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23.02.2017

14:27 Uhr

Saudi-Arabien

Frauen greifen am Golf nach der Macht

VonMathias Brüggmann

Sie dürfen im erzkonservativen Saudi-Arabien nicht Autofahren – erobern nun aber die Unternehmenswelt. Frauen kämpfen am Golf für ihre Rechte. Unterstützung bekommen sie bei ihrem Vormarsch von unerwarteter Stelle.

Die erste weibliche Superheldin aus Saudi-Arabien heißt Latifa. Kreiert hat sie das Unternehmen „Saudi Girls Revolution“. AP

Saudische Superfrau

Die erste weibliche Superheldin aus Saudi-Arabien heißt Latifa. Kreiert hat sie das Unternehmen „Saudi Girls Revolution“.

BerlinDer radikale Umbau Saudi-Arabiens schreitet voran – und Frauen werden immer wichtiger dabei. Obwohl sie außerhalb des riesigen Firmencampus des Ölgiganten Saudi Aramco bis heute nicht Autofahren dürfen, obwohl sie ohne männliche Begleitung oft nicht mal auf die Straße dürfen – jetzt treten sie in der Unternehmenswelt ins Rampenlicht. Mit Sara al-Suhaimi überwacht künftig erstmals eine Frau die saudische Börse. Mit Rania Nashar tritt als Chefin der Samba Financial Group erstmals eine Frau den CEO-Posten einer Bank in Saudi-Arabien an.

Samba gehört zu den größten Banken Saudi-Arabiens. Riads Börse Tadawul ist die größte Aktien- und Anleiheplattform aller Golfstaaten. Weltweit rangiert der saudische Kapitalmarkt mit einer Börsenkapitalisierung von 425 Milliarden Euro auf Platz 21.

Börsengang des Ölgiganten: Saudi Aramco setzt auf Moelis & Co.

Börsengang des Ölgiganten

Saudi Aramco setzt auf Moelis & Co.

Der Ölkonzern Saudi Aramco hat offenbar die New Yorker Investmentbank Moelis & Co. mit der Vorbereitung seines Börsengangs beauftragt. Dieser könnte 100 Milliarden Dollar erlösen – eine historische Größe.

Die Frauen rücken vor ins Machtzentrum der arabischen Finanzwelt. Die neue Börsenaufseherin Al-Suhaimi ist bereits seit 2014 Chefin einer Investmentbank. Sie behält ihre Position an der Spitze von NCB Capital, dem Investmentarm der ältesten Bank in den arabischen Ländern. Al-Suhaimis Vater war bis 2006 Chef der saudi-arabischen Finanzmarktaufsicht. Auch Rania Nashar, die erste Bankchefin in Saudi-Arabien, ist eine anerkannte Ökonomin und bereits seit 20 Jahren im Geschäft.

Die Berufung der beiden Top-Bankerinnen überrascht viele Experten nicht. Denn Vize-Kronprinz Mohammed bin Salman soll im Auftrag von König Salman die größte Macht am Golf radikal umbauen und das Reformprogramm „Vision 2030“ umsetzen. Dabei spielen die Frauen neben grundlegenden Wirtschaftsreformen eine Schlüsselrolle. Schon jetzt verfügt Saudi-Arabien über mehr weibliche als männliche Hochschulabsolventen. Die Zahl berufstätiger Frauen ist zuletzt rasant gestiegen.

An der Börse warten wichtige Aufgaben auf Al-Suhaimi: Saudi-Arabien hat den Zugang ausländischer Investoren zu seiner Börse erst kürzlich deutlich erleichtert. Zudem will das Land die Börse selbst in eine Aktiengesellschaft umwandeln. Der Tadawul-Index soll außerdem ein Teil des führenden MSCI Emerging Markets Index werden.

Die größten Staatsfonds der Welt

Wo Geld langfristig angelegt werden soll

Sie horten Devisen oder gehören zu den größten Einzelanteilseignern von Konzernen: Staatsfonds. Der Marktführer etwa hält allein 1,3 Prozent an den börsennotierten Unternehmen der Welt. Einmal im Jahr gibt das Sovereign Wealth Fund Institute ein Ranking über die größten Staatsfonds heraus. Dies sind die Ergebnisse.

