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31.03.2011

11:25 Uhr

Schattenbörsen

Investoren begeben sich in finstere Gefilde

VonSascha Mattke
Quelle:Zeit Online

Für professionelle Anleger entstehen im Schatten der großen Börsen immer obskurere Handelsplätze - der Markt zersplittert zusehends.

Er arbeitet nicht für einen "Dark Pool": Ein Mann auf dem Parkett der New Yorker Börse beobachtet Aktienkurse auf Computermonitoren. Quelle: dpa

Er arbeitet nicht für einen "Dark Pool": Ein Mann auf dem Parkett der New Yorker Börse beobachtet Aktienkurse auf Computermonitoren.

An den Börsen ist der Teufel los. Drunter und drüber geht es derzeit bei den Unternehmen, die große Handelsplattformen der Finanzwelt betreiben: Die Börsen von Frankfurt und New York wollen fusionieren, desgleichen die London Stock Exchange und die kanadische TMX Group. Auch BATS und Chi-X, zwei erst vor wenigen Jahren gegründete, alternative Handelsplätze mit ansehnlichem Marktanteil, haben verkündet, sich zusammenschließen zu wollen.

Doch es gibt auch eine - eher stille - Gegenbewegung zur aktuellen Vereinigungswut: Investmentbanken arbeiten mit Hochdruck daran, immer neue Marktplätze zu etablieren. Auf diesen bleiben die Börsenprofis unter sich, und selbst die dort ermittelten Kurse sind der Öffentlichkeit kaum zugänglich. Noch spielen diese sogenannten Dark Pools für den Gesamtmarkt eine geringe Rolle. Doch sie wachsen rasant, und das birgt erhebliche Risiken. "Es besteht die Gefahr, dass Effizienz und Zuverlässigkeit des Handels unterminiert werden", sagt etwa Rhodri Preece, Geschäftsführer des CFA Institute, einer Organisation, deren Ziel weltweite Standards im Investmentgeschäft sind.

Während Privatanleger sich selten Gedanken darüber machen, an welche Börse sie einen Auftrag schicken, ist das für Profis wie Fondsmanager oder Vermögensverwalter ein wichtiger Teil ihres Geschäfts. Mit ihren großen Ordern laufen sie Gefahr, die Kurse zu ihren Ungunsten zu beeinflussen. Ein großer Kaufauftrag kann nicht nur durch die erhöhte Nachfrage den Preis treiben. Andere Akteure bekommen mit, dass ein dringender Kauf ansteht, also bieten auch sie - und sorgen so für einen weiteren Anstieg. Dieser "Market Impact" sei die "größte Sorge", sagt Christoph Mast, Handelschef bei RCM/Allianz Global Investors, den Aktienexperten in der Vermögensverwaltungssparte der Allianz-Versicherung.

Weil das schon immer so war, gab es für die Profis unter den Anlegern auch immer Möglichkeiten, dem Licht der Öffentlichkeit zu entgehen. Der Fachbegriff dafür ist Handel Over The Counter (abgekürzt OTC, übersetzt bedeutet es so viel wie "über den Ladentisch"): Statt an einer Börse trifft man sich im Hinterzimmer oder am Telefon, um dort mit Kollegen oder Vermittlern aus den Investmentbanken zu einem diskreten Abschluss zu kommen. So können Angebot und Nachfrage ganz ohne den gefürchteten "Impact" zum Ausgleich kommen, beide Seiten sparen die Börsengebühr, und der Rest des Marktes erfährt, wenn überhaupt, erst mit Verzögerung von dem Geschäft.

Kommentare (1)

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Kronecker

31.03.2011, 13:27 Uhr

Der genaue Prozess der Kursfeststellung findet viel zu wenig Beachtung, dabei ist er die kritische Phase im Wertpapiergeschäft. Es handelt sich hierbei nämlich nicht um eine gewöhnliche Messung, sondern um eine Projektionsmessung, wo eben die Methode der Kursfeststellung den Kurs bestimmt. Hierbei von Effizienz zu reden, ist reine Augenwischerei und soll nur von der fortwährenden Möglichkeit der Kursmanipulation ablenken.

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