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19.12.2011

17:19 Uhr

Rentenmarkt

Italienische und spanische Renditen fallen

Liquidität der EZB hat für Entspannung am Rentenmarkt gesorgt, die Nachfrage nach italienischen und spanischen Anleihen stieg. Dagegen wächst der Druck auf belgische Bonds. Moody's hatte die Bonität des Landes gesenkt.

Die EZB stellt zusätzliche Liquidität zu Verfügung und sorgt so für Entspannung an den Rentenmärkten. dapd

Die EZB stellt zusätzliche Liquidität zu Verfügung und sorgt so für Entspannung an den Rentenmärkten.

FrankfurtDie Bereitstellung zusätzlicher Liquidität durch die Europäische Zentralbank (EZB) hat Börsianern zufolge am Montag die Nachfrage nach italienischen und spanischen Anleihen verstärkt. Offenbar kauften Kreditinstitute die Papiere auf, um diese beim bevorstehenden Drei-Jahres-Tender als Sicherheit bei der EZB zu hinterlegen, sagte ING-Zinsstratege Alessandro Giansanti. Ein anderer Börsianer betonte, dies dränge die Drohung der Rating-Agentur Fitch, die Kreditwürdigkeit Frankreichs und anderer Euro-Staaten schlechter zu benoten, in den Hintergrund.

Stimmen zur Schuldenkrise

Barack Obama, US-Präsident

„So lange Europa keinen konkreten Plan für den Kampf gegen die Krise hat, halten die Turbulenzen an den Finanzmärkten an.“

Mohamed El-Erian, Chef von Pimco

„Das, was wir in Griechenland im Schnelldurchlauf erleben, könnte eines Tages auch die USA erfassen, wenn sich die dortige Politik nicht ändert“

George Soros, Investor

„Die derzeitigen Maßnahmen sind nicht ausreichend, kommen zu spät und lösen weltweit Verwerfungen auf den Finanzmärkten aus“

Charles Plosser, Fed-Gouverneur

„Möglicherweise besitzen wir nicht die richtigen geldpolitischen Instrumente, um die Erkrankungen zu heilen, an denen das System leidet.“

Jose Manuel Barroso, EU-Kommissionspräsident

„Wir sind jetzt wirklich mit einer wahrhaft systemischen Krise konfrontiert“

Nicolas Sarkozy, französischer Staatspräsident

"Diejenigen, die den Euro zerstören, werden die Verantwortung dafür tragen, dass Konflikt und Trennung auf unserem Kontinent wieder auferstehen."

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

„Europa ist heute in einer der schwersten Stunde, vielleicht der schwersten Stunde seit dem Zweiten Weltkrieg.“

Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts

„Es wird für die Politiker immer schwerer, einen Kurswechsel durchzusetzen. Sie werfen immer mehr gutes Geld dem schlechten hinterher und überlassen das Problem der jeweils nachfolgenden Politikergeneration. […] Es kommen noch große Lasten auf Deutschland zu.“

Dirk Müller, Börsenhändler und Buchautor

"Wir haben nichts aus dem ersten Teil der Finanzkrise gelernt, es geht so weiter wie vorher."

Max Otte, Investor und Ökonom

„Die Schuldenberge, die wir aufgetürmt haben, lassen sich nur durch Inflation beseitigen. Alles andere wäre fatal. Wenn dagegen so etwas passiert wie 1929, also eine Phase extremer Deflation bis hin zur Depression, dann gute Nacht.“

Bert Flossbach, Vermögensverwalter

„Die Banken haben das Vertrauen, auf das sie mehr als jede andere Branche angewiesen sind, verspielt. Kein Wunder, dass der Kapitalmarkt kaum noch bereit ist, ihnen Geld zu leihen. Aufgeblähte Bilanzen, zu wenig Eigenkapital, falsche Anreizsysteme, komplexe Geschäfte und zunehmende Risiken machen Großbanken zu unkalkulierbaren Risiken für ihre Aktionäre, den Staat und damit die ganze Gesellschaft.“

Jürgen Heraeus, Unternehmer

„Ich bin besorgt, aber ich bin vor allem realistisch. Wir werden eine Abwertung bekommen, wir werden vielleicht sogar eine Inflation bekommen. Ich möchte das Wort Währungsreform nicht in den Mund nehmen, aber irgendwo müssen diese riesigen Schulden bleiben.“

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt Barclays Capital Deutschland

„Die westlichen Länder stecken in der Wirtschafts- und Finanzkrise, einer Verschuldungskrise. Wie immer bei hoher Verschuldung ist die Gefahr groß, dass die Politik des Gelddruckens als das kleinste Übel angesehen wird. Ich lebe in ständiger Inflationssorge.“

Hans Olaf Henkel, Ex-BDI-Präsident

„Es gibt eine Alternative zur ‚alternativlosen’ Euro-Politik: den gemeinsamen Austritt Deutschlands, Hollands, Österreichs und Finnlands aus der Euro-Zone.“

Die Renditen der zehnjährigen italienischen und spanischen Titel gingen auf 6,815 beziehungsweise 5,201 Prozent zurück. Damit verringerten sich auch die Risikoaufschläge (Spreads) zu den entsprechenden Bundesanleihen.

Renten-Experte Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets warnte aber vor überzogenen Erwartungen. „Es droht eine Menge Gegenwind Anfang nächsten Jahres: Drohende Herabstufungen, jede Menge Emissionen und sicherlich keine Lösung für Europa. Daher ist dies sicher nur ein kurzfristiges Phänomen.“

Die EZB hatte Anfang des Monats zahlreiche Maßnahmen angekündigt, um die Verspannungen am Geldmarkt zu lösen. Dazu gehören ultra-lang laufende Refinanzierungsgeschäfte, weil sich die Banken wegen der Schuldenkrise untereinander kaum noch Geld leihen. Daneben senkte sie den Leitzins und die Mindestreservequote, also den Anteil der Einlagen, die eine Bank bei der EZB als Sicherheit hinterlegen muss.

Kommentare (1)

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19.12.2011, 16:35 Uhr

Als Ergänzung: Hier wird erklärt, warum das so ist:
http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/12/33830/

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