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21.11.2013

17:45 Uhr

Schlussbericht Börse Frankfurt

US-Notenbank bremst Dax erneut aus

Die Angst vor einem baldigen Billiggeld-Entzug sorgte heute für Verunsicherung unter Europas Anlegern. Der Dax bleibt dennoch weiter in Reichweite zum Allzeithoch. Großer Gewinner war, dank EZB-Chef Draghi, der Euro.

Börsenexperte Dirk Müller

„Wir brauchen dringend eine Dax-Korrektur“

Börsenexperte Dirk Müller: Dirk Müller: „Wir brauchen dringend eine Dax-Korrektur“

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FrankfurtSpekulationen um die Straffung der US-Geldpolitik haben die internationalen Börsen am Donnerstag erneut in Unruhe versetzt. Auslöser der Diskussionen war die Veröffentlichung der Protokolle der jüngsten Fed-Sitzung. Darin hatten sich die Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC), der die US-Geldpolitik bestimmt, dafür ausgesprochen, auf „einer der nächsten Sitzungen" mit der Drosselung der Wertpapierkäufe im Volumen von derzeit 85 Milliarden Dollar monatlich zu beginnen.

Investoren gingen nun davon aus, dass das sogenannte „Tapering" eher früher als später beginnen werde, sagte Mohammed Kazmi, Anlagestratege bei der Royal Bank of Scotland (RBS). „Vor Veröffentlichung der Fed-Protokolle waren sie von März ausgegangen. Jetzt rückt der Dezember ins Blickfeld." Vor allem die am Nachmittag veröffentlichten positiven US-Arbeitsmarktdaten nährten die Spekulationen über eine vorzeitige Drosselung. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel überraschend stark um 21.000 gegenüber der Vorwoche auf 323.000 Anträge.

Folgen der Leitzinssenkung

Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der EZB leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB.

Was, wenn der Leitzins sinkt?

Sinkt der Leitzins, fallen in der Regel auch die Interbankzinssätze. Die niedrigeren Zinsen am Geldmarkt können die Banken an ihre Kunden weiterreichen. Sparzinsen - wie für Tages- oder Festgeld - liegen dabei oft unterhalb des Leitzinssatzes, Kreditzinsen eher darüber. Mit dieser Spanne zwischen Geldmarktzins und den Zinssätzen, die Banken Verbrauchern gewähren oder von diesen kassieren, verdienen die Institute ihr Geld.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Die erneute Leitzinssenkung deutet nach Angaben von Marcus Preu vom Finanzportal Biallo darauf hin, dass die Niedrigzinsphase länger anhält als erwartet. Eine schnelle Trendwende sei damit unwahrscheinlich. „Da schauen die Anleger jetzt erstmal in die Röhre“, sagt Preu. Andererseits profitierten die Verbraucher derzeit von der niedrigen Inflationsrate. Die Verbraucherpreise in Deutschland waren im Oktober im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,2 Prozent gestiegen.

Was sollten Verbraucher mit ihrem Ersparten tun?

Nach den Worten von Max Herbst von der FMH Finanzberatung ist es derzeit„"ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse. Einige Sparkassen böten schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Was bringen langfristige Anlagen?

Verbraucher, die nicht unbedingt auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, sollten ihr Geld den Experten zufolge längerfristig anlegen, um sich auskömmliche Zinsen zu sichern. Bei zweijähriger Laufzeit gibt es laut Herbst derzeit maximal 1,9 Prozent Zinsen, bei drei Jahren Laufzeit 2,15 Prozent. Bei vierjähriger Laufzeit gebe es 2,30 oder 2,40 Prozent, „aber da wird die Luft schon dünn“, sagt Herbst mit Blick auf die Auswahl attraktiver Festgeldangebote.

Werden Baukredite billiger?

Auch wenn der Leitzins nicht unbedingt der Referenzzins für Baukredite ist, können Bauherren nach den Worten von Preu derzeit "in Ruhe planen". Der zwischenzeitige Zinsanstieg beim Baugeld sei inzwischen wieder gestoppt. Laut Michiel Goris vom Immobilienfinanzierer Interhyp sind die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung in den vergangenen Tagen zum Teil auf rund 2,5 Prozent gesunken. Er empfehle Immobilienkäufern und Bauherren daher, die derzeit günstigen Zinsen zu nutzen und sie sich langfristig zu sichern.

Was wird aus der Restschuld?

Käufer mit viel Eigenkapital bekämen derzeit einen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent, erklärte Goris. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung seien sogar für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kämen aber nur für Anschlussfinanzierungen mit geringer Restschuld in Frage.

Dax und Euro Stoxx 50 gingen jeweils kaum verändert bei 9196 Punkten und 3047 Punkten aus dem Handel. Der T-Bond-Future, der auf zehnjährigen US-Anleihen basiert, stabilisierte sich nach seinem gut einprozentigen Vortagesminus bei 130-30/32 Zählern. Der Dollar erhielt von der Aussicht auf eine baldige Straffung der US-Geldpolitik dagegen Auftrieb. Er kletterte auf bis zu 100,93 Yen, den höchsten Stand seit Mitte Juli.

Der Euro legte am Donnerstag ebenfalls zu. Auftrieb erhielt er dabei von Aussagen des EZB-Chefs Mario Drahgi. Dieser hatte Spekulationen gedämpft, der Leitzins für Einlagen der Geschäftsbanken bei der Europäische Zentralbank (EZB) könnte auf minus 0,1 Prozent von derzeit null Prozent gesenkt werden. Die Gemeinschaftswährung verteuerte sich daraufhin auf 1,3475 Dollar von 1,3440 Dollar zum New Yorker Vortagesschluss. Im Gegenzug rutschte der Bund-Future tiefer ins Minus und verlor zeitweise 87 Ticks auf 140,57 Punkte.

Kommentare (45)

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Herr_Dax

21.11.2013, 08:12 Uhr

Die EZB stellt NEGATIVEN LEITZINS in Aussicht,wenn das nicht für 10000 reicht.Das wird ja täglich besser.Alles wieder auf Kauf

buy_buy_buy

21.11.2013, 08:19 Uhr

So jetzt hatten wir mit 9179 das vorläufige Tagestief und zwar erst NACH Xetra-Schluss.Schöner Einstiegszeitpunkt für die,die von einem weiter steigenden Dax und positiven Kommentaren der Notenbanken ausgehen. Einige Shorties durften sich auch kurz freuen über die 20-30 Punkte Gewinn. Ein komplett neues Gefühl.

Ich persönlich rechne mit einem Dax weit über 9200 morgen.

Kleinganove

21.11.2013, 08:21 Uhr

Alles nur Augenwischerei und vorbörsliche Schnäppchenkurse.

Ich bin weiter "long", denn bis 10.30h stehen wir wieder über 9200. The only way is UP!

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