Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.07.2012

15:09 Uhr

Schatzwechsel-Auktion

Irland besteht den ersten Markttest

Es geht doch: Erstmals seit zwei Jahren hat Irland wieder Geld am Kapitalmarkt eingesammelt. Die Nachfrage war groß. Die irische Regierung nutzte geschickt die günstige Stimmung an den Märkten.

Die irische Regierung um Enda Kenny strebt nachträgliche Erleichterungen an. Reuters

Die irische Regierung um Enda Kenny strebt nachträgliche Erleichterungen an.

Irland hat sich erstmals seit fast zwei Jahren wieder an den Kapitalmarkt gewagt. Das Land verkaufte Dreimonats-Papiere mit einer Rendite von 1,8 Prozent. Das Volumen lag wie angepeilt bei 500 Millionen Euro, die Emission war 2,8-fach überzeichnet.

"Irland kehrt heute viel früher auf den Markt zurück, viel früher als irgendjemand hätte erwarten können. Das sollte man feiern. Ein (Spar-)Programm kann sich lohnen. Das Finanzumfeld dürfte deswegen ein wenig weniger gespannter sein als noch vor einem Monat", sagte EZB-Präsident Mario Draghi auf der Pressekonferenz im Anschluss an die heutige Leitzinssenkung.

Irland profitiert von den auf dem EU-Gipfel in der vergangenen Woche beschlossenen Maßnahmen zur direkten Rekapitalisierung von Banken. Die irische Regierung unter Ministerpräsident Enda Kenny möchte, dass dem Land nachträglich Erleichterungen gewährt werden. Irland hat 64 Milliarden Euro in die Rettung seiner Banken gesteckt."

Der positive Schwung nach dem EU-Gipfel lässt es opportun erscheinen, jetzt wieder an den Markt zu kommen", sagte Ryan McGrath, Bondhändler bei Dolmen Securities in Dublin. Dies werde dem Markt Zuversicht geben, dass Irland im Zeitplan bleibt, um sein Ziel zu erreichen, Mitte 2013 wieder vollständigen Zugang zum Kapitalmarkt zu erhalten.

Irlands Reformen

Ausgangslage

Irland war als erstes Land der Euro-Zone in die Finanzkrise geraten und hatte sich nur mit einem internationalen Hilfspaket aus dem Strudel befreien können. Zahlreiche Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, aber einiges bleibt noch zu tun.

Umgesetzte Maßnahmen

• Senkung der Steuerfreibeträge bei Erbschaften, seit 2009
• Mineralölsteuererhöhungen für Diesel um 5 Cent/Liter, seit 2009 sowie um 4 Cent Benzin und um weitere 2 Cent Diesel, seit 2010
• Übergangsweise Einführung einer Flugverkehrssteuer von 3 Euro pro Fluggast, seit 01.03.2011
• Einführung Kohlenstoffemissionssteuer mit 15 Euro pro Tonne (Dez. 2009) Erhöhung auf 20 Euro ab Mai 2012
• Anpassung der Steuergrenzbeträge, maximalen Einkommensteuersatz von 41% ab 32.800 statt 36.400 Euro
• Senkung Einkommensteuerfreibeträge von 1.830 auf 1.650 Euro, ab 2011
• Anhebung der MwSt. von 21 auf 23%, ab 2012
• Erhöhung Kapitalertragssteuer von 20 auf 30%, ab 2012
• Aufhebung Beitragsbemessungsgrenzen für Sozialversicherungen
• Besteuerung der Boni von Bankangestellten, deren Bank vom irischen Staat gerettet wurde, mit 90%
• Kürzung von Pensionen
• Restrukturierung maroder Banken sogar über Zeitplan (Fusionen, Erneuerung des Managements)
• Senkung der Gehälter im öffentlichen Dienst (5% der ersten 30.000 Euro, 7,5% Teil bis 40.000 Euro und 10% Teil bis 55.000 Euro)
• Erhöhung Tabaksteuer um 25 Cent für 20 Zigaretten, ab 06.12.2011

Geplante Maßnahmen

• Einführung Trinkwasserabgabe i. H. v. etwa 250 bis 400 Euro pro Haushalt, bis 2014
• Staatsdefizit von 2011 bis 2014 um 15 Mrd. Euro senken – 10 Mrd. Euro Ausgabensenkungen/5 Mrd. Euro Einnahmenerhöhungen
• Immobiliensteuer derzeit 100 Euro pro Wohneinheit – geplant Grundsteuer
• Streichung von 6.000 Stellen im öffentlichen Dienst in 2012, Einsparungen von (400 Mio. Euro p.a.)
• Erhöhung des Renteneintrittsalters in 2014 auf 66 Jahre, in 2021 auf 67 Jahre und in 2028 auf 68 Jahr
• Erhöhung der Studiengebühren

