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20.12.2013

18:46 Uhr

Schlussbericht Frankfurt

Dax schließt Hexensabbat bei genau 9400

Die Klarheit über den Kurs der US-Notenbank und ein gutes Verbraucherklima trieben den Dax an diesem Hexensabbat langsam aber sicher über die runde Marke von 9400. Nun ist er wieder in Schlagdistanz zum Allzeithoch.

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FrankfurtAuch die Hexen konnten den Dax nicht aus der Fassung bringen. Stetig kletterte der deutsche Leitindex heute immer höher, die runde Marke von 9400 fest im Blick. Nach den verlustreichen Wochen im Dezember wollten die Anleger die letzte volle Handelswoche des Jahres oberhalb dieser Marke beenden. Drei Mal hatte der Dax im Freitagshandel Anlauf genommen und es drei Mal nicht geschafft, doch dann klappte der Sprung kurz vor Schluss.

Damit ist der deutsche Leitindex wieder auf Schlagdistanz zu seinem Allzeithoch vom 9424 Punkten, das er am 1. Dezember erreicht hatte. Große Kursverwerfungen blieben den Indizes an diesem Hexensabbat, der mit seinem dreifachem Verfall von Optionen und Futures regelmäßig für Bewegungen und Turbulenzen am Terminmarkt sorgt, erspart. Dafür zeigten die Kurse der Einzelwerte eine hohe Volatilität.

Der Dax schloss letztlich bei genau 9400 Punkten, was einen Anstieg von 0,7 Prozent bedeutet. Die Nebenwerte des MDax notierten 0,6 Prozent fester auf 16.391 Punkte, der TecDax beendete den nahezu unverändert bei 1156 Zählern.

Kurswechsel bei der Fed – Ist die Geldschwemme jetzt zu Ende?

Warum blicken die Finanzmärkte so nervös auf die Fed-Entscheidungen?

Die extrem lockere Geldpolitik der Fed ist der entscheidende Treibstoff für die Rally an den Börsen. Seit 2008 pumpt die US-Notenbank auf beispiellose Weise Geld in den Markt. Einmal hält sie die Zinsen nahe Null – und damit auf historisch niedrigem Niveau. Außerdem hat sie zu einem eigentlich unkonventionellen Instrument gegriffen und kauft Monat für Monat mit quasi frisch gedruckten Dollar-Noten Anleihen auf. Auf beide Arten kommt die Wirtschaft zu Massen billigen Geldes.

Welche Folgen hat die Geldschwemme?

Weil andere Anlagen angesichts niedriger Zinsen unattraktiv sind, fließen viele Milliarden in Aktien – die Börsen klettern von Rekord zu Rekord. So oder so soll die US-Konjunktur weiter angekurbelt werden, um endlich auch dem lahmenden Arbeitsmarkt der weltweit größten Volkswirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Bisherige Faustregel: Sobald die Arbeitslosenquote von derzeit immer noch rund sieben Prozent unter 6,5 Prozent sinkt, sollte über die erste Anhebung der Leitzinsen nachgedacht werden.

Was ändert sich nun im Detail?

Auf den ersten Blick beginnt die große Wende in der US-Geldpolitik. Im Detail zeigt sich aber, dass faktisch alles beim Alten bleibt. Das Anleihe-Kaufprogramm wird zunächst nur etwas gedrosselt und soll dann allmählich auslaufen. Noch wichtiger: Das Versprechen extrem niedriger Zinsen soll noch für längere Zeit weiter gelten.

Warum ist der große Schock an den Märkten ausgeblieben?

Die Sorge war groß, dass die Fed allzu abrupt ihren Kurs wechseln könnte. Allein die Ankündigung von Fed-Chef Ben Bernanke, über das sogenannte „Tapering“ nachzudenken, hatte vor rund einem halben Jahr für massive Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten gesorgt. Diesmal lief es anders, weil Bernanke seine seit langem befürchtete Botschaft geschickt verpackt hat – und die Märkte so sehr behutsam auf die Veränderungen vorbereitete. Er versprach nicht nur weiter niedrige Zinsen, sondern auch, dass die Fed nicht mehr automatisch die geldpolitischen Zügel anzieht, sollte sich die Lage am Arbeitsmarkt weiter spürbar aufhellen. „Die US-Notenbank hat in den vergangenen Wochen genug Zuversicht in die konjunkturelle Erholung der US-Wirtschaft gewonnen. Das ist ein positives Signal – nicht nur für die USA, sondern für den globalen Konjunkturausblick 2014“, schreibt der Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel.

Was ändert sich für Sparer?