Stand: 31. Dezember 2015

„Statens pensjonsfond utland“ (Norwegen)

Der „Statens pensjonsfond utland“, wie der norwegische Staatsfonds offiziell heißt, ist mit einem Volumen von 824,9 Milliarden Dollar der weltweit größte seiner Art. Der Fonds wurde 1990 gegründet, um den Wohlstand der Nation aus dem Ölgewerbe für zukünftige Generationen zu erhalten. Deshalb wird er inoffiziell auch „Ölfonds“ genannt. 60 Prozent des Vermögens sind in Aktien, 35 Prozent in Zinspapieren und fünf Prozent in Eigentum wie Immobilien investiert.

Abu Dhabi Investment Authority

Ölreichtum ist auch der Hintergrund für den zweitgrößten Staatsfonds der Welt, die Abu Dhabi Investment Authority. Dessen Ziel ist es, über breit gestreute Investments in Aktien, Immobilien oder etwa Hedgefonds für die Zeit nach dem fossilen Zeitalter vorzusorgen.

Wert: 773 Milliarden Dollar

China Investment Corporation

Dieser chinesische Staatsfonds wurde 2007 gegründet, um einen Teil der riesigen Devisenreserven des Landes zu managen und beispielsweise in ausländische Firmen zu investieren. Von einst 200 Milliarden US-Dollar in seinem Gründungsjahr wuchs der CIC bis Ende 2015 auf 746,7 Milliarden US-Dollar an.

SAMA Foreign Holdings (Saudi-Arabien)

In dem Foreign Holdings-Fonds verwaltet die saudische Zentralbank „Saudi Arabien Monetary Agency“ die Einkommen aus der Ölindustrie des Staates. Fondsvolumen Ende 2015: 668,6 Milliarden Dollar.

Kuwait Investment Authority

Auch der arabische Staat Kuwait möchte seine Einnahmen aus dem Öl möglichst gewinnbringend anlegen – und diversifiziert seine Investments an den internationalen Märkten. Das Volumen des Fonds beträgt 592 Milliarden Dollar. Einen Teil davon hat Kuwait bei einem deutschen Autobauer angelegt: Kuwait hält 6,8 Prozent der Anteile an Daimler.

SAFE Investment Company (China)

Am liebsten sicher möchte China sein Geld anlegen, wie das Akronym vermuten lässt. Dahinter verbirgt sich die „State Administration of Foreign Exchange“. Diese unterhält eine Tochtergesellschaft in Hongkong, die SAFE Investment Company, welche sich wie auch schon die China Investment Corporation um die Anlage der Devisenreserven des Landes kümmern soll. Das Volumen des zweitgrößten chinesischen Staatsfonds wird auf 547 Milliarden Dollar geschätzt.

Hong Kong Monetary Authority Investment Portfolio

Der Exchange Fund, ein Vorläufer des Fonds, wurde bereits im Jahr 1935 gegründet. Knapp 60 Jahre später, 1993, wurde schließlich die Hong Kong Monetary Authority gegründet, welche den Fonds managt. Ende 2015 wachte verfügte der über 417,9 Milliarden Dollar. Diese werden vor allem in die Hongkonger Börse Hang Seng investiert.

GIC Privat Limited (Singapur)

Der größte Staatsfonds Singapurs wurde bereits im Jahre 1981 gegründet. Zuletzt wachte er über eine Anlagevermögen von 344 Milliarden Dollar. Die Summe teilt sich auf gleich drei einzelne Fonds, die alle von der Mutter verwaltet werden. International deutlich bekannter ist indes der Singapurer Staatsfonds Temasek. Der landet mit einem Volumen von „nur“ 193,6 Milliarden Dollar lediglich auf Rang 11 der weltweit größten seiner Art.

Qatar Investment Authority

Das kleine Emirat Qatar am persischen Golf erfreut sich großer Öl- und Gasressourcen. Um den Gewinn daraus möglichst langfristig anzulegen, wurde 2005 die Qatar Investment Authority gegründet. Sie wacht über 256 Milliarden Dollar. Die für Deutsche wohl bekannteste Beteiligung besitzt die Investmentgesellschaft an Volkswagen: Insgesamt 17 Prozent hält der Staatsfonds über die Qatar Holding LLC am Wolfsburger Konzern.

