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31.08.2012

17:46 Uhr

Schlussbericht Börse Frankfurt

Notenbanken lenkten Dax

Der Aktien-Handel stand ganz im Zeichen der Bernanke-Rede und der EZB. Der Fed-Chef enttäuschte mit seiner heiß erwarteten Rede nur kurz die Märkte. Allerdings ließ der Notenbanker viele Fragen offen.

Börse Frankfurt am Abend

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DüsseldorfEs waren wieder einmal die Notenbanken, die den Markt bewegten. Einerseits Ben Bernanke mit seiner Rede, andererseits Spekulationen um EZB-Anleihekäufe. Der Dax schloss nach einigen Rücksetzern mit einem Plus von 1,1 Prozent bei 6.970 Punkten.

Die Investoren am Aktienmarkt warteten gespannt auf die Rede des Fed-Chefs Ben Bernanke auf der Notenbankerversammlung in den USA. In seiner Rede erklärte Bernanke, dass er weitere Konjunkturspritzen zur Stützung der lahmenden Wirtschaft bereithalte. Zudem beklagte er in Jackson Hole, dass das Wachstum nicht zum wirksamen Abbau der hohen Arbeitslosigkeit ausreiche. Die Fed werde daher "bei Bedarf" zusätzliche Konjunkturstützen liefern. Bernanke signalisierte allerdings nicht, ob diese Hilfe unmittelbar bevorsteht. Das sorgte für eine kurze Enttäuschung.

Kurz nach der Rede Bernankes knickte der Dax kurz ein, erholte sich aber wieder schnell - ebenso die US-Börsen. „Der Markt hat darauf gesetzt, dass Bernanke die Erwartung an QE3 nicht enttäuscht und das hat er auch nicht getan“, sagte John Canally von LPL Financial. Experten rätseln derzeit, ob die Notenbank die Wirtschaft bereits auf der nächsten Zinssitzung am 13. September stützt oder noch länger abwartet.

Analystenstimmen zur Bernanke-Rede

John Canally, LPL Financial

„Der Markt hat darauf gesetzt, dass er die Erwartung an QE3 nicht enttäuscht und das hat er auch nicht getan. Jeder an den Märkten, der geglaubt hätte, er kommt einfach raus und sagt, wir machten QE3, ist einfach nur naiv.“

Tom Porcelli, RBC Capital Marktes

„Wir haben nicht viel mehr von seiner Rede erhalten, als wir schon aus den jüngsten Fed-Protokollen wussten. Wir gehen immer noch davon aus, dass es eine gute Chance für QE3 im September gibt.“

Michael Woolfolk, BNY Mellon

„Ich suche nach jeder Art der Klarstellung, ob die Fed im September handeln wird. Aber es scheint nicht so, dass Bernanke hier weitere Orientierungshilfe gibt. Es sieht also wieder so aus, als ob die Märkte enttäuscht worden sind. Er ist seinem Charakter treu geblieben und hat es vermieden, sich vorab festzulegen.

Jack Ablin, Harris Private Bank

„Hiernach gibt es bei Investoren wahrscheinlich ein Gefühl der Leere. Wir wollten etwas Handfestes, aber er hat es uns heute nicht gegeben. Jetzt ist der Ball im Feld der EZB, aber (EZB-Chef Mario) Draghi braucht die Hilfe deutscher Politiker.“

Davon ist trotz zuletzt wieder konsumfreudiger Verbraucher derzeit nicht auszugehen. Die US-Konjunktur lahmt trotz milliardenschwerer Wirtschaftsprogramme und zweier Runden von Staatsanleihenkäufen durch die Fed noch immer. Dennoch hatte die Notenbank zuletzt ein Konjunkturbild in etwas helleren Farben gezeichnet. Die US-Wirtschaftsleistung habe im Juli und Anfang August graduell zugenommen, hieß es in dem Konjunkturbericht der Federal Reserve.

EZB-Spekulationen trieben Dax

Zudem sorgten im Mittagshandel neue Spekulationen auf ein Anleihenkaufprogramm der EZB für Kursgewinne beim Dax. Vor allem die europäischen Bankwerte wurden dadurch beflügelt, die wiederum den Gesamtmarkt anschoben. Der europäische Bankenindex zog um 1,7 Prozent an. Hierzulande führten die Aktien der Deutschen Bank mit einem Plus von 4,8 Prozent die Dax-Gewinnerliste an. Commerzbank-Aktien kletterten um 2,2 Prozent.

