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19.11.2013

16:58 Uhr

Schock für Aktienmärkte

Großinvestor Icahn warnt vor Börsencrash

Carl Icahn schockiert die Märkte mit einer Warnung vor einem Börsen-Crash. Der Großinvestor warnt vor einem tiefen Fall der Kurse. Weltweit sorgt das für Unruhe an den Aktienbörsen.

Kritischer Blick des Großinvestors: Carl Icahn warnt vor einer großen Börsen-Euphorie. Reuters

Kritischer Blick des Großinvestors: Carl Icahn warnt vor einer großen Börsen-Euphorie.

New YorkDer an den Börsen viel beachtete US-Großinvestor Carl Icahn warnt vor einem Absturz der Aktienmärkte. Der 77-jährige Milliardär sieht deutliche Anzeichen für eine Blase, die zerplatzen könnte: „Ich will es mal ganz einfach so sagen, viele Zahlen sind eine Fata Morgana“, mahnte Icahn bei dem von Reuters organisierten Global Investment Outlook Summit. „Sie beruhen nicht darauf, dass die Firmen gut geführt werden, sondern sie werden von den niedrigen Kreditzinsen befeuert.“ Icahn stellt sich damit gegen andere Börsen-Auguren, die Aktien angesichts der Niedrigzinsen weiter als die lukrativste Anlage ansehen. Wie viele Profi-Anleger setzt auch die US-Investorenlegende immer mal wieder auf fallende Kurse.

Er sei derzeit bei Aktien sehr vorsichtig, betonte Icahn. „Der Markt könnte leicht vor einem großen Einbruch stehen.“ Die seit Monaten steigenden Kurse würden von Aktienrückkaufprogrammen in die Höhe getrieben, nicht durch die Rentabilität der Firmen. Die Leitindizes Dax, Dow Jones und S&P 500 haben seit Jahresbeginn jeweils mehr als 20 Prozent zugelegt und sind in den vergangenen Wochen von Rekordhoch zu Rekordhoch geeilt.

Icahn ist als Unternehmens-Schreck bekannt, weil er sich nach einem Einstieg oft aktiv in Strategiefragen einmischt und wie bei Apple auch den Konflikt mit dem Management nicht scheut. Ziel ist stets, den Kurs zu erhöhen oder Ausschüttungen zu bewirken. Im Schnitt erwirtschafteten aktivistische Fonds wie die des Milliardärs zuletzt fast doppelt so viel Rendite wie andere Hedgefonds.

Die Warnung vor einem Crash sorgte weltweit für Unruhe an den Aktienbörsen. In Asien und Europa gingen die Kurse gen Süden. An der Wall Street hatten die Indizes schon am Vorabend mit Verlusten auf die Äußerungen reagiert.

Carl Icahn: Beste Zeit für aktivistische Investoren

Carl Icahn

Beste Zeit für aktivistische Investoren

„Meiner Meinung nach gab es noch nie eine bessere Zeit für aktivistische Investoren”, sagt Profi-Anleger Carl Icahn. Sein Erfolg spricht für diese Aussage: Der Einstieg bei Apple hat den iPhone-Hersteller beflügelt.

Anders als Icahn sehen die Finanzmarkt-Experten der Vermögensverwalter Allianz Global Investors und Deka keine Crash-Gefahr, auch wenn sie ebenfalls auf Risiken der ultra-lockeren Geldpolitik der großen Notenbanken hinweisen. Anlegern bleibe aber kaum etwas anderes übrig als Aktien, da wegen der Mini-Zinsen bei den meisten Staatsanleihen wenig zu holen sei. Außerdem könne 2014 mit einem weiterem Wachstum der Weltwirtschaft gerechnet werden, sagte Frank Hagenstein, Chef-Anlagestratege der Deka, am Dienstag. Insbesondere die südeuropäischen Krisenländer erholten sich. Anleger sollten eher auf europäische Werte setzen, empfahl er. Deutsche Aktien seien in den vergangenen Monaten bereits gut gelaufen.

Die Fondstochter der Deutschen Bank hält bei europäischen Titeln im kommenden Jahr ein Kursplus von bis zu 15 Prozent für möglich. Andreas Utermann, der bei Allianz Global Investors die Investitionsentscheidungen verantwortet, hält Kursrückschläge zwar jederzeit für möglich. Sie seien voraussichtlich aber nur von kurzer Dauer und für Investoren eine Gelegenheit zum Einstieg.

