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08.09.2014

09:31 Uhr

Roadshow des Online-Riesen

Alibaba trommelt für Rekordbörsengang

VonLisa Hegemann

Der chinesische Online-Händler Alibaba plant einen Mega-Börsengang. Mit der Roadshow muss er die Investoren davon überzeugen, dass seine Bewertung berechtigt ist. Dabei ist der Konzern im Westen nicht konkurrenzfähig.

"Alibaba"-Börsengang

Der unglaubliche Hype um Chinas Internet-Händler

"Alibaba"-Börsengang: Der unglaubliche Hype um Chinas Internet-Händler

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DüsseldorfDie Webseite erinnert eher an die Kindertage des Internets: schlechte Übersetzungen, unübersichtliches Angebot, einfaches Design. Fehlen nur die pixeligen Bilder und Logos. Doch der Anschein täuscht: Hinter dem kargen Netzauftritt verbirgt sich der vielleicht größte Online-Händler der Welt: Alibaba.

Voraussichtlich am 19. September will der chinesische Internetgigant an die Börse gehen, am heutigen Montag beginnt die Roadshow. Den Spekulationen zufolge strebt Alibaba einer der größten Börsengänge der Geschichte an – er könnte dem Unternehmen 21 Milliarden US-Dollar einbringen. Da zunächst nur ein kleiner Teil des Unternehmens an der Börse gelistet wird, taxiert Alibaba auf Basis der avisierten Preisspanne seinen gesamten Wert auf bis zu 163 Milliarden Dollar. Das sind mehr als 95 Prozent des Standard&Poor's-Index. Der Konzern muss also viele Investoren von sich überzeugen.

Zum Vergleich: Amazon, gerne als größter Konkurrent von Alibaba bezeichnet, ist an der Börse etwa gleichauf, erzielte bei seinem Börsengang 1997 aber lediglich 62,1 Millionen Dollar. Doch nicht nur die beiden Börsengänge unterscheiden sich gewaltig. Auch die Geschäftsmodelle haben nur wenige Gemeinsamkeiten – weil Alibaba im Westen nicht konkurrenzfähig ist. Noch.

Fakten zu Alibaba

Gründer

Jack Ma

Gründungsjahr

1999

Unternehmenssitz

Hangzhou, Hauptstadt der chinesischen Provinz Zhejiang

Geschichte

Alibaba.com startete als Onlineportal für Unternehmen. Sie sollten dort zum Beispiel Büromaterial in Massen bestellen können. 2003 kam der Ebay-Klon Taobao hinzu, eine Auktionsplattform, die Alibaba auch bei Privatkunden bekannt machte. Im September 2014 erfolgte der Börsengang in New York.

Anteilseigner

2005 stieg Yahoo mit einem Anteil von 40 Prozent bei Alibaba ein. Derzeit hält der US-Konzern noch rund 20 Prozent an dem Unternehmen. Auch der japanische Internetkonzern Softbank zählte mit 35 Prozent zu einem wichtigen Anteilseigner von Alibaba. verkaufte aber im Juni 2016 ein Aktienpaket im Wert von mindestens 7,9 Milliarden Dollar (7,1 Milliarden Euro). Alibaba kaufe selbst Anteile im Wert von zwei Milliarden Dollar zurück, ein weiterer Teil im Wert von 500 Millionen Dollar gingen an einen „großen Staatsfonds“.

Auf der deutschen Alibaba-Webseite beispielsweise erinnert nichts an Amazon. Niemand hat die Seite offenbar vernünftig übersetzt oder gegengelesen. Ein Beispiel: Ein kleines Kinderbuch heißt dort „phantasie bunte kinder bücher lesen“, ein technisches Gerät wird unter dem Namen „2014 neuesten eigenes design ultraschall fettverbrennung maschine“ geführt. Ähnlich unprofessionell ist auch der Aufbau der Seite. Unter den Produkten steht „Lieferant Kommunizieren“ (sic!) statt wenigstens „Mit dem Lieferanten kommunizieren“. Und das soll Amazons größter Konkurrent sein?

Auf den ersten Blick sicher nicht. In Deutschland ist Alibaba kaum präsent. Das Unternehmen betreibt zwar jene schlecht aufgebaute Webseite German.alibaba.com, doch der Vermarktungsaufwand dafür hält sich in Grenzen. Es gibt die Webseite zwar, betreut wird sie aber offenbar nur oberflächlich.  

Dasselbe gilt auch für das Engagement in der restlichen westlichen Welt. Alibaba fokussiert sich hauptsächlich auf seinen Heimatmarkt China und macht nur wenige Schritte gen Westen. Erst im Juni 2014 wagte der Konzern des Chinesen Jack Ma sein erstes größeres Projekt auf dem US-Markt: Mit der Webseite „11Main“ will er Amazon & Co. Konkurrenz im Bereich Mode machen.

Kommentare (7)

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Herr Nehal Devanowitch

08.09.2014, 07:45 Uhr

ich denke dass man vor allem den b2c markt stark unterschätzt den ali in china inne hat. Das ist der absolute wahnsinn. Vor allem wenn man sich betrachtet das in china eine absolute abschottung gefahren wird. Der Westen soll keinen Zugang dazu haben damit er nicht merkt wie sehr er über den tisch gezogen wird.

Sergio Puntila

08.09.2014, 08:44 Uhr

@nd

ist das nicht ein bisserl verfrüht, jetzt auch noch china ins propagandistische visier zu nehmen?...

Herr Ulrich Groeschel

08.09.2014, 09:31 Uhr

Das ist völlig richtig. Vor allem in Afrika und Südamerika kann Alibaba im b2b Bereich Anbieter und Kunden auf einfache Weise zusammenführen. In den USA könnte Alibaba evtl. mit Yahoo zusammenarbeiten.

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