Auf absehbare Zeit nichts. Weil auch die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrer extremen Niedrigzinspolitik festhält, werden Sparbücher hierzulande auf absehbare Zeit weiterhin nur maue Renditen abwerfen. Unklar ist es, ob sich die ebenfalls niedrigen Kapitalmarktzinsen für Anleihen wieder bessern. Weil deutsche Staatspapiere in der Euroschuldenkrise als sicherer Hafen gelten, hängt die Entwicklung dort unter anderem davon ab, ob sich die Lage in den Euro-Krisenländern weiter stabilisiert.

Geht jetzt auch die Rekordjagd des Dax weiter?

Der Deutsche Aktienmarkt reagierte mit leichten Kursgewinnen auf die Fed-Ankündigung. Einige Analysten rechnen damit, dass der Dax 2014 die Marke von 10.000 Punkten knacken wird. Sie hoffen, dass Anleger nicht mehr in erster Linie auf die Notenbanken schielen, sondern dass die guten Aussichten in der realen Wirtschaft wieder zur treibenden Kraft an den Finanzmärkten werden.

Am gestrigen Donnerstag hatte die Erleichterung über eine nur moderate Straffung der US-Geldpolitik den Leitindex um 1,7 Prozent in die Höhe schießen lassen. Auch die Blue Chips an der Wall Street hatten ihren Rekordkurs fortgesetzt. Die meisten Händler hakten die Fed-Entscheidung jedoch ab und wendeten sich wieder anderen Themen zu.

Dazu zählt das Weihnachtsgeschäft, aber auch Firmenbilanzen für das vierte Quartal und die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt. Der Dax erhielt am Morgen Unterstützung von einer aufgehellten Verbraucherstimmung in der Bundesrepublik. So legte der von dem Marktforschungsunternehmen GfK für Januar vorausberechnete Konsumklimaindex um 0,2 Punkte auf 7,6 Punkte zu.

Wie von Ökonomen erwartet konnte also das bereits seit Monaten außerordentlich gute Konsumklima noch einen weiteren Schub bekommen. Schließlich seien die Bürger nach Expertenmeinung zunehmend zuversichtlich, dass die Wirtschaftsentwicklung an Dynamik gewinne. Außerdem motivieren die niedrigen Zinsen derzeit nicht zum Sparen - in der Folge geben viele Menschen ihr Geld lieber aus, als es auf die Bank zu tragen.

Die Meilensteine des Dax

1. Juli 1988

Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten.

5. April 1991

In Frankfurt geht das „Interbank Informations System” - kurz Ibis genannt und eine Art Vorläufer des Xetra-Systems - an den Start.

19. Januar 1996

Die Börse führt den MDax ein, dem zunächst 70 mittelgroße Unternehmen angehören. Im März 2003 wird der MDax auf 50 Unternehmen verkleinert.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

10. März 1997

Start des Neuen Marktes. Nach einer Reihe von Skandalen wird das Segment am 21. März 2003 wieder abgeschafft. Am 24. März 2003 wird als inoffizieller Nachfolger der TecDax eingeführt, dem 30 Tech-Aktien angehören.

28. November 1997

Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für „Exchange Electronic Trading” - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an. Zunächst werden 109 Aktien auf Xetra gehandelt. Später öffnet die Börse Xetra für alle deutschen sowie für europäische und US-Aktien.

7. März 2000

Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Danach beginnt beim Dax eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2000

Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Beim Börsendebüt am nächsten Tag erreicht die Aktie in der Spitze knapp 85 Euro. Heute notieren die Infineon-Titel bei 6,60 Euro. Danach beginnt eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

1. Juni 2007

Erstmals seit März 2000 steigt der Dax wieder über 8000 Punkte.

13. Juli 2007

Mit 8.152 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt hält sich der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab. 2009 beschleunigt der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Talfahrt des Dax.

21. Januar 2008

Der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate leitet die Talfahrt des Dax ein. Am 21. Januar fällt der Index um mehr als 500 Zähler oder sieben Prozent auf 6790 Punkte.

9. März 2009

Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: Mit 3588 Punkten erreicht der Dax zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Am 25. Oktober schafft der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

22. Mai 2013

Der Mai wurde für den Dax der Monat der Rekorde. Nachdem der Dax ein Rekordhoch nach dem anderen knackt, liegt das neue Allzeithoch bei 8.558 Punkten.

25. Oktober 2013

Der Dax schafft zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

7. November 2013

Neuer Rekord: Der Dax steigt zwischenzeitlich auf ein Allzeithoch von 9193 Punkten, gab bis zum Handelsende aber einen Teil der Gewinne wieder ab. Zum Börsenschluss reichte es für 9081 Punkten. Die Anleger feierten die überraschende Senkung des Leitzinses durch die EZB auf 0,25 Prozent.

25. November 2013

Der Dax beginnt die neue Handelswoche mit einer Rekordjagd. Schon in den ersten Minuten springt der Index über das alte Rekordhoch von 9254 Punkten und pendelt bereits vormittags an der Marke von 9300 Punkten.

