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23.09.2016

17:53 Uhr

RWE-Ökostromtochter

Innogy-Börsengang soll bis zu fünf Milliarden Euro einspülen

VonJürgen Flauger

Der Energiekonzern RWE hat die Preisspanne für die neuen Aktien der „grünen“ Tochtergesellschaft festgelegt. Der Börsengang soll eine Milliardensumme einbringen. Ein Großaktionär ist bereits gefunden.

In wenigen Wochen soll Innogy an die Börse – und eine Milliardensumme einbringen. dpa

RWE / Innogy

In wenigen Wochen soll Innogy an die Börse – und eine Milliardensumme einbringen.

DüsseldorfIn diesen Tagen lernen die Deutschen ein neues Unternehmen kennen. In Fernseh- und Radiospots, in Zeitungsanzeigen und auf großen Plakaten stellt sich Innogy vor. RWE hat in der neuen Gesellschaft das Geschäft mit der Energiewende gebündelt – Vertrieb, erneuerbare Energien und Netze – und muss es rasch bekannt machen. Am 7. Oktober soll Innogy schließlich schon an die Börse – und eine Milliardensumme einbringen.

Vorstände und Aufsichtsräte von RWE und Innogy haben jetzt die Details festgezurrt und den Weg für einen der größten Börsengänge des Jahres geebnet: Er soll bis zu fünf Milliarden Euro einbringen. 1,8 bis zwei Milliarden Euro sollen davon Innogy selbst für Investitionen zugutekommen. Den Rest bekommt RWE selbst zum Abbau von Schulden oder für die zu erwarteten Verpflichtungen aus dem Atomausstieg.

Innogy-Werbung: Grüne Tochter provoziert RWE

Innogy-Werbung

Grüne Tochter provoziert RWE

Innogy, die neue „grüne“ Tochtergesellschaft von RWE, will sich mit einer aufwändigen Werbekampagne vom Mutterkonzern emanzipieren. Ein spezieller Slogan ist aber fast schon zynisch – und bringt Klimaschützer in Rage.

Der Energiekonzern will dabei mindestens 1,5 Milliarden Euro einnehmen. Sollten die Aktien zum Höchstpreis abgenommen und alle Zuteilungsoptionen ausgeschöpft werden, könnten für RWE aber sogar bis zu drei Milliarden Euro zusammenkommen.

Die Aktien sollen zu einem Preis von 32 bis 36 Euro angeboten werden, wie RWE am Donnerstagabend mitteilte. Fest geplant ist eine Platzierung von 20 Prozent der Aktien, eventuell wird der Anteil auf 25 Prozent erhöht. Gemessen an der Preisspanne ist Innogy zwischen 17,8 und 20 Milliarden Euro wert.

Zum einen kommen Aktien aus einer Kapitalerhöhung von zehn Prozent auf den Markt. Die Einnahmen daraus soll Innogy behalten. Zusätzlich will RWE mindestens zehn Prozent aus dem eigenen Bestand platzieren. Diese Einnahmen verbleiben wiederum beim Mutterkonzern. RWE hat für Innogy sogar schon einen Großaktionär gefunden. Die US-Investmentgesellschaft Blackrock sagte schon zu, 940 Millionen Euro zu investieren.

„Wir starten jetzt mit dem Endspurt für den Börsengang von Innogy. Wir haben hart, konzentriert und sehr zügig auf diesen Schritt hingearbeitet und genau so wollen wir auch die letzten Meter bis zum Tag X meistern“, sagte Peter Terium. Er ist aktuell Chef beider Unternehmen. Nach dem Börsengang will er sich komplett auf die Führung von Innogy konzentrieren.

Der endgültige Platzierungspreis wird in einem zweiwöchigen Bookbuilding-Verfahren festgelegt. Die Deutsche Bank und Goldman Sachs International agieren dabei als Joint Global Coordinators. Gemeinsam mit BNP Paribas, BofA Merrill Lynch, Credit Suisse und UBS Investment Bank stellen sie die Joint Bookrunners. Banco Santander, Berenberg und RBC wurden zu Co-Lead Managern bestellt.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

Energiewende sorgt für Veränderungen

Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

Die Unternehmen

Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

Das Geschäft

Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

Die Börsengänge

Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

Ausblick

Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist.

RWE-Chef Peter Terium hatte Ende 2015 mit der Ankündigung überrascht, den Energiekonzern aufzuspalten. Er reagiert damit auf die Energiewende und die Probleme im bisherigen Kerngeschäft, dem Betrieb der Gas- und Kohlekraftwerke. Dort sind die Erträge dramatisch eingebrochen, weil die Kraftwerke durch Wind- und Solarenergie aus dem Markt gedrängt werden.

Durch die Abspaltung des Zukunftsgeschäfts, die bereits im April operativ vollzogen wurde, will Terium neue Kräfte freisetzen und Kapital generieren. Innogy kommt auf einen Umsatz von rund 40 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten wird nach Abschluss des Konzernumbaus bei rund 40.000 liegen. RWE soll zwar auch langfristig die Mehrheit an Innogy behalten, operativ ist der Konzern aber nur noch für die Kohle- und Gaskraftwerke und den Großhandel verantwortlich.

Vor zwei Wochen hatte RWE-Konkurrent Eon einen Börsengang gemeistert. CEO Johannes Teyssen hatte seinem Konzern schon Ende 2014 eine Aufspaltung verordnet. Auch er reagierte auf die schwierigen Rahmenbedingungen – allerdings hatte er sich für einen anderen Weg entschieden. Eon hat im neuen Unternehmen Uniper das alte Geschäft mit den Kraftwerken, den Großhandel und die Gasproduktion abgespalten. Eon selbst konzentriert sich auf Vertrieb, Netze und erneuerbare Energien – wie jetzt Innogy.

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