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28.01.2005

06:25 Uhr

Schlechte Stimmung

Trotz Kritik hält Morgan Stanley an seiner Strategie fest

VonTobias Moerschen (Handelsblatt)

Er gibt sich große Mühe, das muss man Philip Purcell lassen. Gestern präsentierte der Chef der traditionsreichen New Yorker Investmentbank Morgan Stanley seine Firma nicht nur persönlich bei einer Investorenkonferenz des Bankriesen Citigroup. Er brachte auch noch seinen Stellvertreter Vikram Pandit und seinen Finanzchef David Sidwell mit.

HB NEW YORK. Den Aufwand hätte Purcell sich sparen können. Denn Analysten und Investoren stellten wieder nur die gleichen kritischen Fragen, und der Morgan-Stanley-Chef gab wieder die gleichen trotzigen Antworten. Seit Jahren verlangen Investoren, Morgan Stanley solle das wenig rentable Geschäft mit Privatkunden, die Fondssparte und das Kreditkarten-Netzwerk Discover verkaufen. Und seit Jahren lehnt Purcell diese Forderungen ab. „Die Geschäftsbereiche ergänzen sich, und der Verkauf eines Teils hätte negative Auswirkung auf die anderen Sparten“, versicherte Purcell.

Doch Analysten und Investoren wollen eine fokussierte Investmentbank. „Morgan Stanley hat eine hervorragende Sparte, das traditionelle Investment-Banking, und mehrere schwache Bereiche“, sagt Neal Ep-stein, Partner beim New Yorker Vermögensverwalter Avatar Associates. Das mache es schwer, die Aktie zu lieben. Morgan Stanleys Aktienkurs verlor in den vergangenen zwölf Monaten zehn Prozent, während die New Yorker Rivalen Goldman Sachs und Merrill Lynch deutlich besser abschnitten. Ganz zu schweigen vom Gesamtmarkt, der im gleichen Zeitraum zulegte. In der Vertrauenskrise um Morgan Stanley steckt jedoch eine Chance für mutige Anleger: Falls der zähe, schon oft unterschätzte Purcell Recht behält, wird Morgan Stanley dieses Jahr dramatisch verbesserte Ergebnisse erzielen. Davon können Investoren profitieren, die jetzt die Aktie kaufen.

Umgekehrt kann die Stimmung an der Wall Street nicht mehr viel schlechter werden gegenüber der Investmentbank, die einst aus der Zerschlagung des legendären „House of Morgan“ entstand. Der Name stammt vom Starbanker John Piermont Morgan, der einst fast die gesamte US-Wirtschaft von den Rockefellers bis zu den Carnegies finanzierte. Seit Morgan Stanley zur Jahrtausendwende mit dem eher auf die Mittelklasse ausgerichteten Wertpapierhändler und Kreditkartenanbieter Dean Witter Discover fusionierte, hat der einst makellose Ruf gelitten. Purcell stieß von Dean Witter Discover zu Morgan Stanley. Viele waren überrascht, als er sich in einem Machtkampf gegen den Investmentbanker John Mack durchsetzte.

Unzufriedene Investoren haben zuletzt den Druck auf Morgan-Stanley-Chef Purcell erhöht. „Die Probleme müssen schnell angegangen werden, wenn der Wert des Unternehmens nicht dauerhaft sinken soll“, wetterte Anfang des Jahres Scott Sipprelle, Chef des New Yorker HedgeFonds Copper Arch Capital. Sipprelle kennt Morgan Stanley aus erster Hand: Er leitete einst das gesamte Aktiengeschäft der Investmentbank.

Analysten Guy Mozkowski von der Investmentbank Merrill Lynch bis zu Richard Bove vom Wertpapierhaus Punk-Ziegel stimmen in den Chor der Kritiker ein. Bei jedem öffentlichen Auftritt muss Purcell die Frage beantworten, die auch gestern ein Zuhörer stellte: „Wann verkaufen Sie ihr Privatkunden-Geschäft, die Fondssparte und die Kreditkarten-Tochter?“ Doch Purcell, Anfang 60, hält bis-lang an seiner Strategie fest. „Wir werden die Kosten im Privatkundengeschäft senken und so wesentlich höhere Erträge erzielen“, versprach er. Bei Discover hofft Purcell auf Wachstum durch eine Ausweitung des Kreditkarten-Netzwerks. Dazu soll die kürzlich verkündete, exklusive Zusammenarbeit mit dem weltgrößten Handelskonzern Wal-Mart beitragen.

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