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10.10.2013

16:26 Uhr

Risiken eines Ausverkaufs

Pleiteangst erfasst US-Geldmarkt

Der Haushaltspoker in den USA hat die Finanzmärkte lange kalt gelassen. Doch nun beginnen Investoren, US-Staatspapiere abzustoßen. Ein Ausverkauf hätte fatale Folgen.

Das Weiße Haus in Washington: „Märkte für weitere Wochen in Schwebezustand versetzt.“ dpa

Das Weiße Haus in Washington: „Märkte für weitere Wochen in Schwebezustand versetzt.“

Frankfurt/WashingtonDer Poker im US-Haushaltsstreit hat die Finanzmärkte endgültig erreicht. Vor allem im Geschäft mit sehr kurzlaufenden US-Staatstiteln - sogenannten Geldmarktpapieren - stehen die Zeichen auf Stress. Trotz erster Hoffnungszeichen zumindest auf eine Zwischenlösung steigt dort die Nervosität. Analysten warnten am Donnerstag vor einem Ausverkauf - ein Großinvestor hat sich einem Bericht zufolge bereits von allen Geldmarkttiteln getrennt. In Hongkong erhöhte der Börsenbetreiber die Sicherheitsabschläge für amerikanische Staatspapiere.

Lange schauten sich die Finanzmärkte die Budgetkrise der weltgrößten Volkswirtschaft relativ gelassen an. Doch langsam geht das Zittern los: US-Staatsanleihen geraten zunehmend unter Druck. Besonders skeptisch sehen Investoren ultrakurzlaufende Papiere, deren Fälligkeit im kritischen Zeitfenster eines möglichen Zahlungsausfalls liegt. Die Renditen für Geldmarkttitel, die am 24. Oktober auslaufen, stiegen von null Prozent am 17. September auf zuletzt 0,41 Prozent - eine für diesen Markt sehr heftige Bewegung.

Chronologie US-Haushaltsstreit

9. November 2012

In der ersten öffentlichen Rede seit seiner Wiederwahl beharrt US-Präsident Barack Obama auf Steuererhöhungen für Reiche, um das Haushaltsdefizit abzubauen. Kurz zuvor hatte das unabhängige Haushaltsbüro des Kongresses (CBO) vor einer drohenden Rezession gewarnt.

16. November 2012

Demokraten und Republikaner beginnen im Weißen Haus mit den entscheidenden Etatverhandlungen.

3. Dezember 2012

Die Republikaner legen einen Plan zum Defizitabbau vor. Dieser sieht neben massiven Ausgabenkürzungen zwar auch einen Zuwachs an Steuereinnahmen vor - aber keine Erhöhung der Steuersätze für die Reichen, wie es Obama will.

 

19. Dezember 2012

Die Republikaner weisen einen neuen Vorschlag Obamas zurück: Dieser sah höhere Steuern nur noch für Bürger mit einem Einkommen von mehr als 400 000 Dollar (knapp 300 000 Euro) im Jahr vor. Zuvor hatte Obama die Grenze schon bei 250 000 Dollar gezogen.

1. Januar 2013

Der Etatstreit ist vorerst beendet. Das Repräsentantenhaus stimmt einer Kompromissvorlage des Senats zu. Damit werden massive Steuererhöhungen für Millionen Amerikaner zum Jahresanfang in letzter Minute abgewendet. Eine Einigung über die drohenden massiven Ausgabenkürzungen muss noch gefunden werden.

23. Februar 2013

Obama warnt, dass am 1. März erneut radikale Kürzungen drohen und ruft den Kongress zum Handeln auf. Dieser hatte die automatischen Einsparungen 2011 selbst beschlossen.

1. März 2013

Nach dem Scheitern der Verhandlungen im Budgetstreit setzt Obama Etatkürzungen mit schweren Folgen für die Wirtschaft in Gang. Allein bis Oktober drohen Einsparungen von 85 Milliarden Dollar.

21. März 2013

Der Kongress verabschiedet ein Übergangsbudget, das die Regierungsgeschäfte bis Ende September sichert. Von einem neuerlichen Drama um die Staatsfinanzen bleiben die USA zunächst verschont.

27. August 2013

Obama und die Republikaner steuern auf eine neue Machtprobe zu. Finanzminister Jacob Lew gibt bekannt, dass Mitte Oktober die Schuldengrenze von 16,7 Billionen Dollar erreicht wird. Er fordert den Kongress auf, das Limit umgehend anzuheben.

22. September 2013

Die Republikaner verabschieden im Repräsentantenhaus einen Haushaltsentwurf, der die Regierung weitere zweieinhalb Monate finanzieren soll. Doch sie knüpfen die Vorlage an Budgetkürzungen für die Gesundheitsreform - Obamas wichtigstes Reformprojekt. Sie soll am 1. Oktober in Kraft treten. Obama ist empört.

 

1. Oktober 2013

US-Präsident Barack Obama verweigert den Republikanern den Deal, sein Obamacare auszusetzen und dafür einen Übergangsetat genehmigt zu bekommen. So tritt der Kernpunkt der Gesundheitsreform in Kraft. Dafür kommt es zu einem Stillstand der öffentlichen Verwaltung: Hunderttausende Bundesangestellte vom Nationalpark-Ranger bis zum Steuerfahnder werden nun mit dem Beginn des neuen Haushaltsjahres am 1. Oktober in den unbezahlten Zwangsurlaub geschickt. Viele Behörden, darunter auch die Börsenaufsicht, schalten auf Minimalbetrieb.

16. Oktober 2013

Nur kurz vor dem Überschreiten der Schuldengrenze hat sich der US-Kongress auf einen Deal geeinigt, der größtenteils den Forderungen der Demokraten entsprach. Die Schuldengrenze wurde bis zum 7. Februar angehoben und die Behörden bis zum 15. Januar geöffnet. Bis Mitte Dezember muss eine überparteiliche Kommission Vorschläge zur Schuldenreduktion erarbeiten.

Im Haushaltsstreit läuft den USA die Zeit davon: Wenn sich Demokraten und Republikaner nicht zügig auf eine Anhebung der Schuldengrenze einigen, droht der Supermacht schon bald das Geld auszugehen. Zumindest die Chancen auf eine kurzfristige Notlösung sind zuletzt gestiegen.

Eine Einigung auf eine Übergangslösung wäre aber nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Experte Jim Reid kein großer Wurf. „Dadurch würden die Märkte für weitere Wochen in den Schwebezustand versetzt.“ Die Verunsicherung könnte also anhalten, selbst wenn doch noch ein Kompromiss in letzter Minute gelingt.

Kommentare (1)

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10.10.2013, 18:47 Uhr

Flash-Trading: Jetzt auch bei US-Staatsanleihen,

eine gefährliche “Reise nach Jerusalem“, die sich seit längerer Zeit im US-Aktienmarkt festgesetzt hat.

Und dieses Spiel hatauch den Anleihemarkt erreicht.
Flash Trading!!

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