Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.06.2013

18:00 Uhr

Schlussbericht Börse Frankfurt

Dax schließt knapp unter 8100 Punkten

Ein kräftiger Schlussspurt bewahrte den Dax am Donnerstag vor größeren Verlusten. Doch nach dem kurzzeitigen Rutsch unter die 8000 Punkte wächst die Angst vor weiteren Rücksetzern.

Börse am Abend

Video: Börse am Abend

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtEin Kursrutsch an der Tokioter Börse hat die Anleger am Donnerstag von den europäischen Aktienmärkten vertrieben. Der Dax fiel erstmals seit Anfang Mai zeitweise unter die Marke von 8000 Punkten. Einer starker Schlussspurt am Nachmittag verhinderte allerdings schlimmeres. Am Ende ging der deutsche Leitindex mit einem Verlust von 0,59 Prozent auf 8095 Punkte aus dem Handel. Der Volatilitätsindex VDax, der die Nervosität der Dax-Anleger misst, stieg im Gegenzug um bis zu 9,4 Prozent auf 22,02 Punkte.

Die japanische Börse traf es noch härter, der Nikkei rauschte um 6,4 Prozent in den Keller und schloss mit 12445 Zählern auf dem niedrigsten Stand seit Anfang April. Die Anleger nutzten die Spekulationen auf eine Drosselung der US-Anleihenkäufe dazu, ordentlich Kasse zu machen, sagt Oliver Wallin von Octopus Investments. Bis Ende Mai hatte der Nikkei - angetrieben durch die ultralockere Geldpolitik der Fed und der Bank of Japan - noch 40 Prozent im Plus gelegen. Inzwischen kommt er seit Januar nur noch auf einen Aufschlag von rund 20 Prozent. Auch beim Dax sind die Gewinne in diesem Zeitraum von zeitweise zwölf auf fünf Prozent zusammengeschmolzen.

US-Konjunkturdaten konnten den Märkten am Nachmittag keinen neuen Auftrieb geben, obwohl die Einzelhandelsumsätze im Mai höher ausfielen als gedacht und sich in der Vorwoche überraschend wenige US-Amerikaner erstmals arbeitslos meldeten.

Börsen im Minus - Eine Analyse

Was hat die Talfahrt ausgelöst?

Börsianer verweisen auf die gesenkten Wachstumsprognosen der Weltbank. Zudem geht an den Märkten die Angst vor dem Ausstieg der Notenbanken aus der Politik des billigen Geldes um. In der Krise hat die Geldpolitik Milliarden in die Märkte gepumpt und die Zinsen auf Rekordtief gehalten. Das hat alternative Anlagen unattraktiv gemacht und die Menschen in Aktien getrieben. Die bange Frage lautet nun: Wann beginnen die Währungshüter, den Geldhahn zuzudrehen?

Sind Kursrückgänge also programmiert?

Nein, nicht zwangsläufig. Die Spekulation über den künftigen Kurs von EZB und US-Notenbank Fed werde wohl ein wichtiger Faktor für die Kursentwicklung an den Aktienmärkten bleiben, schreibt Helaba-Expertin Claudia Windt: „Insofern kommt es gegenwärtig darauf an, dass insbesondere in den USA die Konjunkturdaten zwar robust genug ausfallen, um neuerliche Wachstumsängste zu verhindern. Sie dürfen aber auch nicht zu stark sein, denn sonst droht ein früheres Ende der quantitativen Lockerungsmaßnahmen.“ Dabei dürfe allerdings die Bedeutung der Geldpolitik auch nicht überschätzt werden, denn für die Perspektive von Aktien ist die Gewinnentwicklung der Unternehmen mindestens genauso wichtig.

Sind die Reaktionen an den Aktienmärkten übertrieben?

Sie fallen zumindest heftig aus. Der Dax rutschte am Donnerstag vorrübergehend unter die 8000-Punkte-Marke. Zur Erinnerung: Erst am 22. Mai war der Leitindex im Tagesverlauf auf sein Allzeithoch von 8557,86 Punkten geklettert. Das Schlusshoch lag am gleichen Tag bei 8530,89. Auch der Nikkei hatte am 22. Mai bei 15 627,26 Punkten ein Rekordhoch erreicht, getrieben von der beispiellosen Geldschwemme der japanischen Notenbank. Doch die Wirkung der lockeren Geldpolitik in Japan scheint bereits verpufft. Allein am Donnerstag sackte der Nikkei-Index um 6,35 Prozent auf 12 445,38 Punkte ab.

