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11.08.2016

07:39 Uhr

RWE im Umbruch

Die Kohle macht doch noch Hoffnung

VonJürgen Flauger

Hiobsbotschaften wie bei Eon erspart RWE-Chef Terium seinen Anlegern. Trotzdem geht bei dem Energieversorger das Betriebsergebnis im ersten Halbjahr zurück. Überraschende Nachrichten gibt es von den Kohlekraftwerken.

Im Geschäft mit der konventionellen Stromerzeugung lief es bei RWE überraschend gut. dpa

RWE-Kraftwerk Niederaußem

Im Geschäft mit der konventionellen Stromerzeugung lief es bei RWE überraschend gut.

DüsseldorfAm Mittwoch hatte Deutschlands größter Energiekonzern Eon dem Aktienmarkt einen regelrechten Schock verpasst. Dessen Chef Johannes Teyssen berichtete über hohe Abschreibungen, ein angespanntes Kapital und bereitete die Anleger auf den nächsten Verlust vor. Die Eon-Aktie krachte um fast acht Prozent nach unten. Die RWE-Papiere gerieten mit ins Trudeln und gab gut 3,5 Prozent nach.

Solche Hiobsbotschaften wie Teyssen ersparte RWE-Chef Peter Terium seinen Anlegern am Donnerstag, als die Nummer zwei die Zahlen präsentierte. Einen weiteren Gewinnrückgang verbuchte freilich auch RWE. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei im ersten Halbjahr um fünf Prozent auf rund drei Milliarden Euro gefallen, teilte der Versorger mit. Damit fiel das Ergebnis etwas schlechter aus als erwartet. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Ebitda von 3,2 Milliarden Euro gerechnet. Das Nettoergebnis war zwar nicht negativ, fiel aber um knapp 74 Prozent auf 457 Millionen Euro.

Eon mit hohem Verlust: Uniper reißt Milliardenloch in die Bilanz

Eon mit hohem Verlust

Uniper reißt Milliardenloch in die Bilanz

Kurz vor dem Uniper-Börsengang legt Eon tiefrote Zahlen vor. Schuld sind hohe Wertberichtigungen bei der angeschlagenen Kraftwerkstochter. Allerdings gibt es für Konzernchef Teyssen auch einen Lichtblick.

RWE begründete die Einbußen mit einem deutlichen Rückgang im Handelsgeschäft, das traditionell stark schwankt. Während es im ersten Quartal noch sehr gut gelaufen war, gab es im zweiten Quartal einen Rückschlag.

Der Zwischenbericht kommt in einer heiklen Phase. RWE steckt mitten im Umbruch und bereitet den Börsengang der neuen Tochter Innogy vor. In das Unternehmen hat RWE im April das Geschäft mit der Energiewende abgespalten – erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb. Ende des Jahres will Konzernchef Peter Terium Innogy an die Börse bringen.

Die RWE AG, die selbst nur noch für die konventionellen Kraftwerke und den Großhandel verantwortlich ist, will dann über eine Kapitalerhöhung zehn Prozent von Innogy platzieren und eventuell parallel weitere Anteile an institutionelle Investoren verkaufen. Dann will Terium komplett an die Spitze von Innogy wechseln und gibt die Führung der RWE AG an seinen bisherigen Vize Rolf Martin Schmitz ab.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

Energiewende sorgt für Veränderungen

Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

Die Unternehmen

Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

Das Geschäft

Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

Die Börsengänge

Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

Ausblick

Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist.

Einen Börsengang plant auch Eon. Der Konkurrent bringt aber nicht das Zukunftsgeschäft an die Börse, sondern das alte Geschäft mit konventionellen Kraftwerken, dem Großhandel und der Gasproduktion. Während Eon im September direkt eine Mehrheit am neuen Unternehmen Uniper abgibt und mittelfristig komplett aussteigen will, wird RWE aber auch langfristig die Mehrheit an Innogy halten. RWE will mit dem Börsengang der Tochter neue Investoren anlocken – und mit den Einnahmen die verschuldete RWE AG sanieren.

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