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09.03.2012

17:54 Uhr

Schlussbericht Börse Frankfurt

Kursfeuerwerk beim Dax blieb aus

Der Schuldenschnitt in Griechenland ist beschlossen, aber die Rally bleibt aus. Der Dax geht mit einem leichten Plus ins Wochenende. Mit Sorgen schauen Anleger auf den Kurs des Euro.

Positives Echo auf griechischen Schuldenschnitt

Video: Positives Echo auf griechischen Schuldenschnitt

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FrankfurtAnlegern ist dank der hohen Beteiligung am griechischen Schuldenschnitt einerseits ein Stein vom Herzen gefallen. Andererseits hielten die Zweifel an, dass der Mittelmeer-Anrainer seine Schuldenlast langfristig schultern kann. Außerdem blieb unklar, ob die Kreditausfall-Versicherungen (Credit Default Swaps, CDS) auf griechische Anleihen doch noch fällig werden.

Knapp 86 Prozent der privaten Gläubiger stimmten dem griechischen Anleihe-Tausch zu, womit die für die angestrebte Entlastung erforderliche Teilnahmequote von 90 Prozent knapp verfehlt wurde. Jetzt drohen Zwangsabschläge. Der Derivate-Verband ISDA könnte dies dann als „Kreditereignis“ einstufen und damit die Voraussetzung zur Auszahlung der CDS schaffen.

Stimmen zum Schuldenschnitt

Ulrike Kastens, Sal. Oppenheim

„Es sieht danach aus, dass die Umschuldungsklauseln CACs rückwirkend kommen werden. Jede Milliarde für Griechenland ist nötig, um ein signifikantes Ergebnis für den Schuldenschnitt zu bekommen. Aber wir dürfen uns keiner Illusion hingegen.
Griechenland wird weiter erhebliche Schwierigkeiten haben, die Vereinbarungen mit EU und IWF einzuhalten. Sie werden davon nur einen Teil erfüllen können. Die Prognosen etwa des IWF halten wir für viel zu optimistisch. Deshalb wird es wahrscheinlich noch ein drittes Paket für Griechenland geben. Mittelfristig muss die Förderung des Wachstums stärker im Fokus stehen.“

Suresh Kumar Ramanathan, Cimb Investment Bank in Kuala Lumpur

„Wir warnen seit zwei Monaten, dass Griechenland kollabieren wird, und genau das beginnt im Moment. Sollte der (Derivate-Verband) ISDA das Ziehen der (Umschuldungsklauseln) CACs als ein Kreditereignis einstufen, dann haben wir einen öffentlichen Hinweis auf eine Pleite Griechenlands. Für die Märkte wird es entscheidend sein, wie viele der CDS nach einer Aktivierung der CACs gezogen werden.“

Sumino Kamei, Bank of Tokio-Mitsubishi UFJ

„Es gibt immer noch viele Unklarheiten über die Details. Wir wissen nicht viel über das Timing und die detaillierten Formalien der CACs und darüber, was mit den CDS passieren wird, wenn die CACs aktiviert werden. Diese Unsicherheit könnte den Euro belasten.“

Yuji Saito, Credit Agricole

„Die Schlagzeilen zu Griechenland entsprechen den Erwartungen. Die wichtige Frage ist nun, ob Griechenland nach den Wahlen im nächsten Monat den vereinbarten Sparkurs beibehält.“

Christian Sschulz, Berenberg Bank

„Für die Kürze der Zeit ist das ein sehr solides Resultat. Das zeigt das große Interesse der Investoren, Griechenland nicht ungeordnet in die Zahlungsunfähigkeit gehen zu lassen. Damit erfüllt Griechenland höchstwahrscheinlich auch die letzte große Bedingung für das zweite Rettungspaket von 130 Milliarden Euro. Der IWF kann dem nun zustimmen. Jetzt kommt es darauf, ob die Regierung in Athen gemeinsam mit europäischen Partnern das Land wieder auf Wachstumskurs bringen kann.“

