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03.04.2012

17:55 Uhr

Schlussbericht Frankfurt

Anleger schickten Dax auf Talfahrt

Investoren haben Gewinne mitgenommen und den Dax ins Minus geschickt. Die größten Verlierer waren die Banken. Für Bewegung sorgte auch die Solarbranche. Hier standen Q-Cells und Phoenix Solar im Mittelpunkt.

Börse Frankfurt am Abend

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DüsseldorfDer deutsche Leitindex hat den Handel am Dienstag 1,05 Prozent schwächer beendet und schloss bei 6.982 Zählern. „Wir befinden uns in vorösterlicher Ruhe, die viele Anleger davon abhält, jetzt noch kaufen zu müssen“, kommentierte Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank. Zudem sei das zweite Quartal noch jung und jemand, der in den ersten drei Monaten des Jahres mit dabei gewesen sei, verspüre keinen unmittelbaren Druck zum Handeln.

Auch die US-Industrie sorgte am Dienstagnachmittag nicht für Vortrieb. Die Aufträge stiegen nach dem Rückschlag zu Jahresbeginn wieder. Die Bestellungen erhöhten sich im Februar um 1,3 Prozent, teilte das Handelsministerium am Dienstag in Washington mit. Damit wurde der Rückgang im Januar von 1,1 Prozent mehr als wettgemacht. Analysten hatten jedoch ein Plus von 1,5 Prozent vorausgesagt. Des Weiteren rechneten viele Experten mit einem schwachen Jahresauftakt aufgrund der Ende 2011 ausgelaufenen Steuervergünstigungen für Investitionen. Besonders stark zogen die Aufträge für Investitionsgüter außerhalb der Rüstungs- und Flugzeugindustrie an: Hier gab es ein Plus von 1,7 Prozent. Das gilt als Signal dafür, dass die Unternehmen wegen der besseren Konjunkturaussichten wieder mehr Geld in neue Maschinen, Geräte und andere Ausrüstungen investieren.

Der Tag an den Märkten (Stand 17:35 Uhr)

Dax

- 0,19 Prozent (Schlusskurs vom Freitag)

Euro Stoxx 50

+ 0,1 Prozent

Dow Jones

- 0,3 Prozent

Nikkei

+ 0,1 Prozent

Euro

1,2302 Dollar (+/- 0 Prozent)

Gold

1.602 Dollar (- 0,7 Prozent)

Öl (Brent)

106,40 Dollar (+ 1,2 Prozent)

Die Reiselust ist laut dem Weltluftverband IATA gestiegen - das freute auch die Anleger der Lufthansa. Die Aktien schlossen mit 0,76 Prozent fester. Die Zahl der Passagiere hat den IATA-Daten zufolge im Februar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,3 Prozent zugelegt. Das Frachtgeschäft kletterte um 5,1 Prozent. Das sei für die Fluggesellschaften erfreulich, sagte ein Händler.
Als Verlierer beendeten die Papiere von K+S sowie die der Deutschen Post den Handel, die nach einem negativen Analystenkommentar jeweils 1,4 Prozent und 1,6 Prozent nachgeben. Finanzwerte waren Dax-Schlusslicht: Aktien der Deutschen Bank notierten zum Handelsschluss knapp drei Prozent niedriger, die Commerzbank verlor sogar 3,4 Prozent.

Niedersachsens Zustimmung zur Elbvertiefung hat die Aktien des Hafen- und Logistikkonzerns HHLA angeschoben. Die Titel gehörten mit einem Plus von fast fünf Prozent zu den größten Gewinnern im MDax. Die niedersächsische Regierung hatte beschlossen, dem vom Bund und von Hamburg betriebenen Projekt zuzustimmen. „Diese Zustimmung hat HHLA noch gefehlt, deshalb reagiert die Aktie positiv darauf“, sagte ein Händler.
Die Aktien von Phoenix Solar fielen aufgrund von Finanzierungsproblemen um 30,5 Prozent. Das Unternehmen hatte am Montag mitgeteilt, es habe den im Dezember 2011 den Gläubigern vorgelegte Restrukturierungsplan aufgrund der massiven Einschnitte bei der Solarförderung überarbeiten müssen. Die Finanzierungsverhandlungen verzögerten sich somit, hieß es. "Das reiht sich perfekt ein in die Negativnachrichten und Probleme der Branche", sagte ein Händler.

