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22.03.2013

07:19 Uhr

Rückkehr an Anleihemarkt

Irland macht für Portugal den Eisbrecher

Portugal arbeitet sich im Sog des irischen Eisbrechers zurück an die Märkte, Analysten halten eine Emission in den nächsten Wochen für möglich. Ein Risiko bleibt: In einigen Bereichen hinkt Portugal den Iren hinterher.

Analysten halten eine Emission portugiesischer Anleihen in den kommenden Wochen für möglich. dpa

Analysten halten eine Emission portugiesischer Anleihen in den kommenden Wochen für möglich.

LissabonPortugal folgt Irland Schritt für Schritt auf dem Weg zurück in die Unabhängigkeit von auswärtiger Hilfe und an die Anleihemärkte. Nachdem Irland vor wenigen Tagen mit der ersten Emission zehnjähriger Anleihen seit dem Rettungspaket einen weiteren Meilenstein auf diesem Weg erreicht hat, scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Portugiesen auch hier nachfolgen.

In der vergangenen Woche schloss Irland die Emission des ersten Zehnjahres-Bonds seit dem Beinahe-Zusammenbruch seines Finanzsystems und der Rettung durch die Europäische Union im Jahr 2010 ab. Dies könnte Portugal zu einer ähnlichen Maßnahme anstoßen. Immerhin hatte sich die Rendite der zehnjährigen portugiesischen Bonds vom 6. März bis zum vergangenen Wochenende unter der Marke von sechs Prozent gehalten. Erst die Nachrichten zum Zypern-Hilfspaket ließen sie wieder darüber steigen.

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„Irlands Gang an den Markt stellt einen weiteren Schritt zu einer Normalisierung des Bond-Marktes dar”, sagt Mark Dowding, leitender Portfoliomanager Festverzinsliche bei BlueBay Asset Management in London. „Die Tatsache, dass Irland Bonds emittieren kann, bedeutet gleichzeitig, dass sie mit dem Rückzug aus dem Programm beginnen, in dessen Verlauf sie komplett auf die EU-Partner zur Finanzierung angewiesen waren.”

Bereits im Januar waren die Portugiesen den Iren auf den Schritt gefolgt: Portugal platzierte am 23. Januar fünfjährige Papiere im Volumen von 2,5 Milliarden Euro, nachdem Irland am 8. Januar mit einer 2,5 Milliarden Euro schweren Emission den Markt getestet hatte.

Ratings der europäischen Länder (Buchstaben A - M)

Albanien

S&P Rating: B+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: B1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: k.A.
Ausblick: k.A.

Andorra

S&P Rating: A-
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: k.A.
Ausblick: k.A.

Fitch Rating: k.A.
Ausblick: k.A.

Belgien

S&P Rating: AA
Ausblick: Negativ
Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Negativ
Fitch Rating: AA
Ausblick: Stabil

Bulgarien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB-
Ausblick: Stabil

Dänemark

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Deutschland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Estland

S&P Rating: AA-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Finnland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Frankreich

S&P Rating: AA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Griechenland

S&P Rating: B-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Caa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: B
Ausblick: Stabil

Irland

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Island

S&P Rating: BBB-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB-
Ausblick: Stabil

Italien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Kroatien

S&P Rating: BB+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB-
Ausblick: Negativ

Lettland

S&P Rating: BBB
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Positiv

Liechtenstein

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Litauen

S&P Rating: k.A.
Ausblick: k.A.

Moody's Rating: Baa1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Luxemburg

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Malta

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A3
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Mazedonien

S&P Rating: BB
Ausblick: Stabil

Moldawien

Moody's Rating: k.A.
Ausblick: k.A.

Montenegro

S&P Rating: BB-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba3
Ausblick: Stabil

„Die Bedingungen für eine mögliche Emission von Bonds in den nächsten Wochen erscheinen günstig”, erklärte der portugiesische Finanzminister Vitor Gaspar in der vergangenen Woche.

Kommentare (3)

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Draghis-Scheinmarkt

22.03.2013, 11:36 Uhr

Draghis EZB geht verschiedene Wege, um Staatsfinanzierung zu kaschieren

Ein Modell besteht darin, dass dubiose Staatsanleihen im 1.Schritt pro forma von Banken erworben werden. Nach einer Schamfrist werden diese (oder Bestands-) Papiere von den beteiligten Banken an die EZB weiterverkauft :
Die so geschaffene "Sekundärmarkt-Illusion" dient dazu, die Staatsfinanzierung durch die EZB zu bemänteln.

Ein weiterer Scheinmarkt entsteht, wenn die EZB bei Auktionen dubioser Schuldtitel die Nachfrageseite mit Billigstkredit aufmunitioniert. Die beteiligten Banken reichen das billige EZB-Geld dann mit einer Marge an dubiosen Schuldner wie Irland oder Italien durch.
Formal sind die Banken Inhaber der Forderung, real liegt das entscheidende Ausfallrisiko aber bei der EZB und EU-Zahlstaaten. (s. Eurorettung , s. Banken-Rekapitalisierung)
P.S.
Unabhängige Notenbanken wurden geschaffen, um staatl. Schuldnern den fatal-bequemen Zugriff auf die Notenpresse zu verwehren.
Die EZB dagegen ist ein Selbstbedienungsladen dubioser Milieus bis hin zu Zyperns Betrugsdienstleistern.

EU-Schutzgelderpresser-Irland

22.03.2013, 11:48 Uhr

"Irischer Erfolg": Mindestzahlungsziele versäumen und volle 25 Jahre Tilgungsaufschub erpressen

Irlands Geschäftsmodell ist Steuerschiebung. Irland vermarktet Steuerkonstrukte, die es int. Konzernen erlaubt, ihre (anderenfalls steuerpflichten) Zahlungsströme in Steueroasen umzulenken. (s. Double Irish)
Die Fata-Morgana-Ökonomie Irlands löste einem Ansiedlungsboom mit Immobilienblase aus.
Als diese in Bilanzen der Banken detonierte, wälzte die durchkorrumpierte irische Regierung
diese Bilanzprobleme kurzerhand auf die Staatskasse ab.
Durch diese "Verstaatlichung" ver4fachte sich die irische Staatsverschuldung. Anschließend nannte man es "Eurorettung", als die geplünderte Staatskasse mit EU-Geldern betankt wurde.
85 Mrd. "Eurorettung" für einen Kleinstaat mit einem Viertel der Einwohnerzahl von NRW (!).
Um die Bürger der Zahlstaaten bei Laune zu halten, wurde der Rückzahlungsmythos vom "irischen Musterschüler" geschaffen.
Real versäumt Irland gerade die Mindestzahlungsziele. Viel Spass mit der durchinszenierten "Rückkehr zum Kapitalmarkt".

Account gelöscht!

22.03.2013, 12:25 Uhr

Meine Vorkommentatoren haben eigentlich schon alles Ernsthafte hierzu geschrieben. Bleibt mir nur noch der weniger ernsthafte Rest, z.B. die Bemerkung, daß überhaupt keine Eisbrecher benötigt werden. Wir haben doch Klima-Erwärmung, liebes HB-Redaktion, schon vergessen?

Das gilt bestimmt auch für das Wirtschaftsklima bzw. Finanzklima, jedenfalls, wenn man auf die Systempresse hört. Alles wird wieder gut! Man muß nur dafür beten und HB-Online lesen.

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