Lutz Karpowitz, Analyst Commerzbank

„Die ,freiwillige Enteignung' ist unter Dach und Fach. Wie die griechische Regierung heute Morgen bekanntgab, betrug die Zustimmungsquote der Anleihegläubiger 85,8 Prozent. Damit wird nun die Collective Action Clause (CAC) aktiviert werden, die auch die Investoren zwingt teilzunehmen, die nicht zugestimmt haben. Insgesamt nimmt der Markt die Meldung mit Erleichterung auf.
Mit dem gelungenen Schuldenschnitt ist eine weitere Hürde für das nächste griechische Hilfspaket über 130 Milliarden Euro genommen. Dass der Euro von der offiziellen Bekanntgabe des gelungenen Schuldenschnitts nicht profitiert, liegt vor allem an den bereits hohen Erwartungen, deutet aber auch darauf hin, dass die Luft nach den gestrigen Gewinnen raus zu sein scheint.“

„Für die Kürze der Zeit ist das ein sehr solides Resultat“, kommentierte Finanzmarkt-Experte Christian Schulz von der Berenberg Bank die Beteiligungsquote. „Das zeigt das große Interesse der Investoren, Griechenland nicht ungeordnet in die Zahlungsunfähigkeit gehen zu lassen.“ Seine Kollegin Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim warnte aber vor überzogenen Hoffnungen auf eine schnelle Erholung Griechenlands. „Wir dürfen uns keiner Illusion hingeben: Griechenland wird weiter erhebliche Schwierigkeiten haben, die Vereinbarungen mit EU und IWF einzuhalten. Deshalb wird es wahrscheinlich noch ein drittes Paket für Griechenland geben.“

Die mögliche Fälligkeit der Kreditausfall-Versicherungen für griechische Anleihen wird nach Einschätzung vieler Börsianer keine neuen Kursturbulenzen auslösen. „Das dürfte den Aktienmarkt nicht grundsätzlich stören, weil damit gerechnet wird“, sagte Commerzbank-Anlagestratege Markus Wallner.

Was der Schuldenschnitt für wen bedeutet

Der Schuldenschnitt kommt

Das Votum der privaten Gläubiger für einen drastischen Forderungsverzicht sollte den Weg freimachen für eine Teilentschuldung des Landes und damit auch für ein neues Milliarden-Hilfspaket der Euro-Länder und des IWF. Was bedeutet das für die Beteiligten?

Für Griechenland

Wenn nun die Banken, Versicherungen, Fonds und andere private Gläubiger bis Ende des Jahrzehnts auf rund 107 Milliarden Euro aktueller und künftiger Forderungen verzichten, dann könnte der Schuldenberg des Landes und damit die Zins- und Tilgungslasten erstmals seit langem sinken. Mit all den Hilfen soll die Schuldenquote Griechenlands bis 2020 auf knapp über 120 Prozent gedrückt werden.
Zugleich ist der Forderungsverzicht der privaten Anleihegläubiger die zentrale Voraussetzung für die Freigabe eines neuen Hilfspakets.

Für die Banken-Gläubiger

Weil die privaten Gläubiger bei dem Schuldentausch erheblich länger laufende Anleihen mit relativ niedrigen Zinsen erhalten, verzichten sie auch auf künftige Zinserträge. Nominal verzichten sie auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen. Sollten weitere Rettungsaktionen für Griechenland oder andere europäische Problemländer nötig werden, sollen die Banken nicht mehr gesondert behelligt werden. Der Grund ist: Der den Instituten abverlangte Verzicht hat den lange Zeit als sicherer Hafen geltenden Markt für Staatsanleihen der Euro-Länder massiv belastet.

Für Europa und die Euro-Länder

Mit dem Schuldenschnitt für Griechenland haben sich Europa und speziell die Euro-Länder zumindest eine Atempause verschafft. Das sollte Problemländer wie Italien und Spanien entlasten, die an den Märkten neue Kredite aufnehmen wollen. Zudem hofft die Euro-Zone darauf, damit Vertrauen in die Handlungsfähigkeit und -bereitschaft der Europäer zurückzugewinnen.