Diese "Turnaorund"-Wetten haben funktioniert

Wette 1

Pro Sieben Sat 1. galt Anfang 2009 als sicherer Pleitekandidat. Zu hoch verschuldet, keine Wachstumsperspektiven. Die Aktie rutschte auf 0,90 Euro ab. Mittlerweile, rund drei Jahre später, kosten die Papiere wieder mehr als 18 Euro. Zeitweise notierte die Aktie sogar bei mehr als 25 Euro.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,90 Euro

Aktienkurs heute: 18 Euro

Wette 2

Hugo Boss hat eine ganz ähnliche Geschichte wie Pro Sieben Sat 1. Bei beiden Unternehmen stieg einst Finanzinvestor Permira ein. Den Kaufpreis durften die MDax-Konzerne freundlicherweise selbst bezahlen, die Schuldenquote stieg. Während der Finanzkrise mieden Investoren Aktien von Unternehmen, die hoch verschuldet waren, auch Hugo Boss. Doch der Modekonzern zahlt seine Schulden pünktlich zurück. Mehr noch: er verdient prächtig.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 8,82 Euro

Aktienkurs heute: 74 Euro

Wette 3

SAF Holland galt lange Zeit als sicherer Pleitekandidat. Die Banken wollten keine Kredite mehr locker machen, der Schuldenstand wuchs. Doch der LKW-Zulieferer hat die Krise überstanden, die Produkte von SAF sind gefragt.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,35 Euro

Aktienkurs heute: 4,60 Euro

Wette 4

Infineon galt einst als die heißeste Wette im Dax. Monatelang bangten die Anleger 2008 und 2009 um den Chiphersteller. Wegen der Finanz- Und Wirtschaftskrise verbrannte Infineon das Geld in Windeseile. Wer damals an das Unternehmen glaubte, wurde reich belohnt.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,39 Euro

Aktienkurs heute: 5,50 Euro

Wette 5

Continental wurde voll von der Finanzkrise, die zu einer Krise der Autoindustrie wurde, erwischt. Banken taten sich bei der Finanzierung schwer, der Aktienkurs rutschte. Schnäppchenjäger griffen zu.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 10,99 Euro

Aktienkurs heute: 80 Euro

Wette 6

Villeroy & Boch ist in den vergangenen Jahren in die Schlagzeilen geraten. Der Hersteller von Badezimmer-Ausstattungen musste eine Millionenstrafe wegen Preisabsprachen bezahlen, der Aktienkurs rutschte in der Folge ab. Wer einstieg, hat alles richtig gemacht

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 3,10 Euro

Aktienkurs heute: 7,50 Euro

Das französische Direktoriumsmitglied Benoit Coeure hat trotz der von der Bundesbank geäußerten Bedenken den Kurs von EZB-Chef Mario Draghi bekräftigt, die EZB werde alles zur Rettung des Euro tun. „Das gibt den Spekulationen über das Anleihenkaufprogramm neue Nahrung“, sagte ein Händler. „Es wird darauf gesetzt, dass Draghi nächste Woche liefert.“ Am kommenden Donnerstag wird die EZB über ihre weitere geldpolitische Strategie informieren.

Kommentare (47)

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DeutscherMichel

31.08.2012, 07:11 Uhr

Ein Trost ist dass, wenn es will, Deutschland aus der Währungsunion und der EU jederzeit austreten kann und darf.
Also keine Panik, im Moment geht es Deutschland prächtig und es profitiert des Malheurs der anderen.
Wenn die Zeit für den Austritt reif ist wird sich schon jemand finden der das tut, keine Sorge.
Aber im Moment leben wir Deutsche wie der Marder im Speck und auf Kosten der schwächeren EU-Länder die sie gegen unsere Exportlawine wegen der EU-Verträge (Freihandelszone) nicht wehren können. Somit können wir unsere Arbeitslosigkeit über unseren Leistungsbilanzüberschuss exportieren (15 Milliarden im Schnitt PRO MONAT und das seit 17 Jahren)
Was wollen wir noch mehr, die paar Milliarden die wir netto an Brüssel zahlen müssen sind Peanuts im Verhältnis zum Überschuss den wir dadurch realisieren dürfen.
Uns Deutsche geht es prächtig, genießen wir es einfach, egal wie es den anderen EU-Ländern geht.

Account gelöscht!

31.08.2012, 07:35 Uhr

Heute max. 6940 im FDax danach Bärenfutter aus Jackson Hole.

Besatzer

31.08.2012, 07:36 Uhr

...Ein Trost ist dass, wenn es will, Deutschland aus der Währungsunion und der EU jederzeit austreten kann und darf...
Naja, können ja, dürfen wohl eher nein! Frag mal die Franzosen.

...Uns Deutsche geht es prächtig, genießen wir es einfach, egal wie es den anderen EU-Ländern geht...

Und gerade deshalb darf D nicht austreten. Deutschen darf es nicht gut und schon gar nicht besser als anderen gehen. Frag mal die Franzosen.

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