Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.02.2011

07:54 Uhr

Rohstoffmärkte

Derivate verstärken Übertreibungen

VonUdo Rettberg

Obwohl die Rohstoffpreise gerade in der Krise massiv unter Druck geraten waren, stehen die Märkte aber ausgerechnet heute wieder im Rampenlicht – so wie zu Beginn der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Gefahr, dass sich Blasen bilden und anschließend platzen – wie vor der Finanzkrise erlebt – hat zugenommen.

Rohstoffe wie Gold sind gefragt wie selten. Reuters

Rohstoffe wie Gold sind gefragt wie selten.

FRANKFURT. An den Rohstoffmärkten drohen, so wird allgemein gewarnt, Versorgungsengpässe. Ein Ende des Superzyklus ist vor diesem Hintergrund nicht absehbar. So weit – so gut. Für an dieser Anlageklasse interessierte Investoren gelten jedoch zahlreiche Besonderheiten.

Noch vor etwa zehn Jahren interessierte sich die breite Öffentlichkeit kaum für das Thema Rohstoffe. Obwohl die Rohstoffpreise gerade in der Krise massiv unter Druck geraten waren, stehen diese Märkte aber ausgerechnet heute wieder im Rampenlicht – so wie zu Beginn der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. In den vergangenen beiden Jahren schoben sich an den Rohstoffmärkten abwechselnd Gold, Öl, Uran und Weizen und zuletzt strategische Metalle und Seltene Erden in den Mittelpunkt.

Dass die Notenbanken zur Rettung der Welt den Geldhahn voll aufdrehten, hat maßgeblich zum Rohstoffboom der vergangenen beiden Jahre beigetragen. Die Gefahr, dass sich Blasen bilden und anschließend platzen – wie vor der Finanzkrise erlebt – hat zugenommen. Seinerzeit fiel Öl von 145 auf 30 US-Dollar, Uran von 160 auf 30 Dollar und Gas sogar von über 15 auf 2 Dollar.

Auffallend ist, dass es sich dabei um Rohstoffe handelte, deren Zugang für Anleger vor allem über unterschiedliche derivative Finanzinstrumente möglich ist. Und zwar nicht nur über an Terminbörsen gehandelte und stark kontrollierte Optionen und Futures, sondern zunehmend auch über Zertifikate, ETF und andere Indexprodukte.

Welche Schäden aber gerade solche im Freiverkehr weitgehend unkontrolliert gehandelten Derivate anrichten können, hat die Finanzkrise am Beispiel der OTC-Kreditderivate gezeigt. In der Krise haben wir gelernt, dass dort Ungemach droht, wo solche Produkte kaum dem volkswirtschaftlichen Nutzen dienen, sondern die Befriedigung der Anlegergier im Vordergrund steht.

Bei einigen Rohstoffen sind derzeit ähnliche Anzeichen zu erkennen. So fragt sich heute manch ein Gold-Fan, ob die jüngste Preiskorrektur des Krisenmetalls nicht exakt diesem Umstand zu schulden ist. Schließlich kommen immer wieder Gerüchte auf, wonach US-Banken auf gigantischen Derivate-Positionen sitzen, die bei ungünstiger Preisentwicklung die Stabilität der Institute gefährden könnten.

Richtig ist, dass die Terminbörsen über bestehende Derivate-Positionen laufend informieren. Bei OTC-Derivaten ist das jedoch nicht der Fall. Vor diesem Hintergrund werden sich Gerüchte über angebliche Goldpreis-Manipulationen der US-Geldhäuser und der US-Notenbank wohl auch in Zukunft halten. Dies kann bei Gold zu kräftigen Preisausschlägen führen – sowohl nach oben als auch nach unten!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×