Die Krise der deutschen Solarunternehmen

Phoenix Solar

Dem Solartechnikkonzern machen Finanzierungsprobleme zu schaffen. Der im Dezember 2011 den Gläubigern vorgelegte Restrukturierungsplan müsse wegen der massiven Einschnitte bei der Solarförderung überarbeitet werden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Die Aktie brach am Dienstag zeitweise um rund 28 Prozent ein.

Q-Cells

Der einst größte deutsche Solarkonzern mit rund 2.300 Mitarbeitern und einem einstigen Börsenwert von acht Milliarden Euro wollte noch am Dienstag Insolvenz beantragen. Das Unternehmen aus dem „Solar Valley“ im ostdeutschen Bitterfeld-Wolfen hatte Ende vergangener Woche seine Sanierungspläne aufgegeben. Q-Cells wollte sich unter anderem dadurch sanieren, dass Anleihe-Gläubiger einen Zahlungsaufschub gewähren und auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.

Solon

Der Solarmodulbauer hatte Mitte Dezember Insolvenz angemeldet, war jedoch vor wenigen Wochen durch einen Verkauf gerettet worden. Der Solarzellen-Produzent Microsol aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erhielt den Zuschlag. Dieser will 433 der 471 Arbeitsplätze erhalten. Die Solon-Aktionäre gehen allerdings leer aus. Der nicht genannte Kaufpreis geht an die Gläubiger des mit 400 Millionen Euro verschuldeten Berliner Unternehmens.

Solarhybrid

Der Kraftwerksentwickler hatte am 21. März Insolvenzantrag gestellt. Anfang März hatte der Vorstand das Geschäftsmodell in Frage gestellt, nachdem die Bundesregierung angekündigt hatte, die Förderung von Solar-Großkraftwerken zu streichen. Zudem drohe der Verlust von bereits getätigten Investitionen von über zehn Millionen Euro für Projekte, die nun nicht mehr oder nur teilweise realisiert werden könnten.

Solar Millenium

Bereits im Dezember hatte die Pleitewelle den Kraftwerksentwickler Solar Millenium erreicht. Das Unternehmen meldete Insolvenz an. Zwei Transaktionen seien nicht zustande gekommen, die für dringend benötigtes Kapital sorgen sollten, hieß es. Im Sommer 2011 hatte das auf Parabolrinnen-Kraftwerke spezialisierte Unternehmen ein Milliardenprojekt in den USA aufgegeben. Der Konzern steht zudem im Dauerclinch mit seinem 74-Tage-Chef Utz Claassen. Dieser hatte dem Konzern zufolge Solar Millenium in den USA wegen Rufschädigung auf Schadenersatz in Höhe von 265 Millionen Dollar verklagt.

SMA Solar

Der Weltmarktführer für Wechselrichter, dem Herzstück einer Solaranlage, gehört zu den wenigen, die noch schwarze Zahlen schreiben. Der Preisverfall hat aber auch bei SMA im vergangenen Jahr für einen Gewinneinbruch gesorgt. Firmchef Pierre-Pascal Urbon erwartet auch im laufenden Jahr weitere Einbußen.

Solarworld

Auch der einstige Star am Solar-Himmel ist im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen geraten. Konzernchef Frank Asbeck ist sich aber sicher, mit seinem Unternehmen zu denen zu gehören, die die Krise und Konsolidierung der Branche überleben werden. Er kündigte zuletzt für 2012 die Rückkehr in die Gewinnzone an, zumindest vor Zinsen und Steuern (Ebit). Gegen die Billigkonkurrenz aus China ist Asbeck in den USA mit sechs weiteren Firmen zu Felde gezogen und plant dies auch in Europa. Er fordert Strafzölle auf Billig-Importe aus dem Land der Mitte. Eine erste vorläufigen Entscheidung des US-Handelsministeriums über Anti-Subventionszölle enttäuschte aber. Sie fielen mit 2,9 bis 4,73 Prozent niedriger aus als erwartet. Asbeck hofft indes, dass das Ministerium im Laufe seiner Untersuchungen höhere Anti-Dumpingzölle verhängen wird.