2. Dezember 2013

Trotz eines ruhigen Präsenzhandels konnte der Dax an diesem Montag eine neue Bestmarke setzen: Er stieg am Vormittag bis auf 9424,83 Punkte.

30. Dezember 2013

Der Dax beendet seine Jahresendrally knapp über der Marke von 9500 Punkten.

4. Februar 2014

Der Dax startet stark ins neue Jahr und erreicht am 17. Januar mit 9789 Punkten abermals ein Rekordhoch. Börsianer hoffen, dass der Index nun über die 10000-Punkte-Markte springt und werden enttäuscht: Gegen Monatsende geht dem Dax die Puste. Am 31. Januar schließt er bei 9349 Punkten und läutet den Februar mit fallenden Kursen ein.

Aus den USA kamen ebenfalls erfreuliche Konjunkturdaten - das BIP wuchs im dritten Quartal um 4,1 Prozent und damit stärker als prognostiziert, gab das zuständige Ministerium am frühen Vormittag bekannt.

Zweimal stand der Dax heute knapp vor den 9400 Punkten: Am Vormittag überschritt er die Grenze nur kurzzeitig. Mit guten US-Konjunkturdaten im Rücken setzte er am Nachmittag noch einmal an, konnte die Marke aber nicht packen.

Dass sich am heutigen Handelstag, dem sogenannten Hexensabbat, ein solches Plus auch mal auf dem ersten Blick grundlos schnell ins Minus dreht, davon wurden die Börsianer heute nicht Zeuge. Zumindest aber die Einzelwerte zeigten heute schwankende Kurse. Am Hexensabbat werden die Optionen und Futures auf Aktien und Indizes fällig. Diesen dreifachen Verfallstermin haben Börsianer zum „Hexensabbat“ erklärt, häufig kommt es an diesem Tag zu Kursverwerfungen. Schon im Vorfeld versuchen Profi-Anleger die Kurse in eine für sie angenehme Richtung zu schieben.

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Die letzte volle Börsenwoche des Jahres endet versöhnlich. Die US-Notenbank sorgt nochmal für einen Kursschub. Viele Aktien legen indes aus anderen Gründen zu – und einige stürzen sogar gewaltig ab.

Am „Hexensabbat“ verfallen drei Arten von Anlagen: die Optionen auf Einzelaktien, die Optionen auf Indizes und die Terminkontrakte auf Indizes. Daher spricht man von einem „Großen Verfalltermin“. Die Terminkontrakte auf Börsenindizes - also der Dax-Future, MDax-Future oder EuroStoxx50 - verfallen nur alle drei Monate, immer am Ende eines Quartals.

Die Optionen auf Einzelaktien und Indizes verfallen dagegen alle vier Wochen. Das nennen Börsianer dann den „Kleinen Verfall“. Verfallstermin ist jeweils am dritten Freitag eines jeden Monats. Die Preise für Aktien-Optionen werden zum Xetra-Handelsschluss festgestellt, die für die Index-Optionen und -Futures schon am Mittag ab 13.00 Uhr. Ab 13.00 Uhr zeigte sich der Kurs des Dax dann auch weniger volatil.

Die Umsätze sind an Verfallstagen meist relativ hoch. Beim letzten Großen Verfall im September hatten allein im Dax fast 250 Millionen Aktien für 8,6 Milliarden Euro den Besitzer gewechselt.

Kommentare (34)

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alexfiftyfour

20.12.2013, 07:40 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Programmierer

20.12.2013, 07:51 Uhr

Jeder kann sie nutzen die Geldvermehrungsmaschinen.
Die meisten kapieren das aber nicht.
Aktienderivate noch besser als der DAX,alleine die täglichen Spielchen mit MüRü, Siemens, ALV, VOW DBK,DTE,...sind einfach unschlagbar.
Die kanppen Calls machen 400% und mehr, nirgends kann man sein Kaital so schnell vervielfachen.
Die Programme stehen auf buy egal ob Bernanke hinfällt oder aufsteigt oder was er macht.
Die Mächtigen haben ihren Kurswunschzettel und ihre Maschinen arbeiten diesen emotionlos ab.
Aber ihr handelt gegen diese Programme.
Im Schattenhandel werden Kurse in Nanosekunden hoch und runter gemacht,also NACHbörslich oder VORbörslich eine Begründuung gibt es dann immer.
Und geht der Dow ins Plus dann geht der DAX einfach mit.
Nur wennder Dow ins Minus geht dann geht er vielleicht mit,man muss nur eine Strategie haben,nie war es so einfach,denn Geld geht zu Geld.

Game_Over

20.12.2013, 07:55 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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