National Social Security Fund (China)

Die Top Ten der größten Staatsfonds der Welt rundet ein chinesischer Fonds ab. Der National Social Security Fund wurde 2000 gegründet, um die Anlagen der sozialen Leistungen zu verwalten. Sein Volumen beträgt 236 Milliarden Dollar. Damit stammen von den zehn größten Staatsfonds der Welt gleich vier aus dem Reich der Mitte – das Hong Kong Monetary Authority Investment Portfolio inbegriffen.

Die Frauen werden immer wichtiger für das Königreich – und erlangen Stück für Stück ihr Rechte. Im Jahr 2015 durften sie erstmals an den Kommunalwahlen teilnehmen. Bereits zwei Jahre zuvor berief der König zum ersten Mal 30 Frauen in sein Beratergremium.

Vize-Kronprinz Mohammed bin Salman kann Unterstützung auch gut gebrauchen. Bis 2018 sollen durch den Börsengang des weltgrößten Ölproduzenten Saudi Aramco 600 Milliarden Dollar in die Kassen gespült werden. Es wäre der größte Börsengang der Geschichte. Zusammen mit Währungsreserven und Einnahmen aus Privatisierungen staatlicher Firmen und Immobilien sollen die Einnahmen aus den Aktienverkäufen Riads Staatsfond zur globalen Nummer eins machen – mit zwei Billionen Dollar Kapital. Zum Vergleich: Microsoft und die Google-Mutter Alphabet sind zusammen 1,4 Billionen Dollar wert.

Kommentare (8)

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23.02.2017, 15:02 Uhr

Ob Mann oder Frau spielt erst einmal keine Rolle. Es ist die Frage, ob Mann oder Frau auch in der Lage ist einen Marktwritschaftlichen und damit Gesellschaftlichen MEHRWERT zu schaffen. Die Basis für eine fortschrittliche Wissenschafts-, Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft = moderne Wohlstandsgesellschaft wird sein, sich genau mit dem Thema der marktwirtschaftlichen Mehrwertschaffung zu beschäftigen...bei jeder Tätigkeit, Forschungsprojekt, Produkt, dass man angeht, produziert und herstellt.
Oel ist ein Produkt ohne das die moderne Welt nicht machbar ist. Somit ist im Oel ein Mehrwert.
Die Energieträger Sonne und Wind besitzen diesen Mehrwert nicht. Somit zweifel ich schon mal an dieser einen "Erfolgsstrategie". Wenn ich also Hochtechnologie im Energiebereich haben und auf Dieselkraftwerke verzichten will, sollte man sich mit der Kernkrafttechnik anfreunden und diese in den Mittelpunkt von Forschung, Entwicklung für eine zukünftige Energieinfrastruktur stellen.
Sonne und Wind haben keine "Bildungszukunft-Wissenschaftszukunft". Die Kernkraft dagegen hat sehr viel Forschungs-,Entwicklungs- und Wissenschaftspotential.

Account gelöscht!

23.02.2017, 15:05 Uhr

Achso....und das Bild zu diesen Artikel von dieser Frau mit Narben im Gesicht und gewalttätiger Pose...ich weis nicht...sehr fortschrittlich, wissenschaftliche und zukunftsorientiert sieht das nicht gerade aus. Eher abschreckend und mittelalterlich....ja fast schon kindisch....so eine Art "Kriegerin" aus einen Phantasieroman.

Rainer von Horn

23.02.2017, 15:16 Uhr

@ Herr hofmann
Diese "Latifa" ist bestimmt von Tomb Raider abgekupfert oder von Alice aus Resident Evil im Kampf gegen die Umbrella Corporation....

Was mich noch interessieren würde ist, ob diese Powerfrauen auch Kopftuch tragen müssen, weiter als unrein gelten, in der Moschee getrennt von den Männern beten müssen und daheim bei ihrem Patriarchen was zu kamellen haben?

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