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24.10.2014

17:49 Uhr

Schlussbericht Frankfurt

Dax-Anleger üben sich in Vorsicht

Der Dax blieb trotz gestiegener Konsumlaune in Deutschland schwach. Im gesamten Handel gelang dem Leitindex kein Plus. Zu groß war die Sorge um die Banken, denn die Stresstest-Ergebnisse am Sonntag könnten überraschen.

Vorsichtsmaßnahmen vor EZB-Test

Vor dem Stresstest - Anleger machen Kasse

Vorsichtsmaßnahmen vor EZB-Test: Vor dem Stresstest - Anleger machen Kasse

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FrankfurtVor dem Stresstest-Wochenende sind die Anleger auf Nummer sicher gegangen. Nachdem sich der Dax in dieser Woche wieder etwas fangen konnte, nutzten Anleger am Freitag die Chance zum Kassemachen. Vor dem Hintergrund der am Sonntag veröffentlichten Stresstest-Ergebnisse der europäischen Banken hielten sich die Investoren zurück. Am Ende schloss der Dax in Frankfurt 0,7 Prozent leichter bei 8987 Punkten.

Der deutsche Leitindex pendelte im Handelsverlauf um die 9000-Punkte-Marke. Eine überraschend gute Kauflaune der deutschen Verbraucher konnte nur kurzzeitig helfen. So hat sich das Konsumklima für den November trotz der internationalen Krisen erstmals seit Juli wieder aufgehellt. Es stieg überraschend um 0,1 auf 8,5 Punkte, wie der Nürnberger Marktforscher GfK mitteilte. Zuletzt war das Barometer zwei Mal in Folge gesunken.

Nach einer relativ gesehen stabilen Handelswoche suchten Anleger angesichts der vielen Unsicherheitsfaktoren vorsichtshalber den Ausgang. „Nach Gewinnen von 700 Punkten seit dem jüngsten Zwischentief vor acht Handelstagen ist der Markt anfällig für eine kurze Pause“, kommentierte Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Magazin Index-Radar.

Aber auch die zunehmende Bedrohung durch Ebola sorgte für Unruhe auf dem Parkett. So kam es schon am Donnerstag zu Kursverlusten, nachdem der erste Ebola-Fall in New York bekannt geworden war. Der Wall Street-Sichtlich begann dementsprechend belastet, doch zum Frankfurter Handelsschluss notierte der Dow-Jones-Index von starken Immobiliendaten getrieben 0,4 Prozent fester bei 16.743 Punkten.

Im Zentrum des Interesses standen weiterhin die europäischen Geldhäuser. Zwar hatte die Europäische Zentralbank (EZB) bereits am Vortag den 128 bedeutendsten Kreditinstituten in Europa die Ergebnisse des lang erwarteten Stresstests kommuniziert – doch erst am Sonntag werden die Ergebnisse um 12.00 Uhr offiziell verkündet. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg, die sich auf einen EZB-internen Kommunique-Entwurf berufen, sollen etwa 25 Banken den Stresstest nicht bestanden haben

Bafin-Chefin Elke König sagte in einem Medienbericht eine turbulente Schlussphase voraus. Es werde „noch den einen oder anderen Holperer“ geben. „Dass man bei 130 Banken und so vielen Angaben alle Daten im Template richtig eingetragen hat, grenzte ja an ein Wunder. Daher wird es vor der Publikation der Daten am Wochenende sicher noch die ein oder andere Korrekturschleife geben.“ Sie sollte Recht behalten.

Börsen in Aufruhr

Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen. Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Quelle: dpa

Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt. Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sind die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende?

Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller. Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA. Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen. Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

Droht am Ende der große Crash am Aktienmarkt?

Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz. Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung.

In der zweiten Reihe pendelten die Werte zwischen moderaten und leichten Verlusten. Die Nebenwerte des MDax standen zum Schluss 0,4 Prozent schwächer bei 15.628 Punkten. Für den TecDax, der bei 1204 Zählern stand, ging es ebenfalls 0,4 Prozent runter. Europaweit ragten die Börsen ins moderate Minus - der Euro-Stoxx-50 verlor 0,4 Prozent auf 3023 Stellen

Ansonsten gab es für die Börsianer zum Wochenausklang nur wenig neue Impulse. Bereits am frühen Morgen hat der weltgrößte Chemie-Konzern BASF enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt. Zudem öffneten Air Liquide, Ericsson, Ford, der Börsenbetreiber Nasdaq sowie Procter & Gamble, UPS und Volvo ihre Bücher.

Kommentare (1)

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Carl Icahn Jr.

24.10.2014, 14:41 Uhr

Die 20 Tage-Linie in Verbindung mit der 9000-Marke wirkt bis jetzt wie ein Magnet. Groß absetzen konnte der Markt sich ja nicht. Und für 30,0 Punkte-Geschäfte hoch und runter mit 5 FDAXen reicht es allemal.

(...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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