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07.01.2013

17:40 Uhr

Schlussbericht Börse Frankfurt

Dax verliert an Schwung

Die Dax-Rally hat eine kleine Verschnaufpause eingelegt. Gewinnmitnahmen sorgten am Montag an den deutschen Aktienmärkten für Kursverluste. Viele Börsianer bleiben aber weiherhin optimistisch gestimmt.

Börse Frankfurt am Mittag

Video: Börse Frankfurt am Mittag

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FrankfurtNach dem starken Jahresauftakt haben einige Anleger am Montag Kasse gemacht. Ein kräftiges Kursplus der Finanzwerte verhinderte allerdings einen größeren Rücksetzer. Der Dax ging am Ende mit einem Minus von 0,56 Prozent auf 7.732 Punkte aus dem Handel. Auch bei Rohstoffen wie Öl oder Kupfer nahmen Investoren Gewinne mit.

Der europäische Bankenindex stieg unterdessen um bis zu 2,2 Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 173,67 Punkten. Der Baseler Ausschluss für Bankenaufsicht hatte den Instituten vier Jahre mehr Zeit eingeräumt hatte, um ihre Liquiditätspuffer aufzufüllen. "Dieser Schritt verschafft der Branche etwas Luft zum Atmen", sagte KBC-Volkswirt Koen De Leus.

Innerhalb des Sektors gehörten die französische Credit Agricole, die Deutsche Bank, die italienische Unicredit und die britische Barclays mit Kursgewinnen zwischen 3,3 und 3,8 Prozent zu den Favoriten. Deutsche Bank markierten in der Spitze mit 36,44 Euro ein Neun-Monats-Hoch. Die Commerzbank-Aktien gewannen mehr als vier Prozent.

Die wichtigsten Fragen zum Börsenjahr 2013

Kann ich mit sicheren Anlagen die Inflationsrate schlagen?

Nein. Und das dürfte vorerst auch so bleiben, weil Zentralbanken und Regierungen die Zinsen unten halten. Nur so können sie vermeiden, dass Staaten von den Schulden erdrückt werden. Wer die Inflation schlagen will, muss begrenzt Risiken eingehen. Mit Aktien zum Beispiel.

Soll ich mein Eigenheim jetzt sanieren

Wann, wenn nicht jetzt? Zehnjähriges Baugeld gibt’s für 2,5 Prozent, von der staatlichen KfW für eine neue Heizung oder ein gedämmtes Dach sogar ab einem Prozent. Auch der Einsatz von Erspartem lohnt: Auf der Bank bringt es kaum Zinsen, und Investitionen für Dämmung und Heizung schützen gut vor Inflation. Die wird stark von Öl-, Gas- und Strompreisen getrieben. Und: Maßnahmen, die Erhalt und Modernisierung dienen, steigern den Wiederverkaufswert.

Fällt der Garantiezins meiner Lebensversicherung

Am Garantiezins aus alten Verträgen kann die Finanzaufsicht nur im Notfall rütteln. Wer neu abschließt, bekommt 1,75 Prozent auf Beiträge garantiert, nach Abzug von Provision und Kosten. Der Garantiezins orientiert sich an der Rendite von AAA-Anleihen im Schnitt der vergangenen zehn Jahre (zuletzt 3,7 Prozent). 60 Prozent davon können sich Versicherer als Garantiezins noch leisten – etwa 2,2 Prozent. Noch bleibt Luft.

Ist es Zeit, Schwarzgeld zu legalisieren?

Das Schweizer Bankgeheimnis ist praktisch erledigt, weitere Steuer- CDs können durchaus noch in die Hände der Finanzbehörden geraten. Und: Per Selbstanzeige kommen Steuerhinterzieher relativ milde davon. Das muss aber nicht so bleiben. Nebenbei: Was passiert, wenn Bürger ihre Steuern nicht zahlen, lässt sich in Griechenland besichtigen.

Soll ich mein Vermögen zu Lebzeiten schon verschenken?

Jedes Elternteil darf jedem Kind alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei schenken. Schön fürs Kind: Es bekommt das Elternhaus schon zu deren Lebzeiten und spart Steuern. Wer seine Villa nur steueroptimiert übertragen, aber selbst noch bewohnen will, sollte vorsichtshalber ein Nießbrauchsrecht eintragen lassen. Mit Kindern kann man sich zer- streiten, Verschenktes aber nur bei „grobem Undank“ zurückfordern. Die Hürden dafür aber sind hoch.

Ist mein Geld auf der Bank sicher?

Käme eine deutsche Bank oder Sparkasse in Schieflage, müssten zunächst die Einlagensicherungs-systeme der Geldhäuser die Sparer entschädigen. Doch klar ist: Bei Pleite einer sehr großen Bank oder einer Kettenreaktion wären die Töpfe schnell leer. Unabhängig davon garantiert daher seit Ende 2010 das Gesetz pro Kopf und Bank 100.000 Euro; wer mehr hat, sollte das Geld also auf mehrere Banken verteilen.

