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05.11.2012

10:12 Uhr

Riskante Spekulation

Apple-Deal stürzt Broker in den Ruin

Der Händler eines US-Brokers hat sich verzockt - ausgerechnet mit Aktien von Apple. Ohne Genehmigung setzte er auf steigende Kurse des Technikgiganten. Der Broker ringt jetzt mit der Pleite.

Händler in Not: Nicht immer gehen Spekulationen auf. ap

Händler in Not: Nicht immer gehen Spekulationen auf.

New YorkDer US-Broker Rochdale Securities ist bereits seit 37 Jahren am Markt. In den USA hatte das Unternehmen bislang einen guten Ruf, neben anderen ist der prominente Bankenanalysten Dick Bove bei Rochdale beschäftigt. Jetzt bemüht sich das Unternehmen laut Bloomberg verzweifelt um eine Kapitalspritze - sonst droht die Insolvenz.

Laut informierten Kreisen soll der Fehler eines Händlers das Unternehmen in Schieflage gebracht haben. Den Angaben zufolge hat Rochdale gegenüber Mitarbeitern und potenziellen Investoren erklärt, dass ein Händler im vergangenen Monat einen nicht genehmigten Kauf von Apple-Aktien getätigt hat. Die Spekulation ging nicht auf, Apple hatte vor kurzem einen Gewinn prognostiziert, der unter den Erwartungen von Analysten blieb. Die Titel fielen im Wert, wodurch das Kapital der Firma aufgezehrt wurde.

Die spektakulärsten Betrugsfälle der Finanzbranche

Oktober 2010: Jerome Kerviel

Ex-SocGen-Händler Jerome Kerviel wird zu fünf Jahren Haft verurteilt, zwei davon auf Bewährung. Ein Gericht befindet ihn der Veruntreuung, des Computermissbrauchs und der Fälschung schuldig. Kerviel hatte ohne Legitimation Positionen im Volumen von 50 Milliarden Euro aufgebaut - mehr als der Börsenwert der Bank. Es kostete 4,9 Milliarden Euro, um diese wieder aufzulösen. Den Verlust soll Kerviel seinem Arbeitgeber zurückzahlen.

April 2010: Evan Dooley

Der Händler Evan Dooley von MF Global wird wegen Betrugs angeklagt, nachdem er 141 Millionen Dollar mit Weizen-Futures verzockt hatte. Der Vorfall wurde im Dezember 2009 bekannt, als die US-Aufsichtsbehörden dem Brokerhaus eine Strafe von zehn Millionen Dollar wegen unzureichender Risikokontrollen aufbrummten.

Juni 2009: Steve Perkins

Der Händler Steve Perkins vom Londoner Brokerhaus PVM Oil Futures häuft nach einer Reihe unautorisierter Geschäfte einen Verlust von fast zehn Millionen Dollar an. Seine Spekulationen sollen den Ölpreis weltweit nach oben getrieben haben.

Februar 2009: Alexis Stenfors

Der in London ansässige Merrill-Lynch-Devisenhändler Alexis Stenfors erhält ein mindestens fünfjähriges Berufsverbot. Er soll seine Handelspositionen wissentlich falsch bewertet haben, um Verluste zu verschleiern. Der Bank brockte er Abschreibungen in Höhe von 456 Millionen Dollar ein.

Juli 2006: Bullen und Ficarra

David Bullen und Vince Ficarra, zwei ehemalige Händler der National Australia Bank , werden nach einem Betrugsskandal zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hatten sie mit Falschbuchungen ihre Boni retten und Verluste verschleiern wollen. Die Bank kostete das 187 Millionen Dollar.

März,April 2006: Brian Hunter

Der Hedgefonds Amaranth Advisors LLC fährt nach fehlgeschlagenen Wetten auf Erdgaspreise unter dem Händler Brian Hunter einen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar ein. Der Hedgefonds bricht wenig später zusammen.

Februar 2002: John Rusnak

Die Allied Irish Bank wirft dem Devisenhändler John Rusnak vor, bei der US-Tochtergesellschaft Allfirst einen Verlust von 691 Millionen Dollar verursacht zu haben. Er selbst strich zwischen 1997 und 2001 rund 850.000 Dollar an Gehalt und Boni ein. Rusnak wird zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Juni 1996: Yasuo Hamanaka

Das japanische Handelshaus Sumitomo Corp erleidet einen Verlust von 2,6 Milliarden Dollar, der auf jahrelange nicht autorisierte Kupfer-Spekulationen zurückgeht. Dafür verantwortlich gemacht wird der Händler Yasuo Hamanaka, der gefeuert und später zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Sein Spitzname war „Mr. Fünf Prozent“ - sein Team soll zu den Boomzeiten fünf Prozent des weltweiten Kupferhandels kontrolliert haben.

September 1995: Toshihide Iguchi

Die japanische Daiwa-Bank verliert 1,1 Milliarden Dollar nach unautorisierten Geschäften des Anleihehändlers Toshihide Iguchi, der zum Management in den USA gehört. Er wandert 1996 ins Gefängnis.

Februar 1995: Nick Leeson

Barings, eine der ältesten Investmentbanken in Großbritannien, bricht zusammen. Auslöser ist ein Verlust von 1,4 Milliarden Dollar im Derivatehandel durch den Händler Nick Leeson in Singapur. Leeson muss ins Gefängnis. Barings wird wenig später an die niederländische ING für ein Pfund verkauft.

Rochdale ist ein privat geführtes Unternehmen, wird also nicht an der Börse gehandelt. Rochdale-Chef Daniel J. Crowley war zunächst nicht zu erreichen.

Trotz angeblich strikter Vorgaben kommt es immer wieder zu enormen Verlusten in den Handelsabteilungen. In London steht derzeit etwa Kweku Adoboli vor Gericht. Der Ex-Händler der UBS ist wegen eines 2,3 Milliarden Dollar schweren Handelsverlustes nach ungenehmigten Geschäften angeklagt. Die UBS gilt als Nummer eins unter den Schweizer Banken.

Kommentare (14)

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picasso

05.11.2012, 10:29 Uhr

Gier frisst Hirn, dass er hier hinter seinen Händen versteckt! Könnten wir das noch einige hundert Mal mehr erleben? Vielleicht würde dann eine Rückkehr zur Vernunft stattfinden! Apple fällt seit drei Wochen und wenn man nicht einmal die Charttechnik anwenden kann, die aufzeigt, dass es weiter fallen wird, sollte man es bleiben lassen! Also: jetzt zu Mc und Hamburger austeilen. Viel Spaß!

Account gelöscht!

05.11.2012, 10:31 Uhr

ja, ja, immer diese leichtsinnigen unerlaubten Händler!
Scheint in den letzten Jahren eine Epidemie davon zu geben und bei allen Banken! Hat natürlich nichts mit der Firma und dem Weltfinanzsystem zu tun.

Account gelöscht!

05.11.2012, 11:03 Uhr

Nelson (Die Simpsons) würde sagen: HA-HA.

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