Irland hat, anders als Griechenland und Portugal, den Geldmarkt nicht mehr in Anspruch genommen, seit das Land 2010 ein Rettungspaket erhielt. Die Rendite der Irland-Anleihe mit Fälligkeit 2020 stieg am Mittwoch um vier Basispunkte auf 6,27 Prozent. Am Montag war die Rendite bis auf 6,22 Prozent gesunken, das war der niedrigste Wert seit Oktober 2010.

Die Anleiherendite von Spanien fiel mit einer deutlichen Steigerung von 14 Basispunkten auf. Das Euro-Sorgenkind konnte zwar wie geplant Anleihen mit Laufzeiten bis 2015, 2016 und 2022 im Umfang von drei Mrd. Euro am Markt unterbringen und damit das angestrebte Maximalziel erreichen, wie die spanische Zentralbank in Madrid erklärte. Mit 6,43 Prozent musste allerdings im Vergleich zu der zurückliegenden Auktion eine höhere Durchschnittsrendite bei zehnjährigen geboten werden.
Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 1,46 Prozent um einen Basispunkt höher. 30-jährige Bundesanleihen rentierten bei 2,28 Prozent unverändert. Der richtungsweisende Kontrakt Bund-Future war bei 142,34 Prozent zum Vortag um zwei Basispunkte höher. Gegen den Trend stiegen britische Gilts wegen Spekulationen auf vermehrte Bondkäufe der Bank of England. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten drei Basispunkte niedriger.

Spanien: Von den Iren lernen

Video: Spanien: Von den Iren lernen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.


Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

05.07.2012, 12:16 Uhr

Die sind in der EU, an den Euro gekoppelt...also nur eine Frage der Zeit bis das wieder abwärts geht.

Rechner

05.07.2012, 12:31 Uhr

Das besagt überhaupt nichts.

Diese Kurzläufer werden von irischen Bankhäusern gekauft, die im Falle einer Staatspleite Irlands sowieso pleite wären.

Griechenland verkauft trotz bailout ständig drei- und sechsmonatige Papiere.

Erst am 19.6.2012 hat Griechenland dreimonatige Geldmarktpapiere für 1,6 Milliarden begegeben. Angebote wurden für 2,188 Milliarden gemacht, der Zinssatz lag bei 4,31%.

----------------------------------------

Wesentlich aussagekräftiger sind die Marktzinssätze für die 2020 fälligen Papiere.

Hieraus kann man schon die Möglichkeit für eine Rückkehr Irlands an den Kapitalmarkt ableiten. Aber das wird nur gelingen, wenn Irland seine Sparanstrengungen verstärkt:

2011 lag das Staatsdefizit Irlands mit 13% BSP deutlich höher als das Griechenlands.

Und genug Speck ist da: von 2001 bis 2011 stiegen die Gehälter im öffentlichen Dienst um 82,1%, die Sozialleistungen sogar um satte 151,2%.

------------------------------------------------

Der hauptsächliche Grund dafür daß diese Nordgriechen eine Sonderbehandlung erfahren liegt darin daß von einer Pleite Irlands insbesondre Londoner Banken stark betroffen wären.

Auch haben die USA ein besonderes Interesse daran, dieses steuergünstige Einfallstor in die EU zu behalten.

Also hält hier die internationale Finanzmafia - inklusive Ratingagenturen und IMF - die Schlagzahl wesentlich niedriger als beim Club Med.

matze

05.07.2012, 13:00 Uhr

@rechner, da stimmen wir mal überein. nun, meine these die krise der staatsfinanzen wird fix mit dem einkrafttretten des esm vorbei sein. was ich natürlich nicht hoffe, ich baue darauf das uns unser verfassungsgericht unsere "unantastbare würde" bewahrt. nun, warum. wer manipuliet die zinsen? wie bilden sich die zinssprads der staaten im süden? wer könnte die europäischen staaten nun scho einige jahre an der nase herumgeführt haben? in welchem land fängt gerade die aufklärung des wahrscheinlich größten finanzskandales in der niedergeschriebenden geschicht der menscheit? wo liegen also die problem?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×