Droht ein Aktiencrash?

Eher nicht. Aktien sind, gemessen an der global schwachen Konjunktur und der Euro-Krise, zwar schon recht weit gelaufen. Und Aktienkurse zieht es nach unten, wenn die Wirtschaft darbt. Aber Investoren suchen Rendite. Sichere Staatsanleihen bringen zu wenig. Aktien solide geführter Konzerne mit guten Dividenden rentieren höher als Anleihen der Unternehmen. Wer Geld übrig hat, steckt einen Teil in solide Aktien.

Soll ich in Währungen außerhalb des Euro investieren?

Die goldene Regel heißt: Setze nie alles auf eine Karte. Das gilt auch für Währungen. Problem: Die Fluchtwährungen, allen voran der Schweizer Franken, sind schon sehr teuer. Ein paar norwegische, schwedische oder kanadische Staatsanleihen aber können Sie Ihrem Depot ruhig beimischen.

Wie sichere ich meine Kinder ab?

Indem Sie sicherstellen, dass sie etwas bekommen, wenn Ihnen etwas zustößt: Unerlässlich ist eine Risikolebensversicherung, für etwa 30 Euro monatlich gibt es im Todesfall 250 000 Euro. Dazu regelmäßig eine feste Summe ansparen, am besten in Aktien für ein Kinderdepot. Vorsichtige schließen noch eine Kinder-Invaliditätsversicherung ab, die greift weiter als eine Unfallpolice.

Soll ich jetzt Schulden machen?

Kredite sind billig, Konsum kurbelt die Wirtschaft an. Ist Ihr Job sicher, kaufen Sie sich was Schönes, viel Zinsen gibt es sowieso nicht. Bei Immobilien gilt: Auch Niedrigzins-Kredite müssen verlängert und zurückgezahlt werden. In zehn Jahren können die Zinsen viel höher sein. Wer zu wenig tilgt, ist bis zur Rente nicht schuldenfrei. Baukredite also nur so hoch ansetzen, dass Sie die Rückzahlung in einem vernünftigen Zeitraum stemmen können.

Soll ich meine Immobilie verkaufen?

Die Preise sind hoch, eigentlich ein guter Zeitpunkt. Aber die Euro-Krise ist nicht gelöst, Sachwerte bleiben gefragt. Wer verkaufen will, braucht vor allem aber einen Plan, wie er das Geld anlegt. Wer es nur auf dem Sparbuch parken möchte, sollte seine vermietete Wohnung behalten. Das gilt erst recht für das Eigenheim – so man sich wohl darin fühlt.

Soll ich Gold kaufen?

Im Zweifel ja. Wer Gold als Währung betrachtet, kann Papier immer in Edelmetall tauschen, egal, zu welchem Preis. So gesehen ist Gold das einzige Tauschmittel, das Inflation und Währungsreform überlebt hat. Wer davor Angst hat, kauft Gold – als Versicherung.

Gibt es sicheres Tagesgeld für mehr als zwei Prozent Zins?

Kaum. Solange die EZB Banken Geld für 0,75 Prozent gibt, müssen nur kapitalschwache Institute für zwei bis drei Prozent Geld sammeln. Oft greift dann nur die ausländische Einlagensicherung. Bei Pleiten wird es mühsam, an sein Geld zu kommen.

Soll ich in Oldtimer, Kunst, Uhren oder Wein investieren?

Klar doch, wenn Sie Spaß daran haben – und etwas davon verstehen. Die Angst vor Inflation treibt die Preise von Sachwerten, auch von schönen, nutzlosen, wie Cézanne und Mercedes SL. Aber Vorsicht: Laien werden von Experten übervorteilt. Lassen Sie sich unabhängig beraten, auch wenn das erst mal Geld kostet.

Den aktuellen Durchhänger des Aktienmarktes bezeichneten Börsianer als vorübergehend. "Der Investitionswille ist aber da", sagte ein Händler. "Alle wollen im Dax die 8.000 Punkte sehen." Die Analysten von HSBC erwarten an den globalen Aktienmärkten in diesem Jahr eine Rendite von rund 15 Prozent. Vor allem die lockere Geldpolitik der Notenbanken dürfte den Börsen weiter Auftrieb geben, urteilten die Experten. HSBC favorisiert europäische Aktien außerhalb Großbritanniens sowie Schwellenland-Titel.

Am Rentenmarkt erholte sich der Bund-Future etwas von seiner Talfahrt der Vorwoche und legte um 33 Ticks auf 143,08 Punkte zu. In den ersten drei Handelstagen 2013 hatte er rund drei Zähler eingebüßt. Eine Trendwende sei aber nicht in Sicht, betonte ein Börsianer. Daher müsse mit weiteren Kursverlusten des Terminkontraktes auf die zehnjährige Bundesanleihe gerechnet werden.


