Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.06.2012

20:18 Uhr

Schneeballsystem

Finanzbetrüger Stanford bekommt lebenslänglich

VonNils Rüdel

Der Staatsanwalt wollte 230 Jahre Haft, das Gericht gab sich mit 110 Jahren zufrieden: Der Finanzbetrüger Allen Stanford muss wegen seines milliardenschweres Schneeballsystems für den Rest seines Lebens ins Gefängnis.

Allen Stanford brachte über 30.000 Investoren mit seinem Schneeballsystem um ihr Geld. dpa

Allen Stanford brachte über 30.000 Investoren mit seinem Schneeballsystem um ihr Geld.

HoustonMit einem milliardenschweren Schneeballsystem hatte er seine Anleger betrogen. Jetzt ist Allen Stanford zu einer Haftstrafe von 110 Jahren verurteilt worden. Darüber hinaus muss der Finanzjongleur eine Geldstrafe von 5,9 Milliarden Dollar zahlen. Das Urteil vom Donnerstag folgt dem Schuldspruch der Geschworenen in 13 von 14 Anklagepunkten vom März dieses Jahres, darunter Betrug, Verschwörung, Geldwäsche und Behinderung der Justiz. Auf jeden der Anklagepunkte stehen Höchststrafen von bis zu 20 Jahren Haft. Die Jury hatte es als erwiesen angesehen, dass Stanford Anleger durch ein Pyramidensystem um sieben Milliarden Dollar geprellt hatte.

„Herr Stanford zeigt keinen Funken Reue“, sagte Staatsanwalt William Stellmach am Donnerstag vor der Urteilsverkündung in einem US-Bundesgericht in Houston, Texas. Er verdiene werde Sympathie noch ein gnädiges Urteil, sagte Steelmach vor im Gerichtssaal versammelten Opfern. Die Strafverfolger hatten die Höchststrafe von 230 Jahren gefordert.

Stanford selbst verteidigte sich bis zum Schluss. „Ich wurde eine Menge Dinge geschimpft – arrogant, grob, schwierig“, sagte der Angeklagte. Doch er habe niemals vorgehabt, jemanden zu betrügen. Seine Verteidiger hatten argumentiert, Stanfords Geschäfte seien transparent gewesen, und hatten für eine Haftstrafe von lediglich zehn Jahren plädiert. Sie hatten einen weit geringeren Schaden für die Anleger zu Grunde gelegt als die Staatsanwaltschaft.

Der 62-jährige Texaner hatte mit seiner auf der Karibikinsel Antigua angesiedelten Firma mehr als 30.000 Investoren aus über einhundert Ländern um ihr Geld gebracht hat. Nach seiner Festnahme im Februar 2009 verbrachte er wegen Fluchtgefahr die vergangenen drei Jahre im Gefängnis. Im März dieses Jahres entschied die Jury, dass Stanford seinen Opfern 330 Millionen Dollar erstatten muss. „Das Vermögen, das die Vereinigten Staaten wiedererlangen, wird an die Opfer ausgezahlt", hatten die Geschworenen beschlossen.

Der Fall erinnert an den New Yorker Finanzjongleur Bernie Madoff, der das bisher größte bekannte Schneeballsystem aufgebaut hatte und dafür zu 150 Jahren Haft veurteilt worden war. Madoff hatte seine Anleger um bis zu 50 Milliarden Dollar geprellt. Noch immer sind Treuhänder damit beschäftigt, den genauen Schaden zu ermitteln und Anleger so weit es geht zu entschädigen.

Mit Material von afp.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

14.06.2012, 21:38 Uhr

Leider gibt in in der Tat genug unkluge Menschen, welche das Schneballsystem nicht durchschauen. Die denken, das man immer wieder neue Menschen zum Mitmachen findet. Diese Menschen verstehen nicht, das das System weder mit 5 Mitspielern noch mit 5 Milliarden Mitspielern funktionieren kann. Bei 5 Milliarden läuft es nur länger, das System bleibt das selbe.
Besonders "schlaue" Menschen denken auch, das Strukturvertrieb und Schneeballsystem das selbe ist. Soviel Unwissenheit ist sehr bedauernswert.
Ich wünsche allen Menschen ein offenes Herz und einen offenen Verstand.

Account gelöscht!

14.06.2012, 22:29 Uhr

Er ist sicherlich heilfroh "nur" 110 Jahre abzusitzen statt der 230 Jahre. Als US Richter muss man der menschlichen Logik wohl zynisch entgegen treten. Die wahlweise Reichung des Schierlingsbecher mit Mohnextrakt wäre zudem wohl um einiges humaner und stilvoller.

raydorano

15.06.2012, 00:54 Uhr

What you give is what you get.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×