Für die Weltwirtschaft

Die wichtigen Industrie- und Schwellenländer in Übersee, allen voran die USA und China, sowie der Internationale Währungsfonds drängen die Europäer seit Monaten, alles zu tun, die Schuldenprobleme zu lösen und damit einen großen Unsicherheitsfaktor zu beseitigen. Dabei spielt Griechenland bislang die Rolle eines Entzündungsherdes, der andere Länder der Euro-Zone zu infizieren droht. Wird der Herd erfolgreich bekämpft, so die Logik, verringern sich auch die Ansteckungsgefahren.

Für Deutschland

Größter deutscher Griechenland-Gläubiger ist die Münchner FMS Wertpapiermanagement, in der Risiken der verstaatlichten HRE gebündelt sind. Sie hält Anleihen des südeuropäischen Euro-Landes von über acht Milliarden Euro. Die darauf fälligen Abschreibungen belasten letztlich den deutschen Steuerzahler.
Wirtschaftlich könnte Deutschland davon profitieren, wenn Griechenland kein Unruheherd für Wachstum und Stabilität mehr ist. Sollte es gelingen, Griechenlands Wirtschaft dauerhaft zu stabilisieren, würden sich auch die Risiken aus Milliarden-Krediten und Garantien aus Hilfsprogrammen nicht zu echten Verlusten ausweiten.

Einen Impuls bekam der Dax am Nachmittag vom US-Arbeitsmarktbericht (14:30 Uhr MEZ),der aber auch schnell wieder verpuffte. Am späten Nachmittag konnte der Dax die ersten großen Zuwächse verzeichnen und schloss schließlich 0,67 Prozent höher bei 6.880 Punkten. Auf Wochensicht steht ein Minus von 0,5 Prozent zu Buche. Für den Kursanstieg kurz vor Schluss seien laut Börsianern Deckungskäufe verantwortlich.

Die US-Wirtschaft hat im Februar überraschend viele Jobs geschaffen. Die Zahl der Beschäftigten stieg um 227.000, teilte das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mit. Von Reuters befragte Analysten hatten ein Plus von 210.000 erwartet. Im Januar und Dezember entstanden zudem 61.000 mehr Arbeitsplätze als zunächst gemeldet. Die Arbeitslosenquote blieb mit 8,3 Prozent auf einem Drei-Jahres-Tief.

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Kommentare (12)

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Kastrator

09.03.2012, 09:31 Uhr

Dämliche Daxgemeinde!

Wer hat je daran gezweifelt, dass man uns einen Erfolg vermeldet. Kein Mensch kann nachprüfen, ob nicht wieder die EZB eingesprungen ist. Man erinnere sich an die Target-Geschichten. Einzelkämpfer HW Sinn wurde dafür viel gescholten, hatte aber dann doch recht.
Fonds Deutscher Einheit getilgt, war mal eine Erfolgsmeldung Merkels. Hintergrund: Umbuchung des Fonds in "normale" Schulden. Großer Erfolg der Kanzlerin
beim "Gipfel" vor x Jahren. Später dann: Milliardenzusagen hatten es gerichtet ....!

Man ist gespannt, was diesesmal raus kommt, später!

Das Geld ist nicht weg. Es ist noch alles da. Nur eben in wessen Händen?

Und die Dax-Fans geben heute für den Krempel von gestern gleich viel mehr Geld aus. Das ist wirklicch überzeugend.

Account gelöscht!

09.03.2012, 09:45 Uhr

vor allem hält sich die tatsächliche euphorie doch stark in grenzen, bei gerade mal 30 punkten plus....

Sonnenschein

09.03.2012, 09:57 Uhr

naja und Kleinanleger sind so gut wie gar nicht eingestiegen...weder am Jahresanfang noch in den letzten Wochen...weiß ich, weil ich selber Vermögensberater in einer großen Deutschen Bank bin...da zocken nur Profis

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