Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.05.2015

18:07 Uhr

Rocket Internet

Warum die Rocket-Aktien nicht zünden

VonLisa Hegemann

Der Start-up-Inkubator hat einen Millionenverlust bekanntgegeben. Auch für die Aktie läuft es nicht rund – obwohl Rocket Internet höher bewertet ist als einige Dax-Konzerne. Warum Anleger bislang kaum verdient haben.

Die Aktien der Start-Up-Schmiede haben bislang nicht gezündet. Getty Images

Die Aktien der Start-Up-Schmiede haben bislang nicht gezündet.

DüsseldorfAls Rocket Internet im Oktober an die Börse ging, waren die Erwartungen groß. Doch schon am ersten Handelstag vermochte die Start-up-Schmiede die Anleger nicht zu überzeugen. Zwischenzeitlich sank der Aktienwert vom Einstiegspreis um fast 13 Prozent auf unter 37 Euro. Die gute Nachricht für den Konzern, der am Dienstag seine Jahreszahlen für 2014 vorlegte: Das Papier hat sich inzwischen wieder erholt. Die schlechte: Vom Börsenboom konnte es kaum profitieren.

Am Dienstag wurde das Papier bei gut 45 Euro gehandelt. Seit dem ersten Börsentag hat die Rocket-Aktie damit um insgesamt fast sechs Prozent zugelegt. Das wäre ein beachtlicher Wert – hätten die deutschen Börsen seit Oktober keine Rekordrally erlebt. Der Dax notierte am 2. Oktober – also am Tag von Rockets Börsendebüt – bei 9195 Punkten und verzeichnete seitdem ein Plus von 26 Prozent. Damit legte der Indizes mehr als vier Mal so viel zu wie die Aktie von Rocket Internet. Das zeigt: Zwar investierten die Anleger verstärkt in Aktien, aber selten in die des Start-up-Inkubators.

Die größten Rocket-Startups

Dafiti

Der 2011 gegründete Modehändler ist in Südamerika aktiv. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei umgerechnet gut 146 Millionen Euro. Mit einem Verlust von 800 000 Euro war Dafiti von den großen Rocket-Startups am nächsten dran an der Gewinnzone. Mitte dieses Jahres kam Dafiti auf knapp 1,8 Millionen aktive Kunden. Rocket Internet gehören 22,7 Prozent von Dafiti. (Quelle: dpa)

Lamoda

Das ist Rockets Modehändler für Russland, gegründet 2011. Der Umsatz erreichte im vergangenen Jahr umgerechnet gut 122 Millionen Euro, der Verlust lag bei 40,1 Millionen Euro. Mitte dieses Jahres gab es knapp 1,4 Millionen aktive Kunden. Rocket hält an Lamoda einen Anteil von 23,5 Prozent.

03 Westwing

Die Firma verkauft Möbel und Accessoires fürs Zuhause in zwölf Ländern. Der Umsatz erreichte im vergangenen Jahr rund 111 Millionen Euro, der Verlust lag bei gut 41 Millionen Euro. Mitte dieses Jahres gab es rund 580 000 aktive Kunden. Rocket gehört rund ein Drittel des Unternehmens.

Home24

Der Online-Möbelhändler startete 2012. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei rund 93 Millionen Euro, der Verlust erreichte knapp 42 Millionen Euro. Zuletzt gab es 515 000 aktive Kunden. Rocket Internet hält knapp die Hälfte.

Zalora

Die 2012 gestarteten Online-Shops verkaufen Mode nach Südostasien und Australien. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei knapp 69 Millionen Euro, es gab rund 71 Millionen Euro Verlust. Zur Mitte dieses Jahres kam Zalora auf 1,25 Millionen aktive Kunden. Rocket gehört rund ein Viertel des Unternehmens.

Jabong

Die Firma handelt mit Mode im Boom-Markt Indien. In dem Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr kam sie auf einen Umsatz von umgerechnet knapp 57 Millionen Euro, der Verlust lag bei rund 38 Millionen Euro. Der Anteil von Rocket Internet liegt bei rund 21 Prozent, die Kundenzahl wird nicht genannt.

Richtig profitiert haben so auch die Aktionäre nicht. Und das, obwohl Rocket Internet gemessen an der Marktkapitalisierung einen höheren Wert vorweisen kann als einige Dax-Konzerne. Mit einem Summe von 7,9 Milliarden Euro rangiert der Konzern beispielsweise vor der Lufthansa, die derzeit auf eine Summe von 6,4 Milliarden Euro kommt, oder auch dem K+S-Konzern, dessen Marktkapitalisierung bei 4,4 Milliarden Euro liegt. Die beiden Unternehmen gelten als Wackelkandidaten im Dax, könnten als nächstes ausscheiden.

Dass die Rocket-Aktien nicht richtig zünden wollen, hängt mit mehreren Faktoren zusammen. Anders als bei Zalando, dem Schuhhändler, den die Samwers mit aufgebaut haben, ist Rocket Internet nicht im Prime Standard der Frankfurter Börse notiert, sondern im Entry Standard. Der ist nicht nur weniger reguliert, sondern auch nicht so transparent wie der Prime Standard. Beispielsweise müssen Firmen hier statt quartalsweise nur halbjährlich und nicht so ausführlich berichten. „Das sollte allen Anlegern eine Warnung sein“, sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) noch vor dem Börsenstart von Rocket Internet gegenüber der „Welt“.

Kommentar zu Rocket Internet: Ernüchterung im Samwer-Reich

Kommentar zu Rocket Internet

Ernüchterung im Samwer-Reich

Ein halbes Jahr nach dem Börsengang macht Rocket Internet Verluste. Viele eigene Gründungen dümpeln vor sich hin – das Wachstum müssen sich die Samwers teuer zukaufen. Dem Geschäftsmodell fehlt der Spirit. Ein Kommentar.

Ein weiterer Faktor für die Skepsis der Anleger dürfte das nach wie vor schwer durchschaubare Netz an Firmengründungen sein – und die Geschäftsmodelle dahinter. Rocket Internet vereint unter seinem Dach derzeit etwa 50 Start-ups. Die Masche ist stets dieselbe: ein gut laufendes Geschäftsmodell, zumeist aus den USA, kopieren und in Europa oder in Schwellenländern implementieren. Dort wird das Start-up zumeist mit viel Marketing beworben und soll so Investoren und Kunden anziehen.

In welchem Markt das Start-up aktiv ist, spielt dabei kaum eine Rolle – gemein haben die vielen Gründungen lediglich, dass sie auf digitale Geschäftsmodelle setzen. Von Putzportalen bis hin zu Lebensmittellieferdiensten, vom Online-Optiker bis zum digitalen Möbelhaus ist alles dabei. Das Versprechen: Die jeweiligen Start-ups werden schnell Marktführer in ihrem Segment in den verschiedenen Ländern. Doch mit seiner aggressiven Wachstumsmethode macht sich Rocket nicht nur Freunde. Experten halten viele der Unternehmen für überbewertet. Zudem gibt es immer wieder Fragen danach, ob die Firmen tatsächlich so viele Nutzer haben, wie sie vorgeben, und ob die Qualität tatsächlich so hoch ist wie gerne behauptet – zuletzt kam die Frage beim Start-up Nestpick auf, das im Februar nach Deutschland gekommen ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×