Conergy

Der Hamburger Solarkonzern ringt seit längerem ums Überleben, nachdem er durch Missmanagement bereits 2007 ins Wanken geraten war. Nach einem Kapitalschnitt und anschließender Sachkapitalerhöhung gehört Conergy zu einem großen Teil Hedgefonds. Zudem hat sich die defizitäre Firma vom größten Teil ihrer Produktion getrennt und Personal abgebaut. Conergy ist als Systemanbieter und Projektentwickler unterwegs und hofft 2012 erstmals wieder - zumindest vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) - auf einen kleinen Gewinn. 2013 sollen dann auch unter dem Strich schwarze Zahlen stehen - erstmals seit 2005.

Centrotherm

Auch bei dem lange erfolgsverwöhnten Solar-Anlagenbauer Centrotherm sieht es mau aus. Der schwäbische Konzern rutschte 2011 nach Wertberichtigungen in die roten Zahlen. Das Management steuert nun mit Entlassungen und Kurzarbeit gegen. Lange hatte Centrotherm von der hohen Nachfrage in Asien nach effizienten Anlagen zur Produktion von Solarzellen und -modulen profitiert. Mit den weltweiten Überkapazitäten in der Solarbranche und dem Preisverfall sowie den Auswirkungen der Bankenkrise ebbten die Geschäfte indes ab.

Bosch Solar

Der weltgrößte Autozulieferer Bosch hatte sich mit der Übernahme der Solarunternehmen Ersol, Aleo Solar und Voltwerk ein neues Standbein aufgebaut. Doch der Stuttgarter Technologiekonzern hat bislang nicht viel Freude an seinen Töchtern gehabt. Allein im vergangenen Jahr schrieb er rund eine halbe Milliarde Euro auf die kleine Sparte ab. Den Baubeginn einer geplanten Solar-Fabrik in Malaysia verschob er zuletzt.

Roth & Rau

Auch der Solar-Maschinenbauer Roth & Rau belastet seinen Mutterkonzern, den Schweizer Solar-Konzern Meyer Burger. Hohe Abschreibungen belasteten mit 91 Millionen Euro. Die Solarkrise sorgte bei Roth & Rau für einen Jahresverlust von 123 Millionen Euro. Der Auftrageingang brach um 70 Prozent ein. Meyer Burger verzichtete angesichts der Misere auf einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag. Andernfalls hätten die Schweizer die Verluste bei Roth & Rau ausgleichen müssen.

Sunways

Der chinesische Solarriese LDK griff jüngst nach der Konstanzer Sunways, die 2011 in die Verlustzone geraten war. Nach einer Kapitalerhöhung ist LDK inzwischen zu knapp einem Drittel an der Firma mit ihren rund 340 Mitarbeitern beteiligt.

Auch der einst größte deutsche Solarkonzern Q-Cells ist pleite. Das Unternehmen stellte am Dienstagmittag beim Amtsgericht Dessau den Insolvenzantrag, wie ein Sprecher des Gerichts bestätigte. Bei Q-Cells fehlte lange eine schlüssige Strategie, viel Geld versandete in Tochtergesellschaften. Zudem vernachlässigte das Unternehmen lange Zeit den Vertrieb. Diese Missstände beseitigte Vorstandschef Nedim Cen weitgehend, finanziell konnte er Q-Cells aber nicht auf solide Beine stellen.

Zocker griffen bei den Papieren am Dienstag zu: Der Kurs stieg um knapp acht Prozent auf 0,136 Euro, nachdem die Aktie am Montag um 30 Prozent eingebrochen war. Die Aktie des Bonner Solarkonzerns Solarworld rutschte um mehr als acht Prozent ab. Auch der einstige Star am Solar-Himmel ist im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen geraten. Konzernchef Frank Asbeck ist sich aber sicher, mit seinem Unternehmen zu denen zu gehören, die die Krise und Konsolidierung der Branche überleben werden.

Kommentare (43)

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Pinneberger

03.04.2012, 07:39 Uhr

Wer eine ordentliche Blase haben will, muss tüchtig aufblasen.

Account gelöscht!

03.04.2012, 07:46 Uhr

@ Hallo HB-Schlafmützen, korrigiert doch endlich mal euern Falschmeldungsschmarrn hinsichtlich der Börse in NY am Freitag. Trotz Arbeitsmarktdaten tut sich an der Wall Street am Good Friday nämlich rein gar nichts:

https://globalderivatives.nyx.com/en/nyse-liffe-us/exchange-holidays

Besten Dank !

Pinneberger

03.04.2012, 08:04 Uhr

Heidelberger, du weist einen ordentlichen Mangel an Demut auf. Aber keine Angst, das kommt noch.

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