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23.04.2014

20:05 Uhr

Ruanda

Kleine Börse mit großen Plänen

VonJulia Rotenberger

Die Börse in Ruanda ist eine der kleinsten der Welt. Es gibt nur fünf Aktien. Der Handel läuft ohne Computer ab. Mittags ist Schluss. Doch die Börsenbetreiber haben Großes vor. Ein Report.

Börse in Kigali: Der Betriebsleiter schreibt die Gebote der Broker an die Tafel.

Börse in Kigali: Der Betriebsleiter schreibt die Gebote der Broker an die Tafel.

KigaliWenn der Uhrzeiger morgens auf neun rückt, klingelt im Bankendistrikt der ruandischen Hauptstadt Kigali die Glocke – groß wie ein Tennisball, schwer und mit stabilem Holzgriff. So läutet der Betriebsleiter David Mitali den Beginn des Handelstages auf der Rwanda Stock Exchange, der einzigen Börse des Landes, ein. Ein wenig verloren wirkt Mitali mit der Glocke in der Handelshalle. Sie befindet sich im ersten Stock des „Kigali City Tower“, eines Wolkenkratzers im Zentrum der Hauptstadt. Direkt darunter schlängelt sich die Marktstraße Avenue de Commerce: Handy- und Hausratsverkäufer reihen sich dort aneinander: sie feilschen, schreien und verhandeln. Der Geruch von Schweiß und Abgasen liegt in der Luft.

Die Aktien der ruandischen Börse

Bralirwa

Auch bekannt als „Brasseries et Limonaderies du Rwanda“ ist Bralirwa der größte Getränkehersteller Ruandas. Seit 1959 braut das Unternehmen das Bier der Marke „Primus“, das es überall im Land zu kaufen gibt. An die Börse ging das Unternehmen zeitgleich mit dem Börsenstart am 21. Januar 2011 – allerdings wurden Bralirwa-Papiere auch schon vorher direkt gehandelt. Zu einem Großteil gehört Bralirwa dem holländischen Getränkehersteller Heineken. Lediglich ein Viertel der Aktien ist in Händen privater Investoren.

Kenya Commercial Bank

KCB ist ein Finanzdienstleister in der Region der großen Seen in Afrika. Der Hauptsitz befindet sich in Nairobi, Kenia. In Ruanda ist die Bank seit 2008 aktiv. Weitere Niederlassungen finden sich in Uganda, Tansania, Burundi sowie im Süd-Sudan.

Nation Media Group

NMG kommt ebenfalls aus Kenia und ist der größte privat finanzierte Verlag in ganz Ost- und Zentralafrika. Es betreibt einen Fernsehsender und mehrerer Zeitungen in Kenia, Uganda und Tansania.

Bank of Kigali

Die Bank ist, gemessen am Umfang der Assets, die größte Bank des Landes. Es gibt sie bereits seit 1966. Seit 2011 knapp die Hälfte ihrer Anteile an der ruandischen Börse öffentlich gehandelt. Rund ein Drittel davon gehört der ruandischen Regierung.

Uchumi Supermarkets

Uchumi Supermarkets ist eine kenianische Supermarktkette. Gegründet wurde sie 1975 und dehnt sich seitdem immer weiter in die Region in Zentral- und Ostafrika aus. Bislang existiert noch keine Niederlassung in Ruanda, allerdings sollen bis Ende 2014 zwei neue Läden eröffnet werden. Bislang ist das Unternehmen nur in Tansania, Uganda sowie auf dem kenianischen Heimatmarkt aktiv.

Dagegen duftet es an der ruandischen Börse frisch nach Putzmitteln, der Boden ist blitzblank. Betriebsleiter Mitali steht im grünen Jackett und Hose mit Bügelfalte vor einer weißen Tafel. Anders als die belebte Handelsstraße ist sein Arbeitsplatz überschaubar. Gerade einmal fünf Unternehmen hat Mitali zu betreuen: eine kenianische Großbank, einen Medienverlag und eine Supermarktkette, ebenfalls aus Kenia, sowie die Papiere der einheimischen Bank of Kigali und der Brauerei Bralirwa, die das überall im Land verkaufte „Primus“-Bier braut und zu zwei Dritteln Heineken gehört. Seit 2011 werden Aktien und Anleihen dieser Firmen in Kigali gehandelt. Damals ging die Rwanda Stock Exchange als eigenständig geführtes Unternehmen an den Start.

Ruanda: Ökonomie der Versöhnung

Ruanda

Ökonomie der Versöhnung

Vor 20 Jahren hatte sich die Welt aus Ruanda verabschiedet. In dem kleinen Land in Zentralafrika tobte ein brutaler Völkermord. Heute gilt es als eine der Vorzeigeökonomien des Kontinents.

Gemessen an der Anzahl der Unternehmen  ist die ruandische Börse eine der kleinsten der Welt. Unterboten wird sie noch von der kambodschanischen Börse, auf der nur drei Unternehmen gehandelt werden und von der seychellischen, auf der nur eine einzige Firma gelistet ist. Auch die Marktkapitalisierung – die Summe der Kurswerte aller an der Börse gehandelten Aktien – ist mit knapp zwei Milliarden US-Dollar sehr klein. Zum Vergleich: Die größte Aktienbörse der Welt, die New York Stock Exchange, hat eine Marktkapitalisierung von 9,2 Billionen Dollar.

In Kigali handeln gerade einmal neun ständige Broker regelmäßig. Um halb zehn schlurfen zwei von ihnen in die Halle und schlüpfen in die roten Jacketts, die für sie bereit hängen. „Die Kleider haben wir dem internationalen Standard angepasst“, bemerkt Betriebsleiter Mitali. Die Broker sagen leise, zu welchem Preis ihre Kunden Wertpapiere kaufen wollen. Mitali notiert die Gebote mit quietschendem Edding auf der Tafel. Dass es für ein Gebot auch einen Abnehmer gibt, ist hier keinesfalls sicher. So bleiben manche Gebote mehrere Tage stehen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

24.04.2014, 10:44 Uhr

Spannender Artikel! Finanzmärkte zum anfassen - Wo gibt es das noch. Auch herrlich mit dem afrikanischen "Packen wir´s an!"-Optimismus, wenn es um die Bewältigung der vielen Hürden geht.

Es wäre toll mit weiteren Artikeln zum Thema "Finanzmärkte in Entwicklungs- und Schwellenländern". Handel und Investitionen sind ein wichtiger Schlüssel zum zukünftigen Erfolg dieser Regionen. Dieser Erfolg wird sich auch über kurz oder lang einstellen - Wir dürften es noch zu Lebzeiten mitverfolgen können, allem Afrika-Pessimismus zum trotz.

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