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13.12.2014

14:51 Uhr

Rubel-Anleihen

Angst vor Kapitalkontrollen treibt Renditen

Am russischen Anleihemarkt zeigt sich die Furcht der Anleger vor möglichen Kapitalkontrollen. Die Regierung von Präsident Wladimir Putin könnte so versuchen, den galoppierenden Wertverlust des Rubels zu stoppen.

Die Regierung Putin scheint harsche Maßnahmen gegen den Rubel-Verfall zu ergreifen. dpa

Die Regierung Putin scheint harsche Maßnahmen gegen den Rubel-Verfall zu ergreifen.

MoskauInvestoren fordern für in Rubel denominierte Anleihen, die in Moskau gehandelt werden, derzeit einen deutlich höheren Aufschlag gegenüber Rubel-Bonds, die in London oder an anderen internationalen Handelsplätzen notiert werden. Der Renditeabstand ist laut Bloomberg-Daten auf 0,66 Prozentpunkte geklettert und damit auf dem höchsten Stand seit Januar 2013. Noch im September lag er bei 0,03 Prozentpunkten.

Unter Wechselkursschwankungen des Rubels leiden die Renditen beider Anleihe-Kategorien. Investoren, die die in Moskau gehandelten Papiere halten, tragen jedoch das zusätzliche Risiko, dass sie nicht an ihr Geld herankommen – wenn Russland Beschränkungen für Kapitaltransaktionen einführen würde. Spekulationen auf eine solche Maßnahme haben sich verstärkt, nachdem der Preis für Russlands wichtigstes Exportgut, Öl, eingebrochen ist. Der Rubel befindet sich seit Beginn des Konfliktes mit der Ukraine auf Talfahrt.

Putins Rede an die Nation

Die Rede an die Nation

Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich in seiner Rede an die Nation zu zentralen außen-, innen- und wirtschaftspolitischen Themen geäußert. Ein Überblick:
Quelle: dpa

Ukraine

Putin weist die Kritik des Westens an seinem Kurs in der Ukraine-Krise scharf zurück. Er wirft der EU vor, Moskau bei den Verhandlungen mit der Ukraine über das Assoziationsabkommen „völlig ignoriert“ zu haben. „Uns wurde gesagt, dass es uns angeblich nichts angeht.“ Russland habe aber legitime Interessen. „Was in der Ostukraine geschieht, bestätigt die Richtigkeit unserer Haltung.“

Krim

Putin sieht die Annexion der Krim im Einklang mit dem Völkerrecht. Es gebe nichts mehr daran zu rütteln, dass die Schwarzmeerhalbinsel zu Russland gehöre. „Für Russland hat die Krim (...) große zivilisatorische und sakrale Bedeutung. So wie der Tempelberg in Jerusalem für jene, die sich zum Islam oder zum Judentum bekennen.“

Sanktionen

Putin macht deutlich, dass sich Russland dem Druck des Westens nicht beugen wird. Die Sanktionen schadeten dem Land zwar, doch seien sie auch treibende Kraft für wirtschaftliche Entwicklung. „Die Sanktionen sind der beste Anreiz für das Erreichen unserer Ziele.“


USA

Putin wirft den USA vor, Osteuropa zu destabilisieren und Staaten aus der Ferne zu manipulieren. „Manchmal weißt du nicht, mit wem du sprechen sollst - mit den Regierungen mancher Staaten oder direkt mit ihren amerikanischen Sponsoren.“


Wirtschaft

Putin kündigt eine Reihe von Schritten zur Stützung der Wirtschaft an. Mittelfristig will er die Inflation auf vier Prozent halbieren, außerdem soll das Investitionsklima verbessert werden. „Bis 2018 müssen wir das jährliche Investitionsniveau auf 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anheben.“

Kapitalflucht

Im Kampf gegen die wachsende Kapitalflucht aus Russland verspricht Putin eine Amnestie, wenn Reiche ihr Geld aus Steuer-Oasen ins Land zurückbringen. „Wenn ein Mensch sein Kapital in Russland legalisiert, erhält er harte rechtliche Garantien, dass man ihn nicht durch die Instanzen zerren wird.“

Rubelschwäche

Im Kampf gegen den Kursverfall beim Rubel kündigt Putin entschlossene Maßnahmen gegen Spekulanten an. „Die Behörden wissen, dass sie Instrumente haben, um Einfluss auf Spekulanten zu nehmen. Es ist Zeit, sie einzusetzen.“

Solche Maßnahmen sind „wahrscheinlich und werden immer wahrscheinlicher, da die Währung fällt und die Märkte im Lande immer weniger funktionieren”, sagte Paul McNamara, Vermögensverwalter bei GAM UK. Er macht nach eigenen Angaben einen Bogen um den lokalen Bondmarkt, weil er Kapitalkontrollen befürchtet. „Schaut man sich die Logik der russischen Regierung an, ist es wahrscheinlich, dass der Staat seine Macht nutzt.”

Die Rendite dreijähriger in Russland gehandelter Rubel-Bonds ist in der vergangenen Woche um 1,9 Prozentpunkte auf ein Rekordhoch von 12,9 Prozent gestiegen. Eine vergleichbare Rubelanleihe, die außerhalb Russlands gehandelt wird, rentiert mit 12,24 Prozent, wie Bloomberg-Daten zeigen. Der Abstand von 66 Basispunkten ist der höchste seit Januar 2013. Damals öffnete Russland seinen Anleihemarkt für ausländische Investoren. Zum Vergleich: über die vergangenen zwei Jahre lag der Renditeabstand bei durchschnittlich zehn Basispunkten.

Obwohl Russland die Leitzinsen in diesem Jahr viermal angehoben und mehr als 90 Milliarden Dollar an Devisenreserven auf den Markt geworfen hat, konnte der Rubel bis jetzt nicht stabilisiert werden. Am Dienstag fiel die russische Währung in Moskau 0,9 Prozent auf 54,2285 je Dollar, nachdem sie am Vortag bereits um 2,4 Prozent eingebrochen war.

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