Im Rampenlicht stand neben den Banken auch Daimler. Einem Bericht der Internet-Seite "People's Daily Online" zufolge will die China Investment Corporation vier bis zehn Prozent der Anteile am Stuttgarter Autobauer übernehmen. Weder CIC noch Daimler China wollten sich zu diesem Thema äußern. Ein Insider sagte Reuters, der Bericht entbehre jeder Grundlage. Die Daimler-Papiere legten dennoch um knapp ein Prozent zu.

Eine Verkaufsempfehlung der Deutschen Bank machte den Versorgertiteln zu schaffen. RWE gehörten im Dax mit einem Abschlag von drei Prozent zu den größten Verlierern, Eon -Titeln gaben 1,69 Prozent nach. Es gebe weitere Risiken für die Gewinnentwicklung der Versorger in Zentral- und Nordeuropa, urteilten die Deutsche-Bank-Analysten.

Was 2012 aus 1.000 Euro wurde

Zypriotische Aktien (CSE)

407 Euro

Öl (WTI)

899 Euro

Spanische Aktien (Ibex)

968 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai Composite)

989 Euro

Sparbuch (Durchschnitt)

1005 Euro

Tagesgeld (Durchschnitt)

1014 Euro

US-Staatsanleihen

1029 Euro

Gold

1034 Euro

Bundesanleihen

1038 Euro

Dow Jones

1049 Euro

Silber

1052 Euro

Nikkei 225

1069 Euro

EuroStoxx 50

1149 Euro

Schweizerische Aktien (SMI)

1167 Euro

Italienische Staatsanleihen

1203 Euro

Euro-Unternehmensanleihen (Non-Investment-Grade)

1242 Euro

Irische Staatsanleihen

1297 Euro

Dax

1299 Euro

Griechische Aktien (ASE)

1342 Euro

Griechische Staatsanleihen (inkl. Schuldenschnitt, ohne Rückkauf)

1452 Euro

Türkische Aktien (ISE 100)

1576 Euro

Venezolanische Aktien (IBC)

2882 Euro

Die im deutschen Kleinwerte-Index SDax gelisteten Titel von Air Berlin gaben 1,3 Prozent auf 1,53 Euro nach. Firmenchef Helmut Mehdorn hatte überraschend sein Amt aufgegeben. Sein Nachfolger wird den Angaben zufolge Wolfgang Prock-Schauer, der bei der Fluggesellschaft bislang die Streckenplanung verantwortet.

Kommentare (16)

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Tingeltangel-Bob

07.01.2013, 07:46 Uhr

Wie einem so ein Artikel gleich zu Beginn der Woche, Aktienkäufe vermiesen kann!

Wieder so ein typischer Artikel vom Handelsblatt, dass non-stop voll auf den medialen Aufbausch setzt und Käufen (fälschlicherweise) animieren soll.

*********
Der Dax könnte weiter zulegen
*********

Oder auch nicht! Daran schon mal gedacht?? Vor allem die Begründung "Viele Investoren kehren in dieser Woche erst aus ihrem Weihnachtsurlaub zurück" lässt doch sehr an der kritischen Recherche für diesen Artikel zweifeln.

Wir wünschen uns, dass das Handelsblatt sich endlich mal zu einem etwas kritischeren und mehr sachlich orientierten Journalismus hinwendet wie denen gestern in der F.A.S (liest die hier überhaupt jemand): "Alles steigen kann, wird irgendwann auch fallen müssen" (oder so ähnlich war der Titel)

Seit Okt./Nov. habe ich glaube ich KEINEN EINZIGEN den Märkten gegenüber kritischen (nein: nicht alles ist schlecht - stil) Artikel gelesen.

Ich glaube eher, die behäbigen Handelslbatt-Artikel kommen erst aus den Ferien zurück. Ich und viele andere aktive trader hängen seit dem 03.01. an den Screens wie die Fliegen an der Sch****e.

BTW: Guten Morgen. :D

Schlaraffenland

07.01.2013, 07:47 Uhr

Kommentare zu: Der Dax könnte weiter zulegen
... na klar, seit Draghi gibt es keine fallenden Kurse mehr, immer nur weiter kaufen, kaufen, kaufen, die nächsten Urlaube , das Auto, die Rolex etc. etc. bezahlen sich wie von selbst!

kraehendienst

07.01.2013, 08:06 Uhr

"Wir wünschen uns, dass das Handelsblatt..." - Sie haben vollkommen Recht! Es wirkt wie WIRTSCHAFTSBILD.DE!
Und BILD macht das nur, wenn die Hausse 30 Tage vor dem Ende steht.

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