Folgen der Leitzinssenkung

Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der EZB leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB.

Was, wenn der Leitzins sinkt?

Sinkt der Leitzins, fallen in der Regel auch die Interbankzinssätze. Die niedrigeren Zinsen am Geldmarkt können die Banken an ihre Kunden weiterreichen. Sparzinsen - wie für Tages- oder Festgeld - liegen dabei oft unterhalb des Leitzinssatzes, Kreditzinsen eher darüber. Mit dieser Spanne zwischen Geldmarktzins und den Zinssätzen, die Banken Verbrauchern gewähren oder von diesen kassieren, verdienen die Institute ihr Geld.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Die erneute Leitzinssenkung deutet nach Angaben von Marcus Preu vom Finanzportal Biallo darauf hin, dass die Niedrigzinsphase länger anhält als erwartet. Eine schnelle Trendwende sei damit unwahrscheinlich. „Da schauen die Anleger jetzt erstmal in die Röhre“, sagt Preu. Andererseits profitierten die Verbraucher derzeit von der niedrigen Inflationsrate. Die Verbraucherpreise in Deutschland waren im Oktober im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,2 Prozent gestiegen.

Was sollten Verbraucher mit ihrem Ersparten tun?

Nach den Worten von Max Herbst von der FMH Finanzberatung ist es derzeit„"ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse. Einige Sparkassen böten schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Was bringen langfristige Anlagen?

Verbraucher, die nicht unbedingt auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, sollten ihr Geld den Experten zufolge längerfristig anlegen, um sich auskömmliche Zinsen zu sichern. Bei zweijähriger Laufzeit gibt es laut Herbst derzeit maximal 1,9 Prozent Zinsen, bei drei Jahren Laufzeit 2,15 Prozent. Bei vierjähriger Laufzeit gebe es 2,30 oder 2,40 Prozent, „aber da wird die Luft schon dünn“, sagt Herbst mit Blick auf die Auswahl attraktiver Festgeldangebote.

Werden Baukredite billiger?

Auch wenn der Leitzins nicht unbedingt der Referenzzins für Baukredite ist, können Bauherren nach den Worten von Preu derzeit "in Ruhe planen". Der zwischenzeitige Zinsanstieg beim Baugeld sei inzwischen wieder gestoppt. Laut Michiel Goris vom Immobilienfinanzierer Interhyp sind die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung in den vergangenen Tagen zum Teil auf rund 2,5 Prozent gesunken. Er empfehle Immobilienkäufern und Bauherren daher, die derzeit günstigen Zinsen zu nutzen und sie sich langfristig zu sichern.

Was wird aus der Restschuld?

Käufer mit viel Eigenkapital bekämen derzeit einen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent, erklärte Goris. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung seien sogar für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kämen aber nur für Anschlussfinanzierungen mit geringer Restschuld in Frage.

Wirkung an den Märkten zeigte aber vor allem Icahns Warnung. Er gilt als einer der mächtigsten aktivistischen Investoren weltweit. Die Aktien der Unternehmen, bei denen ein Icahn-Vertreter im Kontrollgremium sitze, hätten Renditen von bis zu 28 Prozent erzielt, betonte der Investor. Davon hätten auch die anderen Anleger profitiert. Er signalisierte zudem, dass er seinen Kampf bei Apple nicht aufgeben wolle. Icahn fordert, dass der US-Technologiekonzern einen Teil seiner Milliardenbestände über Aktienrückkäufe an die Aktionäre ausschüttet. „Apple ist keine Bank und sollte nicht wie eine Bank geführt werden, weil die Anleger ihr Geld nicht in eine Bank investiert haben.“ Der Konzern will dem bisher nicht nachkommen.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

19.11.2013, 09:20 Uhr

Wenn der Mann die ganze Wahrheit gesagt hätte, wären die Kurse nicht um 0,4% sondern um 40% gefallen.

Account gelöscht!

19.11.2013, 09:53 Uhr

Ach, ruft da wieder mal jemand: "AUSGANG"!? Na dann, ...

wolfshund

19.11.2013, 10:04 Uhr

Das mit Apple klappt im ersten Anlauf einfach nicht wie der Schein-Imperator es gerne gehabt hätte. Nun auf das Ganze.

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