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29.05.2012

09:20 Uhr

Rettung der Regionen

Spanien-Rendite könnte sieben Prozent knacken

Etliche Regionen Spaniens sind finanziell in solcher Not, dass sie dringend Hilfe der Zentralregierung brauchen. Doch deren Möglichkeiten sind begrenzt, weil ihre Finanzierungskosten weiter steigen.

Bankenkrise in Spanien

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MadridSpaniens Plan, den klammen Regionen im Land unter die Arme zu greifen, könnte den Schuldenberg der Zentralregierung weiter ansteigen lassen - und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der die Finanzierungskosten ohnehin schon auf ein Niveau zusteuern, bei dem andere Länder auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen waren.

Die Zentralregierung steht unter Druck, den 17 Regionen dabei zu helfen, wieder Zugang zu den Kapitalmärkten zu finden. Am schlechtesten steht dabei Katalonien da, die größte und am stärksten verschuldete Region. Anleihen mit Laufzeit bis zum Jahr 2013 rentierten am Montag bei etwa 8,3 Prozent. Zum Vergleich: bei ähnlichen Papieren der Zentralregierung waren es lediglich 3,6 Prozent.

Spanien erwägt nun Rettungsmöglichkeiten für die Regionen, während sich die Renditen zehnjähriger Anleihen der Zentralregierung in Richtung sieben Prozent bewegen. Als Portugal, Irland und Griechenland dieses Niveau erreichten, beantragten sie Hilfsgelder von der Europäischen Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF).

Zusammen genommen sind die spanischen Regionen mit etwa 140 Milliarden Euro verschuldet. Parallel machen sich viele Investoren auch Sorgen zur Lage im Bankensektor. Erst am Freitag hatte Bankia SA angekündigt, für ihre Restrukturierung 19 Milliarden Euro an staatlichen Geldern zu benötigen.

„Am wirtschaftlichsten ist es wahrscheinlich, Gelder von der Zentralregierung an die Regionen zu vergeben“, sagte Anleihen-Stratege Harvinder Sian von der Royal Bank of Scotland Group Plc. (RBS) in London. „Das Problem besteht darin, gerade jetzt eine Extra-Emission anzugehen, wo der Markt so fragil ist; das könnte der Wendepunkt sein, von dem aus es in Richtung sieben Prozent geht.“

Am Montag hatten zehnjährige spanische Anleihen bei 6,47 Prozent rentiert. Der Abstand gegenüber deutschen Papieren mit derselben Laufzeit vergrößerte sich damit auf 509 Basispunkte - für die Zeit seit Einführung des Euro ein neues Allzeithoch.

Fest steht: Cristobal Montoro, der für den spanischen Haushalt zuständige Minister, und Wirtschaftsminister Luis de Guindos haben zugesichert, den Regionen bei der Finanzierung helfen zu wollen. Wie sie dies tun wollen, ließen sie jedoch offen. Selbst zwei Monate nach Ankündigung der Hilfe arbeiten sie noch immer an Details. Die Zeit drängt. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums müssen die Regionen bereits in der zweiten Hälfe des laufenden Jahres Anleihen im Volumen von rund 15 Mrd. Euro ablösen.

Zumindest auf kurze Sicht gibt es bereits Konkretes. Am 16. Mai wurde ein erster Rettungsplan abgeschlossen, der den Regionen und Kommunen helfen soll, unbezahlte Rechnungen zu begleichen. Laut Wirtschaftsministerium wurde ein 30 Mrd. Euro schwerer syndizierter Kredit organisiert, der von Banken gewährt und vom Finanzministerium der Zentralregierung garantiert wird. Doch wie sieht die langfristige Lösung aus?

„Das Risiko besteht darin, dass etwas angekündigt wird, bei dem keine Kontrolle der Regionen erfolgt”, sagte Ricardo Santos, Volkswirt für Europa bei BNP Paribas SA in London. Die Tatsache, dass die Regionen über ihren Verhältnissen leben, hatte dazu geführt, dass Spanien für 2011 ein Defizit von 8,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verkünden musste.

Regierungschef Mariano Rajoy hatte bereits davor gewarnt, dass möglicherweise auch die Zentralregierung den Zugang zu den Märkten verlieren wird. Im Januar 2009 büßte das Land seine Top- Bonitätsnote von „AAA” ein, jetzt wird es von Standard & Poor's mit „BBB+“ bewertet.

„Wenn man den Emissions-Bedarf der Regionen in die Finanzierung der Zentralregierung verpackt, könnte man die Märkte verschrecken“, warnte Sian, der Experte von der RBS. „Wenn man es hingegen gesondert und dafür mit einer Art von zugrundeliegender Garantie angeht, dann kann man sich am Markt vielleicht nicht zu angemessenen Zinsen finanzieren. Die Situation ist ziemlich verfahren.“

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