanter Anleihen absacken und ihre Renditen im Gegenzug steigen. Die Kurstiefs und Renditehochs hatten die meisten Bonds aber schon Monate vorher erreicht.

Der Grund: Geld hatten die Investoren dank der niedrigen Leitzinsen und der ersten Liquiditätsspritzen der Notenbanken in Europa und den USA schon im schwarzen Herbst 2008 reichlich und im Jahr 2009 wurde es dank der konzertierten Rettungsprogramme immer mehr. Dieses Geld musste irgendwo angelegt werden. Und dazu boten sich Firmen- und Schwellenländer-Bonds an wie nie: Sie lockten mit historisch hohen Renditen und waren damit attraktiver als sichere Staatspapiere aus Deutschland oder den USA. Denn die wollte schon lange jeder haben, und deshalb warfen sie nur noch wenig ab.

Hohe Risikoprämien locken

So fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe Anfang März auf ein historisches Tief von knapp unter 2,9 Prozent. Zum Vergleich: Vier bis fünf Jahre laufende Anleihen von großen Konzernen wie BMW und Daimler rentierten zu diesem Zeitpunkt mit rund sechs Prozent. Bei dreijährigen Zinspapieren von bonitätsschwächeren Schuldnern wie Tui oder Heidelberg Cement, die nur sogenannte Junk-Bonds (Schrottanleihen) begeben können, lagen die Renditen sogar bei gut 20 Prozent.

Außerdem wurde der Run auf die Anleihen von Unternehmen und Schwellenländern dadurch gespeist, dass sie weithin als die sicherere Alternative im Vergleich zu Aktien angesehen wurden.

Das galt auch noch, als die Aktienmärkte schon längst auf Erholungskurs gegangen waren. Irgendwie misstrauten viele Investoren trotz der rasanten Rally den Dividendentiteln noch und suchten andere Anlagemöglichkeiten. Ein Zeichen dafür: Insgesamt haben europäische Anleger nach Daten des Analysehauses Lipper in diesem Jahr fast 52 Mrd. Euro netto in Fonds angelegt, die schwerpunktmäßig in europäische Unternehmensanleihen mit guter Bonität investieren. Das ist so viel wie in den gesamten sechs Jahren zuvor.

Kommentare (1)

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Heerke Hummel

01.01.2010, 19:11 Uhr

Was hatten also die staatlichen Finanzspritzen zur Rettung von banken in aller Welt bewirkt? Sie förderten (finanzierten) von neuem die weltweite Finanzspekulation als Krisenursache, anstatt sie zu bekämpfen. Hätte man die Spekulanten die Zeche durch inkaufnahme von bankenkrachs zahlen lassen und das viele eingesetzte staatliche Geld verwendet, um die Kaufkraft der Arbeitslosen und Geringverdiener zu erhöhen, so wäre der Krise in der Realwirtschaft wirksamer begegnet worden.

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