Ist der Höhenflug des Dax nun vorbei?

Das kann niemand seriös vorhersagen. Fakt ist: Die Geldflut der Notenbanken ist ein wichtiger Grund für die Kursrally der vergangenen Wochen und Monate. Und an einen raschen Ausstieg ist angesichts der schwachen Konjunktur derzeit weder bei der Fed noch bei der EZB zu denken. Peter Fehrenbach, Investmentchef bei Vermögensmanagement EuroSwitch, sieht auf den Aktienmärkten sogar noch Luft nach oben: „Sicherlich können die Börsen in den nächsten Monaten noch volatil sein, doch schaut man sich die Aktienmärkte aus einer längerfristigen Perspektive an, dann muss einem bei den heutigen Börsenständen nicht schwindelig werden.“

Zu den größten Verlierern im Dax gehörten die Titel von Thyssen-Krupp, die sich um 2,39 Prozent verbilligten. Neue Probleme mit dem verlustreichen Stahlwerk in Brasilien belasteten die Titel. Wegen "Prozessinstabilität" ist einer von zwei Hochöfen vor rund einem Monat außer Betrieb genommen worden. Anleger fürchten, dass dies die laufenden Verhandlungen über einen Verkauf des Werks erschweren könnte.

Gekauft wurden dagegen die Aktien von HeidelbergCement, die 0,58 Prozent nachgaben. Am Mittwoch hatten sie noch um rund fünf Prozent verloren, nachdem Morgan Stanley die Titel auf "Equal-Weight" heruntergestuft hatte. Die negative Einschätzung wirke noch nach, sagte ein Händler. Auf der Gewinnerseite standen zudem die Versorgeraktien, die Händlern zufolge von ihrem Image als weniger konjunkturabhängige Titel profitierten. Eon legten 1,43 Prozent zu, RWE 0,34 Prozent.

Im MDax trieben Übernahmespekulationen Rhön-Klinikum trotz eines Dividendenabschlags um bis zu um 5,35 Prozent nach oben. Bei dem Aktionärstreffen am Mittwoch, auf dem die Anteilseigener die Streichung der Übernahmehürde von 90 Prozent aus der Firmen-Satzung durchsetzten, wurden Stimmen von Großaktionär B.Braun nicht berücksichtigt. Dadurch kam es zu einer denkbar knappen Entscheidung. Rhön teilte mit, dass B. Braun eine Anfechtungsklage gegen die Beschlüsse der Hauptversammlung angekündigt habe. Mit dem Wegfall der 90-Prozent-Klausel könnte der Gesundheitskonzern Fresenius einen zweiten Anlauf zur Übernahme von Rhön starten.


Kommentare (51)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Logical

13.06.2013, 07:33 Uhr

das hirnlose Gezocke geht weiter.
Wenn man bedenkt, bis der Crash in Japan losging und selbst als der Nikkei schon über 1000 Punkte an zwei Tagen verloren hatte, versuchten die Analysten noch, die Kleinanleger zu Aktienkäufen zu ermutigen. Aktien seien alternativlos zu den niedrigen Zinsen, wurde gebetmühlenartig in allen Medien völlig übereinstimmend verbreitet. Hoffentlich sind diesen miserablen Tricks nicht zu viele aufgesessen, denn deren Geld ist nun futsch, vermutlich in den Händen derjenigen, die eben die Analysten und Medien dafür bezahlen....... Sie sind um dieses Geld reicher!!!

Knall

13.06.2013, 07:52 Uhr

Richtig,
die haben bei 8400-500 noch ins Horn geblasen, Sachanlage
usw., alternativlos für die Alterforsorge.
Viel Spaß denen die daran geglaubt haben und jetzt 400-500 Punkte schief liegen.
Es hat auf diesem Niveau,nur durch billiges Geld gestiegenem Markt, wieder mal niemand gewarnt.

Account gelöscht!

13.06.2013, 08:00 Uhr

Wieso "futsch"? Wenn ich nicht vor einer Woche noch immer mit soliden Gewinnen aus meinen Aktienbeständen ausgestoppt worden wäre, wäre ich auch bei 8000 noch locker im Plus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×